Barrie Kosky begegnet Richard Wagners Rausch mit klaren, ästhetischen Bildern und wendet die Spannung des Werks ganz nach innen. „Tristan und Isolde“ sei eine Oper, besessen vom Vorgang des Lauschens und Hörens, sagt Kosky. Der Schalltrichter eines Grammophons beherrscht die Schiffskajüte des ersten Aktes, in der Isolde wie eine Gefangene ausharrt. Den Würfel, der die klaustrophobische Kabine beherbergt, hat Bühnenbildner Klaus Grünberg so installiert, dass er in einem schwarzen Raum zu schweben scheint.
Hier empfängt Isolde Tristan und trinkt mit ihm den Liebestrank. Doch die Liebe weitet den Raum nicht, im zweiten Akt ist aus dem Quadrat eine Art Raumschiff geworden, das sich im Verlauf des nächtlichen Duetts kippend um die eigene Achse dreht. Die Liebe allein in der Unendlichkeit des Alls. Die Vision des Schwerelosen befindet sich im besten Einklang mit Stefan Soltesz’ musikalischer Deutung und der grandiosen sängerischen Leistung von Evelyn Herlitzius und Jeffrey Dowd sowie dem gesamten Ensemble des Aalto-Theaters in Essen.
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