„Wallenstein“ an den Städtischen Bühnen Münster
06.07.12 18:30

Nichts weniger als das ureigene Wesen des Politischen offenbart Friedrich Schiller in seiner Trilogie über den Fürsten und Feldherrn im Dreißigjährigen Krieg, der die Geschicke der Welt am Lauf der Sterne ablesen wollte. Das Historienstück ist zugleich auch Ideendrama der Politik. Wer sich ihr verschreibt, wer versucht, durch sie und mit ihr zum Ziel zu kommen, wird am Ende von ihrem Sog davon gerissen. So ergeht es Wallenstein, aber auch seinem Freund und Verderber Octavio Piccolomini.

Ideen und Charaktere, das könnte ein Widerspruch sein. Aber schon Theodor Fontane hat mit Nachdruck darauf verwiesen, dass Schiller mit diesem dramatischen Gedicht „die Klarheit, den Stil und die Handlungslosigkeit des französischen Klassizismus“ und „den historischen Sinn und die scharfe und reiche Charakteristik des Shakespeareschen Dramas“ vereint. In der geschickt verknappten Bearbeitung der „Wallenstein“-Trilogie, die der Münsteraner Intendant Wolfgang Quetes und sein Dramaturg Wolfgang Türk erarbeitet haben, halten sich die beiden Seiten perfekt die Waage.

Das Blut wird jenseits der Bühne vergossen, im Off. Aber die Wortgefechte, die Johann Schiblis Wallenstein mit seinen Vertrauten wie mit seinen Gegenspielern austrägt, sind von geschärfter Präzision. Sie schneiden tief und treffen womöglicher tödlicher als eine Kugel. Auf der breiten, von Manfred Kaderk in Anlehnung an Münsters Friedenssaal gestalteten Bühne inszeniert Quetes das Drama als kühl-analytisches Strategiespiel. Jede Bewegung zwischen den Tischen und Stühlen, die verschiedene Örtlichkeiten und Lager andeuten, wie auch jeder gesprochene Satz ist Teil des ewigen Taktierens, das Politik heißt.

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