Aus insgesamt 250 Stücken für ein erwachsenes Publikum hat das Auswahlgremium sieben ausgewählt, die für den mit 15.000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikpreis nominiert sind. Eine Neuerung in Mülheim: In diesem Jahr werden bereits die Nominierungen mit jeweils 3.000 Euro honoriert.
„Doping“ von Nora Abdel-Maksoud in der Inszenierung der Münchner Kammerspiele: Ein ehrgeiziger Lokalpolitiker kollabiert kurz vor der Wahl und wird in eine skurrile Privatklinik gebracht, um in 24 Stunden wieder fit zu sein. Die schwarzhumorige Komödie von Nora Abdel-Maksoud thematisiert Karriere, Körper und Kapitalismus – mit bissigen Pointen über neoliberale Widersprüche.
„Staubfrau“ von Maria Milisavljević in der Inszenierung des Schauspielhaus Zürich: „Staubfrau“ verknüpft persönliche Geschichten über patriarchale Gewalt, die lange ungehört blieben. Wenn eine Frau den inneren Monolog beendet, wird ihr Kampf zum kollektiven Aufbegehren. Maria Milisavljevics Stück ist ein queerfeministischer Aufruf – kraftvoll, poetisch und unaufhaltsam wie Wasser.
„Das Beispielhafte Leben des Samuel W.“ von Lukas Rietzschel in der Inszenierung des Gergart-Hauptmann-Theaters Görlitz: Diese Auftragsarbeit besteht, das stellt der Autor seinem Auftragswerk voran, aus 100 Gesprächen und Interviews: Auf einer Wahlversammlung treffen Menschen aufeinander, Politiker und Wähler*innen, Presse und Parteikollegen, politische Gegner. Die Spannung ist groß kurz vor der Wahl und es gibt zwei aussichtsreiche Kandidaten – den Bürgermeister und Samuel W. Wie kommt es, dass der eine sich radikalisiert, während der andere Konsens und Aussöhnung sucht?
„Frau Yamamoto ist noch da“ von Dea Loher in der Inszenierung des Schauspiels Stuttgart: „Frau Yamamoto ist noch da“ verwebt fragmentarische Szenen über Verlust, Einsamkeit und Sinnsuche. Menschen begegnen sich flüchtig, kreisen um die rätselhafte Frau Yamamoto und existenzielle Fragen. Dea Lohers neues Stück macht Sprache zum Halt in einer unsicheren Welt – ein poetisches Theater über Nähe und Vergänglichkeit.
„Asche“ von Elfriede Jelinek in der Inszenierung des Thalia Theaters Hamburg: Jelineks jüngstes Werk „Asche“ ist ein zutiefst persönlicher Text über den Verlust des geliebten Weggefährten, über Trauer und Untröstlichkeit, über das Empfinden, der Welt abhanden zu kommen, wenn der eine Mensch nicht mehr da ist, „verzogen ins Nichts.“ Und was passiert, wenn uns obendrein die Welt, unser Planet abhandenkommt? Bereits zum 23. Mal ist Jelinek in Mülheim nominiert und damit unangefochtene Rekordhalterin! „Jelinek bringt ihre Texte immer wieder zum Fliegen", erklärt Stephan Reuter, Sprecher des Auswahlgremiums, sodass das Gremium nicht anders wolle, als sie einzuladen.
„Altbau in zentraler Lage“ von Raphaela Bardutzky in der Inszenierung des Schauspiels Leipzig: In Bardutzkys „Schaueroper“ verbindet die Autorin soziale Kritik mit übersinnlichen Elementen. In ihrem Auftragswerk für das Schauspiel Leipzig erzählt sie vom ganz alltäglichen Grauen der Krise am Wohnungsmarkt und mischt dabei Ästhetiken der Schaueroper, des Groschenromans und der Clubkultur miteinander ab, denn Aus ihrer kleinen Altbauwohnung in der Morris Street wollen Zoey nicht nur die Eigentümer vertreiben, sondern neuerdings auch noch musizierende Gespenster aus dem 19. Jahrhundert …
„They Them Okocha“ von Bonn Park in der Inszenierung des Schauspiels Frankfurt: Ein nostalgischer Theaterabend über das Erwachsenwerden, verlorene Träume und die unausweichliche Zukunft. Bonn Park inszeniert mit Ben Roessler ein melancholisches Coming-of-Age-Drama voller Musik, das zwischen jugendlicher Unbeschwertheit und der Erkenntnis der Vergänglichkeit jongliert – bis alles aus den Händen fällt.

KinderStücke
Was alle nominierten KinderStücke miteinander vereine, seien die „kleinen großen Katastrophen“ in unserer krisenhaften Welt, so Theresia Walser, Sprecherin des Auswahlgremiums. Fünf von 35 Stücken werden in der KinderStücke-Woche in Mülheim zu sehen sein. Ihre auffällige Gemeinsamkeit? Ein hoffnungsvolles Aufbegehren!
„Aufräumen“ von Tina Müller in der Inszenierung des Theaters Fallaplha Zürich
Drei Performer*innen betreten die Bühne. Wie sieht es denn hier aus? In so einem Chaos können sie nicht spielen. Aufräumen ist angesagt! Aber wie geht das überhaupt? Und: Ist das Durcheinander nicht auch eine Chance? Jeder Gegenstand, über den sie stolpern, bringt sie auf eine neue Idee - allerdings wird die Geschichte, die sie erzählen wollen, dadurch nach und nach selbst ganz schön verworren.
„Pembo – Halb und halb macht doppelt glücklich!“ von Ayşe Bosse in der Inszenierung des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden: Als Pembos Vater einen Friseursalon in Hamburg erbt, beschließt die Familie, das schöne Dorf in der Türkei zu verlassen und nach Deutschland zu ziehen. Dort angekommen, ist Pembo zunächst alles grau und fremd. Aber dann entdeckt sie, wie viel Kraft und wie viel Herz sie hat, um auf das Neue zuzugehen – und aus Halb und Halb ein rundes, glückliches Leben zu machen.
„T-Rex, bist du traurig? Steht dein T für Tränen?“ von Fayer Koch in der Inszenierung des Theaters der Jungen Welt, Leipzig: Die Welt geht unter. Ein Asteroideneinschlag lässt (fast) alle Dinos verschwinden, zurück bleibt Nebel und Staub. Aber es beginnt eine neue Welt für Nagg, die mitten im Untergang als T-Rex aus dem Ei schlüpft. Nagg wächst bei den einzig überlebenden Sauriern, Babsi und Päm auf, die in der Vergangeheit kramen, während Nagg nur das Jetzt kennt. Mit diesem Stückauftrag rückt Fayer Koch mit literarischem Gespür junge Perspektiven auf eine komplexe Welt ins Zentrum.
„Woche – Woche“ von Lara Schützsack in der Inszenierung des GRIPS-Theaters, Berlin: Jeden Sonntag, 16 Uhr steht Nunu auf dem Spielplatz. Aber zum Spielen keine Zeit. Es ist nämlich die Übergabe vom Mama Zuhause ins Papa Zuhause und vom Papa Zuhause ins Mama Zuhause, Mama zu Papa, Papa zu Mama, Mama Papa, Pa- Ma-, Ma- Pa-… Woche für Woche. Yella, selbsternannte Superwoman oder gute Fee, versteht zum Glück, wie schwierig es ist, irgendwo neu zu sein und Bonus-Bruder Max weiß, wie nervig die kleine Halb-, naja irgendwie auch Bonus-Schwester, eigentlich ist. Gemeinsam mischen die Kinder die Erwachsenen-Regeln gründlich auf.
„Freddie und die ganze Katastrophe“ in der Inszenierung des Ensembles Mummpitz, Nürnberg: Freddie, neun Jahre alt, kennt die großen Katastrophen der Geschichte von Pompeji bis zur Pest – bis die Katastrophe Zuhause einzieht. Als ihre Eltern anfangen zu streiten, überflutet sie aus Wut die Wohnung mit Wasser. Die Wohnung wird zum Ozean und Freddie landet auf einem Schiff, das einen Eisberg rammt – ein Abenteuer für die, die mutig sind.
Welches Stück schließlich mit dem Mülheimer Dramatikpreis und dem KinderStückePreis ausgezeichnet wird, entscheiden zwei unabhängige Jurys. Bei den Jurydebatten können Zuschauier*innen live dabei sein: Am 23. Mai diskutiert die Jury über die Vergabe des KinderStückePreises im Theater an der Ruhr, die Jurydebatte um den Dramatikpreis bildet Ende und Highlight des Festivals am 31. Mai in der Stadthalle Mülheim.