Sebastián (Gael García Bernal), ein idealistisch gesonnener Regisseur, dem der Produzent auf die Finger guckt, will alles anders machen in seinem Film über den Konquistador Christoph Kolumbus: kein Heldenepos, sondern die historische Wahrheit über Eigennutz, Habgier, Versklavung und Völkermord; er will den Mythos der Entdeckung demontieren. Trotzdem gilt für ihn: „Der Film kommt immer an erster Stelle“, womit Sebastián in gewisser Weise in die Spur der Eroberer tritt.
Zuerst werden unter den Indios im bolivianischen Hochland von Cochabamba Statisten gecastet. Daniel (Juan Carlos Aduviri) bekommt die Rolle von Hatuey, einem Häuptling der Ureinwohner, die die spanischen Herren des Goldes wegen grausam unters Joch zwingen. Während die Filmcrew in ihrer Selbstbezogenheit debattiert über Kirche, König, Kolonisation und Kommerz, müssen sich die Indios einer konkreten Okkupation erwehren.
Es ist die Zeit des so genannten Wasserkrieges im Jahr 2000, als die Regierung an Konzern-Multis die Rechte am blauen Element verkaufen wollte, um den Staatshaushalt zu sanieren. Die Bevölkerung leistet Widerstand gegen die Absicht, Quellen, Seen, Flüsse und „Even the Rain“ – dies die Übersetzung des Originaltitels „Tambien la Iluvia“ – zu kapitalisieren.
Einmal schwebt ein Kreuz an einem Helikopter in den Lüften: zum Zeichen der Eroberung, wie vor 500 Jahren, als Kolumbus und seine Leute an der Westküste von Südamerika landeten. Der moderne Kreuzzug aber wird mit der Kamera geführt. Das Kreuz ist nur ein Requisit im Drehplan.
Geschichte wiederholt sich und ändert dabei ihre Gestalt. Die spanische Regisseurin Icíar Bollaín konstruiert in Mehrfach-Überblendung, Schichtung und sich spiegelnder Reflexion ein intelligentes Vexierbild, in dem das Drama eines Landes und Kontinents sichtbar wird und alles eine Doppelbedeutung annimmt: hier der fake des Films, dort die authentische Situation der Darsteller, die für ein paar Dollars neuerlich ausgenutzt werden – von denen, die eine andere Geschichte erzählen wollen über Ausbeutung im historischen Gewand. Es bleibt ein Akt der Inbesitznahme. Wobei Bollaíns kritisch geschärfter Blick das eigene Metier deutlich einbezieht. Der engagierte Filmemacher, der aufklären, politisch wirken und Engagement zeigen will, folgt zuletzt doch nur der eigenen Besessenheit und stillt seinen Ehrgeiz. Ein Ausbeuter mehr.