Es ist ein Remake, nur größer, spektakulärer, teurer, wenn zwar nicht unbedingt dem Stoff angemessener als der Vorgänger, auch wenn der Regisseur David Fincher heißt, der sich mit Abgründen, Schrecknissen und Psycho-Zerrüttungen auskennt, wenn man an „Fight Club“, „Seven“ oder sein Debüt „Alien 3“ denkt.
Stieg Larssons Roman „Verblendung“, Teil Eins der Trilogie der Millennium-Thriller, die sich mit „Verdammnis“ und „Vergebung“ fortsetzt, wurde 2009 von dem Schweden Niels Arden Oplev verfilmt und war Anfang 2012 im ZDF zu sehen. Hauptfiguren sind ein investigativer Journalist, der nach einem berühmten Vorbild Blomkvist heißt (und bei Fincher vom James Bond-Darsteller Daniel Craig gespielt wird), und das irgendwie auch lesbische Punk-Girl Lisbeth Salander (Rooney Mara), das verkorkst zu nennen sehr untertrieben wäre, das hart auf der Borderline balanciert und im Internet besser zurecht kommt als im wirklichen Leben, woran Lisbeths Kindheit ebenso schuld hat wie ihr vom Gericht bestellter Vormund, der sie erpresst und sadomasochistisch missbraucht.
Blomkvist, Journalist alter Prägung, der wegen eines Enthüllungsartikels verurteilt wurde, erhält von dem Großindustriellen Vanger (Christopher Plummer) den Auftrag, nach dessen vor Jahrzehnten verschwundener und vermutlich ermordeter Nichte zu suchen. Seit ihrem Verschwinden schickt ihm jemand anonym Jahr für Jahr ein Blumenbild, das nur vom Mörder stammen kann. Was Blomkvist und Salander in Archiven, Bibliotheken, Akten und im unendlichen Netz finden, reicht weit in die Vergangenheit zurück, verknotet sich zu Familienbanden, lässt nationalsozialistisch rassistische Ideologie aufleben und konfrontiert mit brutalstem sex and crime.
Fincher ist wie immer ein Meister von Tempo und Rhythmus, die er über gutzweieinhalb Stunden hält. Auch in „Verblendung“ zeigt er stilvolle Eleganz und ein fast schon pathologisches Gespür für beklemmende Atmosphäre, lockt in die Untiefen des Digitalen und in konkrete Albtraum-Räume.