Ein Seelendrama innerer Konflikte ist Tschaikowskis Oper „Eugen Onegin“: Der Lebemann Onegin reagiert mit arroganter Gleichgültigkeit auf die leidenschaftlichen Gefühle seiner blutjungen Nachbarin Tatjana und weist sie leichtfertig ab. Auf Tatjanas Namenstag vergnügt Onegin sich mit Tatjanas Schwester Olga, die ihrerseits eigentlich mit Onegins Freund Lenski verbunden ist.
Im Verlauf des Eifersuchtsdramas kommt es zum Duell, in dem Onegin seinen besten Freund erschießt. Als er Tatjana nach ruhelosen Reisejahren wiedersieht, dämmert ihm viel zu spät die Einsicht, dass er sich um sein Lebensglück gebracht hat.
Am Aalto-Theater verlegt Regisseur Michael Sturminger das russische Landleben des späten 19. Jahrhunderts in die post-sowjetische Gegenwart. Für das erste Bild haben die Ausstatter Andreas Donheuser und Renate Martin in breitem Tableau einen verwohnten Bungalow gebaut. Im zweiten Bild verengt sich die Perspektive auf einen schmalen Kasten: Tatjanas Mädchenzimmer mit Plüschtieren und Postern an den Wänden. Hier schreibt sie ihren berühmten Brief, ein schüchternes Mauerblümchen mit wuchtiger Brille. Unkonventionell zeigt sich auch die Duell-Szene als Russisches Roulette. Feudale Pracht entwickelt sich erst im finalen Bild in Gremins Palast.
Die Inszenierung hat Konsequenz, Präzision und subtile Psychologie, frappiert mit Details und ist souverän und klug in ihrem Spiel mit Perspektivwechseln. Auf gewohnt hohem Essener Niveau die musikalische Seite: Victoria Yastrebova glänzt als Tatjana mit schlank geführtem, aber glühendem Soparn, Heiko Trinsingers ist ein sonorer Onegin. Srboljub Dinic führt leicht und elegant durch die Partitur; die Chöre sind superb.
Aalto-Theater | Opernplatz 10 | 45128 Essen
Tel: 0201/81 22 200 | Email: tickets@theater-essen.de | Website: http://www.theater-essen.de
Aalto-Theater | Opernplatz 10 | 45128 Essen
Tel: 0201/81 22 200 | Email: tickets@theater-essen.de | Website: http://www.theater-essen.de


