„The Help“ von Tate Taylor

Sie überlassen ihnen ihre Kinder, geben sie in die Hände ihrer farbigen Mummys und Nannys, aber erlauben ihnen nicht, dieselbe Toilette wie sie selbst zu benutzen, sondern bauen ein Extra-Häuschen an. Und reichen eine Petition beim Gouverneur ein, um die „Heimsanitäranlage“ zur verbindlichen Einrichtung zu machen. Die Angst vorm Schwarzen Mann wahlweise der Schwarzen Frau ist auch durch Hygiene nicht zu bannen.

Die süßen Kleinen aber werden zwanzig Jahre später ihre Erinnerung an die liebevollen Ersatzmütter vergessen haben und genau so sein und handeln wie ihre ehrbaren Eltern aus dem weißen Establishment, bei denen Wohlfahrt und Brutalität aus einer puritanisch verfassten Wurzel wachsen. Strikte Rassentrennung. Nicht einmal die gleiche Tasse und das gleiche Besteck, egal, ob die Gegenstände gesäubert wurden, dürfen schwarze und weiße Lippen berühren. Nicht einmal dieselben Bücher der Bibliothek dürfen von schwarzen in weiße Studenten- Hände gehen.

So ist es bis in die sechziger Jahre im Süden der USA Gesetz – besonders strikt im Staat Mississippi. In Jackson spielt die Geschichte, in der es aussieht, als müssten gleich Lana Turner, Jane Wyman, Rock Hudson und Sandra Dee als Figuren eines Films von Douglas Sirk um die Ecke biegen. Tate Taylor hat den Bestseller „Gute Geister“ von Kathryn Stockett adaptiert. Ein Roman wie „Onkel Toms Hütte“ unter zivilisierteren, weniger physisch grausamen, aber doch inhumanen Bedingungen. Die Sklaverei ist abgeschafft, nicht die Entrechtung. 

Das ungeküsste College-Girl Skeeter (Emma Stone) hat andere Ambitionen, als am Bridgetisch mit ihren grässlich perfekten, herzlosen verheirateten Freundinnen zu sitzen und über Clubabende zu tratschen. Obwohl, ganz ohne Mann geht’s auch bei ihr nicht – dafür kommt Stuart (Chris Lowell) ins Spiel, der erst mal auf feministische Linie gebracht werden muss. Skeeter möchte Schriftstellerin werden, Zeitungskolumnistin ist sie, wenn auch nur für die Haushaltstipps; sie entwickelt einen kritischen Blick auf die eigene Mittelschicht in ihrer Herablassung, den Vorurteilen, dem Dünkel und christlicher Selbstgerechtigkeit. Im Auftrag eines New Yorker Magazins beginnt sie, afroamerikanische Dienstmädchen über ihre Erfahrungen mit der weißen Herrschaft zu befragen. 

Aibileen (Viola Davis) und die resolute Minny (Octavia Spencer) sind die ersten, die Angst und Misstrauen überwinden und auspacken: über niedrige Löhne, tägliche Demütigung, Ausgrenzung, den Widersinn der Beschränkungen. Während sich die Bürgerrechtsbewegung formiert und den Marsch auf Washington plant, schießt in Jackson der KuKluxKlan einen Farbigen nieder – Initialzündung dafür, dass weitere Frauen sich den Interviews stellen und ihre Stimmen erheben. 

„The Help“ ist emotional, erbaulich, witzig, konventionell erzählt, aber eines überhaupt nicht: schwarzweiß. 

 

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Walter Moers

Käpt’n Blaubär, "Das kleine Arschloch", Hein Blöd, "Der Fönig", Hildegunst von Mythenmetz oder Adolf, die Nazi-Sau – mit dem Namen Walter Moers verbinden sich viele Gesichter, nur nicht sein eigenes. Der Schriftsteller und Comic-Zeichner lebt und arbeitet zurückgezogen in Hamburg; Pressefotos oder öffentliche Auftritte in Talkshows gibt es nicht. Im Internet kursieren zwei Fotos

„Und dann der Regen“ von Icíar Bollaín

Die spanische Regisseurin Icíar Bollaín konstruiert in "Und dann der Regen" ein intelligentes Vexierbild, in dem das Drama eines Kontinents – Südamerika – sichtbar wird und alles eine Doppelbedeutung annimmt. Gedreht wird ein historischer Film über den Eroberer Kolumbus – und wieder findet Ausbeutung der Indios statt.

Chris Kraus erzählt von "Poll"

Poll“, benannt nach dem baltischen Ort und dem Gut, liegt an der Ostsee. Dort spielt die Familien- und Liebesgeschichte, die Chris Kraus erzählt, kurz vor dem Ersten Weltkrieg. So wird sie auch zur politischen Geschichte.

„Käthe Hermann“ im TAM

Es ist eine Tyrannei des Glücks vor dem Hintergrund des Braunkohleabbaus, die die 1978 geborene, in Wuppertal lebende Autorin Anne Lepper in ihrem Familiendrama "Käthe Hermann", ihrem zweiten Bühnenstück, zeigt. Es wurde am Theater Bielefeld uraufgeführt.

„Hinter der Tür“ von István Szabó

Von einer seltsamen Frau erzählt Oscar-Preisträger István Szabó in seinem Kammerspiel „Hinter der Tür“ auf altmodisch bedächtige Weise und nicht ohne Humor. Er legt Dinge offen, die in Ungarns Geschichte, die Nazi-Zeit und die Verfolgung der Juden zurückreicht. Helen Mirren spielt die Putzfrau Emerenc.

Phänomenta, Lüdenscheid

Nur gucken! So lautet meist die Ansage in Museen und Ausstellungen. Wie das der Nachwuchs findet? Eher doof. In der „Phänomenta“ in Lüdenscheid gilt indes das Gegenteil – hier ist Anfassen ausdrücklich erlaubt. Denn die „Phänomenta“ ist kein Museum der herkömmlichen Art mit Skulpturen und Gemälden, sondern ein „Science Center“, das mit Experimenten

Joachim Król

Als sein Schauspieler-Vorbild nennt Joachim Król den zwanzig Jahre älteren Briten Sir Anthony Hopkins. Vom Typ her kann das verwundern, weil zwischen dem aristokratischen Gentleman und dem 1957 in Herne geborenen Bergmannssohn mit polnischen Vorfahren kaum Ähnlichkeit besteht.

Heinz Nixdorf MuseumsForum, Paderborn

Das Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) in Paderborn ist das größte Computermuseum der Welt. Benannt ist es nach dem Paderborner Computerpionier und Unternehmer Heinz Nixdorf. Das am 24.10.1996 eröffnete Haus zeigt auf 6.000 m² Ausstellungsfläche die Geschichte,

Roger Ballens "Fotografien 1969 – 2009" im MARTa

Roger Ballen hat die Kamera nicht – wie viele seiner südafrikanischen Kollegen – als Waffe im Kampf gegen das Apartheidsregime gehandhabt. Morddrohungen haben ihm seine Bilder dennoch eingebracht.

„Dame, König, As, Spion“ nach John le Carré

John le Carrés 1974 erschienener Smiley-Roman „Dame, König, As, Spion“ ist alles andere als ein James-Bond-Abenteuer: kein Casino Royale, keine Damen mit Unterleib, keine glamourösen Schurken, keine raffinierten Playmobile von Q. Wir schauen ins Graugesicht des Geheimdienstes. Ganz oben im „Circus“ des britischen Auslandsgeheimdienstes MIS soll ein Maulwurf nisten – Smiley (Gary Oldman) wird ihn finden.

„Drive“ von Nicolas Winding Refn

Er kann es in seiner Coolness mit den Helden des klassischen Hollywood aufnehmen. Auch der Darsteller des "Driver" selbst: Ryan Gosling, Shootingstar der Kino-Saison. Driver arbeitet als Automechaniker, gelegentlich als Stuntman und erledigt ab und an krumme Dinger.

„Schöne Tage" am Theater Oberhausen

Als „proletarische Operette“ stellt sich das musikalische Projekt „Schöne Tage“ vor. Oberhausens Theatermusiker Otto Beatus montiert dazu Songs von Pink Floyd und Nick Cave in die turbulente Handlung. Erzählt wird eine Geschichte, die Hauptmanns Tragikomödie „Die Ratten“ in die Zukunft des Jahres 2031 fortschreibt.

„Kleiner Mann – was nun?“ am Bochumer Schauspielhaus

„Kleiner Mann – was nun?“ ist ein Roman vom Leben in der Krise – und wie ein Paar sich gegen den Abstieg stemmt. Das Buch ist 1932 erschienen, geschrieben hat es Hans Fallada. Jetzt ist es in Bochum als Stück auf die Bühne gekommen, in der Regie von David Bösch.

Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf

1848 gegründet, dürfte der Düsseldorfer Künstlerverein Malkasten einer der ältesten seiner Art in Deutschland sein. Im Besitz des Malkasten – und damit autonom in Künstlerhand – sind das Jacobihaus mit Gesellschaftsräumen und Archiv, in dem Quellen zur Geschichte der bildenden Kunst gesammelt

Wilhelm Schürmanns "Steinhammer Straße" in der SK Stiftung

Steinhammer Straße in Dortmund – nie gehört? Zugegeben: Es gibt bekanntere Kreativzentren. Aber irgendetwas muss da vor ein paar Jahrzehnten in der Luft gelegen haben.

Markus Orths im Bürgerhaus Alte Johanneskirche

Früher war mehr Glamour. Im Nibelungenlied musste Siegfried die Tarnkappe noch hochdramatisch dem Zwerg Alberich entreißen, um an den Nibelungenschatz zu gelangen; Simon Bloch findet sie dagegen in einer Alditüte in der hintersten Ecke seines Kleiderschrankes. Überhaupt ist Blochs Existenz eher unspektakulär, er hat sich eingerichtet in einem überschaubaren Leben.

„Ziemlich beste Freunde“ von Nackache und Toledano

15 Millionen Franzosen haben diesen Film gesehen und mehr und besser gelacht, als wenn sie sich über die Provinzler aus Nord-Pas-de-Calais amüsieren. Die Geschichte von "Ziemlich beste Freunde" ist simpel, aber wirksam. Und beruht auf einem Schwarzweiß-Schema: Arm trifft Reich, Gesund trifft Krank.

Haus der Geschichte, Bonn

Auch wenn die Bundesregierung fast vollständig nach Berlin umgezogen ist – die deutsche Nachkriegsgeschichte bleibt mit der ehemaligen Hauptstadt fest verbunden. Im Haus der Geschichte kann man einen Blick in die jüngere Vergangenheit werfen, von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Bereits 1982 schlug der damalige Bundeskanzler

Landestheater Detmold

Das Landestheater Detmold unter der Intendanz von Kay Metzger ist die größte der insgesamt vier nordrhein-westfälischen Landesbühnen, ihr Repertoire umfasst alle Sparten: Schauspiel, Musiktheater, Ballett sowie Kinder- und Jugendtheater.

Westfälisches Landestheater, Castrop-Rauxel

Menschen ansprechen, die eher selten ins Theater gehen und die Bühnenkunst auch in „kulturschwächere“ Gegenden tragen – diese Ziele hat sich das Westfälische Landestheater unter der Intendanz von Sebastian Heindrichs gesetzt. Mit ihrer Freilichtbühne mit 500 Plätzen gastieren die Castrop-Rauxeler

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