Denkermarathon: Bei der phil.COLOGNE geht es nicht nur um Philosophie

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Vom 11. bis 18. Juni bildet das Kölner Festival mit 40 Veranstaltungen den gesellschaftlichen Diskurs ab. Aus gegebenem Anlass rückt das uralte Menschheitsthema „Krieg und Frieden“ ins Zentrum der Debatten.

Das „phil“ im Namen bezieht sich nicht bloß auf Philosoph*innen, die ihre Diagnosen zur Welt abgeben. Auch Historiker*innen, Psycholog*innen oder Schriftsteller*innen kommen beim Festival zu Wort. Dessen Leitungsteam – Tobias Bock, Wolfram Eilenberger, Svenja Flaßpöhler, Rainer Osnowski, Gert Scobel Jürgen Wiebicke – ist es auch in diesem Jahr wieder gelungen, beinahe alles, was in der intellektuellen Szene Rang und Namen hat, nach Köln zu locken.

Das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und das Pulverfass, auf dem nicht nur Israel und Palästina sitzen, lassen wohl niemanden kalt. So hat der Veranstalter, der Verein zur Förderung der Literatur und der Philosophie, aus gutem Grund eine Eröffnungsveranstaltung ins Programm genommen, die den Nahen Osten in den Blickpunkt rückt. In der Flora treffen der israelische Soziologe Natan Sznaider und der Schriftsteller Navid Kermani aufeinander. Mit dem Gedankenaustausch der beiden Freunde wird ein engagierter E-Mailwechsel fortgesetzt, der soeben in Buchform unter dem Titel „Israel. Eine Korrespondenz“ erschienen ist (11.6., 17 Uhr).

Wird es in der heillos zerrissenen Region jemals Frieden geben? Eine Frage, auf die keiner eine verbindliche Antwort geben kann, weil die Zukunft wider Erwarten vielleicht doch besser wird als die verheerende Gegenwart. Diesen, zumindest potenziell optimistischen Standpunkt vertreten die Zukunftsforscherin Florence Gaub und der Sozialpsychologe Harald Welzer in ihrem „Gespräch über die Möglichkeit positiver Erzählungen“ (17.6., 20 Uhr, Balloni Hallen). Auch Robert Menasse gehört zu jenen, die über den Tellerrand der Gegenwart hinausblicken. „Die Welt von morgen“, so hat der österreichische Schriftsteller seinen neuen Essay genannt. Ein Plädoyer für ein vereintes Europa (13.6., 21 Uhr, WDR-Funkhaus). Keine Überraschung, dass Richard David Precht, der in den Medien omnipräsente Denker und Publizist, ebenfalls zur Phalanx der Propheten gehört. Weil der Klimawandel alle Menschen gleichermaßen betreffe, könne sich niemand, der bei klarem Verstand ist, der Rettung der Menschheit verweigern. Precht sieht deshalb – möglicherweise – ein Zeitalter der Toleranz heraufziehen (17.6., 20 Uhr, Flora Köln).

Politik gibt also den Ton an beim größten Philosophie-Festival Deutschlands. Demgegenüber treten klassische Aspekte der Philosophie zurück. Doch es gibt sie. Immanuel Kant, dessen 300. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, spielt auch bei der phil.cologne eine bedeutsame Rolle. Der Schriftsteller Daniel Kehlmann und der Philosoph Omri Boehm machen den Erfinder des kategorischen Imperativs kurzerhand zum Zeitgenossen. Bei ihrem Auftritt, betitelt „Der bestirnte Himmel über mir“ (16.6., 20 Uhr, WDR-Funkhaus), befassen sich Kehlmann und Boehm mit der Frage, wie ein Philosoph, der 1724 geboren wurde, unser Denken im Jahr 2024 maßgeblich beeinflussen kann?

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