Die Windsors sind das Muster und Vorbild an Pflichterfüllung und Formbewusstsein. Ihre Mitglieder gehorchen einem Leistungsprinzip, das persönliche Wünsche hintanstellt. Das war schon so in Stephen Frears’ fabelhaftem Film „The Queen“. Das ist nun so in Tom Hoopers „The Kings’s Speech“. Beide Filme sind sehr britisch, wie auf Tweed geschneidert, kultiviert und poliert im Dialog, wenngleich konventionell erzählt. Die Rolle, die die herausgehobenen Aristokraten darin einnehmen, schärft sich an einer besonderen Situation: In schwerer Stunde hat sich die Königsdisziplin zu bewähren.
„Bertie“, der Herzog von York, ist der zweitgeborene Windsor, der ältere Bruder David (Guy Pearce) für den Thron bestimmt, aber durch die Absicht, die geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson zu ehelichen, als Edward VIII. 1936 zum Abdanken genötigt. Das Handicap des Stotterns lässt Bertie denkbar ungeeignet für die Nachfolge erscheinen. Seine von Helena Bonham-Carter gespielte Frau Elizabeth (die uns vertraute Queen Mum) führt ihn zum Sprachtherapeuten Lionel Logue, einem Australier und auch darüber hinaus sehr unkonventionellen Mann.
Kein Arzt, sondern dilettierender Shakespeare-Akteur (Lieblingsrolle: Richard III.), ist sein Charakter nicht ohne Anteile komödiantischen Schwindlertums. Seine Methoden und das Vertrauen, das der hohe Patient zu ihm gewinnt, können den psychisch begründeten Defekt und die mechanischen Blockaden zumindest lindern. Der distinguierte Aristokrat löst und lockert sich.
Colin Firth als Königliche Hoheit – scheu, rührend um Haltung bemüht und rigide mit sich selbst – und Geoffrey Rush als sein brillanter, etwas hallodrihafter Couch machen dem Empire – und diesem Film – alle Ehre. Vor allem und zuletzt mit der Rede an die Nation zum Kriegsbeginn gegen Hitler-Deutschland erwirbt George VI. sich Respekt und Zuneigung. Womit der gute König auch zur Gegenfigur des demagogischen „Führers“ und rhetorischen Wüstlings wird, dem es angesichts der zivilisatorischen Bedrohung eben nicht die Sprache verschlägt.
So feiert der vielfach gefeierte Film Selbstüberwindung, Willensanstrengung und Selbstbehauptung heroisch als individuelle wie nationale Leistung. Amüsant und smart.