


Erste Trinkhallen entstehen Mitte des 19. Jahrhunderts und platzieren sich vor Zechen und Hüttenwerken – geöffnet für Kumpel und Arbeiter. Es sind Szenerien wie aus einem Roman von Ralf Rothmann oder aus einer Folge Schimanski: „Tatort“ Duisburg. Trude Herr oder Tana Schanzara würden einem als Besucher*innen des Büdchens gleich präsent sein. Konsum von gestern. Schwer vorstellbar, dass – anders als in Shops oder Supermärkten – die Kreditkarte gezückt werden würde. „Hier wird mit Kleingeld bezahlt. Trinkhallen sind keine sichere Bank“, schreibt Andreas Rossmann in seinem begleitenden Essay „Dorfplatz der Großstadt“, der den Bildband mit Fotografien von Tata Ronkholz beschließt.







Die gut 100 Fotografien dieses schönen Bandes entstanden zwischen 1977 und 1984, als die Fassaden und oft auch die Auslagen ihre beste Zeit bereits hinter sich hatten. Abgesehen von einer Handvoll Aufnahmen, sind es Schwarz-Weiß-Fotografien. Man registriert dies erst richtig im Vergleich mit den farbigen Motiven, so sehr scheint das Andere die (künstlerische) Normalität.
Andreas Rossmanns Essay zitiert als Motto einen Satz von Heinrich Böll aus dem Jahr 1972, der das, was es im Kiosk zu kaufen gibt, „all die Nichtigkeiten, die an Kindheit erinnern“, nennt. Tata Ronkholz wollte „das Büdchen in seiner ganzen Liebenswürdigkeit zeigen“, auch in seiner kleinteiligen Bescheidenheit. Wollte das Alltägliche festhalten, das auch das Widerborstige ist, das sich gegen die makellose Glätte, Geschwindigkeit und Routine der modernen Stadt wehrt.
Tata Ronkholz, Trinkhallen, Fotografien, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2025, Hardcover, Deutsch / Englisch, 192 S., 49,80 Euro.
Parallel zeigen die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur in Zusammenarbeit mit VAN HAM Art Estate und dem Stadtmuseum Düsseldorf: Tata Ronkholz – Gestaltete Welt. Eine Retrospektive.Neben den Trinkhallen & Kisoken widmet sich etwa eine weitere Werkserie Industrietoren, aufgenommen zwischen 1977 und 1985. Die Schwarz-Weiß-Bilder der Tore lassen durch Gitter und Gestänge den Blick ins Innere der Gewerbebereiche erahnen und wirken durch ihre graphische Struktur fast abstrakt.
14. März bis 13. Juli 2025 (Eröffnung: 13. März, 19.00 Uhr)







