Der Bonner Gastwirtssohn Stephan Sarter ließ es sich bauen, nachdem er zum Baron geadelt als Börsenspekulant 1882 zu Reichtum gekommen war. Während er in Paris in einer Etagenwohnung lebte, wuchsen auf halbem Weg zum Gipfel des Drachenfelses die zahlreichen Türmchen in die Höhe. Das später oft „Neuschwanstein“ des Rheinlands genannte Haus war so großzügig gebaut und reich ausgestattet, dass von den Steinresten in der Nähe gleich noch eine Villa entstehen konnte. Wo genau das Geld des Barons herkam, so richtig klar ist das bis heute nicht. Baron von Sarter zog nie ein, er starb unverheiratet 1902 in Paris.
Es folgte für den Prachtbau eine wechselvolle Geschichte. Umbau als Hotel, Nutzung als Genesungsheim, Jungeninternat und Eliteschule der Nazis. Dass einer seiner Besitzer auch mal einen Landeplatz für Luftschiffe geplant hatte, zeigt, wie das Schloss die Phantasie zum Blühen bringt. Eindringlinge im leerstehenden Schloss hinterließen ebenso wie der Zweite Weltkrieg tiefe Spuren. Schnitzereien wurden verfeuert, Wandgemälde gestohlen und Buntglasfenster mit Motiven zerbarsten im Bombenhagel.
Und es folgte doch noch eine Art Märchenkönig. Denn nach partiellem Wiederaufbau durch die Reichsbahn und langem Leerstand kaufte es 1971 ein gewisser Paul Spinat - der Legende nach mit einem Bausparvertrag. Der Textilunternehmer ließ sich gerne in einem güldenen Rolls Royce durch die Stadt fahren, tünchte Ausstattungsdetails in Goldfarbe, brachte Kitsch und Kram hinein. Als schriller Gastgeber – sogar Andy Warhol war zu Besuch – lud er zum Orgelkonzert in den Musiksaal. Während er auf der Empore mit dem Rücken zum Publikum so tat, als spiele er, kam die Musik nur vom Tonband. Die Orgel war eine Attrappe.
Umbau und Restaurierung
Nach Spinats Tod nutzte das Land NRW ein Vorkaufsrecht und übertrug es der Nordrhein-Westfalen-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege. Im Gegensatz zur einstigen Bauzeit von nur drei Jahren dauerte die Wiederherstellung ungleich länger: insgesamt fast 17 Jahre. Heute ist das Schloss im Stile des Historismus wiederhergestellt. Die Glasfenster wurden teilweise schon neu gearbeitet, Holzarbeiten nach Fotos gefertigt und Wandschablonierungen restauriert. Einige Inventarstücke wurden in der Gegend und im Internet wiederentdeckt; anderes, auf Grundlage der historischen Abbildungen der Räume, vom Kunstmarkt aufgekauft. Heute lassen die langen Raumfluchten, die üppigen dunklen Holzvertäfelungen, die großbürgerliche Raumhöhe und vor allem der grandiose Blick hinunter auf Bonn und Königswinter wenig ahnen von der wechselvollen Geschichte. Der umliegende Landschaftspark des Ensembles konnte 2011 vollständig fertiggestellt werden.
Regelmäßige Ausstellungen laden Besucher*innen, heimische Dax-Konzerne ihre Führungskräfte und Konzerte ihre Zuhörer*innen in die Hallen – längst ohne Tonband. Zum Programm gehören unter anderem die „Geisterstunde“ auf Schloss Drachenburg sowie verschiedene öffentliche Führungen.