Vorhang auf für die Münsterländer Burgen- und Schlösserlandschaft: In der Fernsehserie „Haus Kummerveldt" geht es um das Aufbegehren einer jungen Adeligen gegen die Konventionen im wilhelminischen Kaiserreich. Jetzt wurde die Serie mit dem Grimmepreis-Spezial ausgezeichnet. Ausschlaggebend für die Wahl sei laut Jury die „experimentierfreudige Verknüpfung von Historie, Pop und Politik" der Produktion. Der 1964 erstmals vergebene Grimme-Preis gilt als Deutschlands wichtigster Medienpreis. „Haus Kummerveldt" wurde als einer von 17 Siegern aus über 750 Einsendungen ausgewählt. Geehrt werden Mark Lorei (Idee/Regie), Charlotte Krafft (Buch), Cécil Joyce Röski (Buch), Lotte Ruf (Produktion) und Milena Straube (Darstellung).
Worum geht's? Luise (Milena Straube) sehnt sich danach, Schriftstellerin zu werden. Ihr großes Vorbild: Annette von Droste-Hülshoff. Doch ihr bevormundender Bruder (Marcel Becker-Neu) hat andere Pläne für sie: Nach dem Tod des Vaters nutzt er seine Macht als Hausherr. Den patriarchalen Strukturen zum Trotz, versucht Luise das Geheimnis um ihre verschwundene Schwester Ida zu lüften. Regisseur Mark Lorei interessierte bei der Arbeit an der historischen Serie vor allem der Bezug zu aktuellen Debatten: „Denn es gibt starke Kontinuitäten besonders zwischen sozialen und sexistischen Mustern der damaligen und der heutigen Gesellschaft."
Besonders Ortskundige dürften ihre Freude an der Serie haben: In der Welt der Luise von Kummerveldt entdecken aufmerksame Zuschauer*innen viele Stätten aus dem Münsterland. Stammsitz der Adelsfamilie ist beispielsweise das Haus Welbergen in Ochtrup. Weitere Drehorte waren die Bibliothek auf Burg Hülshoff in Havixbeck, die Häuser Rüschhaus in Münster und Runde in Billerbeck, die Burg Vischering in Lüdinghausen und das LWL-Museum Textilwerk in Bocholt.
Die erste Staffel von „Haus Kummerveldt" umfasst sechs Folgen à rund 20 Minuten. Wer sich selbst ein Bild von Luises Münsterland machen will, wird online fündig: Die Serie ist in den Mediatheken von ARD und Arte zu sehen.