Ungern ging er ohne seine SX-70 aus dem Haus. Und auf Partys knipste Andy Warhol, statt zu tanzen. Für ihn war die Polaroid-Kamera „ein großartiges Spielzeug“, weil er damit Bilder machen konnte, ohne zu arbeiten. Warhol stand nicht allein da mit seiner Begeisterung, erstaunlich viele fanden Gefallen an den Sofort-Fotos. Vor allem in den 70er und 80er Jahren war Polaroid groß in Mode unter Künstlern und Kreativen.
Einen Querschnitt durch ihre Produktion zieht jetzt eine große Ausstellung im Düsseldorfer NRW-Forum – mit rund 400 Bildern von 180 Künstlern. Alle stammen aus der ehemaligen Firmensammlung des amerikanischen Polaroid-Herstellers. Wer sich nicht alles mit dem Instant-Foto abgegeben hat: Ansel Adams, Nobuyoshi Araki, Robert Mapplethorpe, Stephen Shore, Helmut Newton, Oliviero Toscani, William Wegman...
Ein Erfolg, der zuerst Edwin Land zuzuschreiben ist, der das Verfahren 1947 erfunden, über Jahrzehnte weiterentwickelt und auch ziemlich erfolgreich vermarktet hat. Schon sehr bald kam er auf die gute Idee, den Fotografen und Landschafts-Spezialisten Ansel Adams als Berater zu engagieren. In säuberlich dokumentierten Reihen testete der nun fast jeden Film.
Gemeinsam zettelten Land und Adams Anfang der 60er Jahre auch ein originelles Tauschgeschäft an: Künstler erhielten Kameras und Filme und gaben im Gegenzug Sofort-Fotos in die firmeneigene Kollektion. Weit über 16.000 Bilder sind so zusammen gekommen, das Meiste davon wurde aber nach der Polaroid-Pleite vor ein paar Jahren bei Sotheby’s in New York in alle Winde verschleudert.
Allein der europäische Teil der Sammlung, rund 4400 Bilder, konnte von dem Wiener Unternehmer Peter Coeln zusammengehalten werden. Aus diesem Fundus schöpft nun auch die Ausstellung im NRW-Forum. Warhol, der mit seiner Polaroid-Kamera eigentlich lieber Freunde ins Visier fasste, zeigt sich hier ausnahmsweise einmal selbst im Spiegel – niesend und anschließend mit Papiertaschentuch vor der Nase.
Stark vertreten sind in der Schau die 70er Jahre. Als sich gemeinsam mit Warhol die ganze Szene, ja überhaupt alle Welt auf die einfache, günstige, zusammenklappbare SX-70 stürzte. Auch Helmut Newton griff damals nach der praktischen Arbeitshilfe. Der Modefotograf schoss mit dem Apparat vorbereitende Ideenskizzen – ein typisches Beispiel für seine heißkalten Akt-Arrangements auf Polaroid bietet sich nun auch in Düsseldorf.
Neben den geläufigen Kleinbildern aus handlichen SX-70 hat die Ausstellung dort einiges zu bieten, das man vielleicht nicht unbedingt mit dem Medium verbinden würde. Sofortbild-Spezialitäten wie kleine Schwarzweiß-Schnappschüsse aus den 60er Jahren. Oder Instant-Fotos, die es auf 50 mal 70 Zentimeter bringen und in krassem Widerspruch zur Idee des Einfachen, Spontanen, Unvollkommenen des Polaroid stehen. Porentief, farblich perfekt und bis unter die behaarten Achseln gestochen scharf erscheinen etwa Sandi Fellmans Nahaufnahmen tätowierter Japaner.
Brillant auch die Weimaraner Hunde von William Wegman – in Düsseldorf zeigen sie sich verhüllt, im Kinderstuhl oder rücklings auf dem Sofa. Das sieht lässig aus. Doch dürfte es einige Mühen gekostet haben, die Tiere in solchen Posen aufs Riesenbild zu bannen. Allein schon wegen der über 100 Kilo schweren Holzkamera, die dafür nötig war. Fünf solcher Apparate sind heute noch in Umlauf. Echte Raritäten.
Längst hat die digitale Bilderflut das Medium an den Rand gedrängt. 2008 hat der amerikanische Hersteller-Konzern denn auch seine Produktion ein. Es dauerte nur zwei Jahre, bis die Wiener Firma „Impossible“ sie erneut aufgenommen hat, dazu die Maschinen der Polaroid-Fabrik im niederländischen Enschede wieder in Gang setzte, um die kleine Liebhaber-Gemeinde weiter zu bedienen.
Auf dass sich auch Zeitgenossen, die gute alte Polaroid-Ästhetik weiter zu Nutze machen können. Das NRW-Forum zeigt etwa aktuelle Arbeiten von Nobuyoshi Araki, dessen gefesselte Frauen nun gar nicht mehr so schillernd mehrdeutig erscheinen wie sonst, sondern eher platt wie Schnappschüsse. Auch Stefanie Schneiders Polaroids arbeiten bewusst mit dem Medium – betonen die alten Unzulänglichkeiten und wirken darin beinahe nostalgisch, entrückt. Wie Bilder aus längst vergangenen Tagen.
NRW-Forum Kultur und Wirtschaft | Ehrenhof 2 | 40479 Düsseldorf
Tel: 0211/ 89266-90 | Email: museum@nrw-forum | Website: http://www.nrw-forum.de
Öffnungszeiten:
Die bis So: 11:00 - 20:00 Uhr
Frei: 11:00 - 24:00 Uhr
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