Sie heißen „Besitzer“, „Frau“, „Mädchen“ und „Peter“. Nicht einmal ein bestimmter Artikel wird ihnen zugeordnet. „Besitzer“ hat ein Haus, einen Keller, ein Verlies. Er fängt Menschen ein, von denen er glaubt, sie bedürften der Hilfe, unfähig ihr eigenes Leben zu leben, drogenabhängig oder sonst wie gefährdet. Die Rettungsaktion ist aber Gewaltanwendung, Freiheitsberaubung, Demütigung, die Opfer sind eingesperrt, bekommen Schläge, sind einer totalen Herrschaft und Kontrolle unterworfen.
Dabei will „Besitzer“ ihnen ihre Freiheit in Schritten zurückgeben, will sie fit for life machen; falls sie sich aber gegen das Erziehungsprogramm sträuben, würden ihnen ein paar Zehen und Finger abgeschnitten. „Wiederherstellen, nicht zerstören“, lautet die Devise von „Besitzer“, den im Düsseldorfer Schauspielhaus Udo Samel mit gesammelter Ruhe, überlegen, fast ein Bonhomme, wenngleich mit Schwindel machenden Abgründen darstellt.
"Frau“ hat er so in totale Abhängigkeit gebracht. Sie kann nicht mehr ohne ihn und sein Regelsystem. Ohne eigene Verantwortung zu sein, vermag auch Sicherheit zu geben. In die Freiheit entlassen, kehrt sie bald zurück.
Stéphane Braunschweig hat als Regisseur und Bühnenbildner von „Tage unter“ eine raumhoch massive Ziegelwand mit Stahltür, verschlossen durch einen Code, errichtet. Das Quartett ist eingebunkert. Udo Samel, Claudia Hübbecker (Frau), Bettina Kerl (Mädchen) und Daniel Christensen (Peter) halten wie mit verbalen Trockenübungen Abstand zu ihren Rollen-Skeletten, spielen – trotz heftiger emotionaler Ausbrüche – eher ihre eigenen Regieanweisungen, als gefüllte Figuren.
Was schon die Kürzelsprache der Dialoge des 1968 geborenen Norwegers Arne Lygre in seinem Text vorgibt, der von fern her zwar Erinnerungen an Fälle wie Kampusch, Fritzl oder Dutroux aufruft, was aber in eine falsche Richtung lenken würde. „Tage unter“ ist aufs Sparsamste reduziert, ohne doch diesen gewissen Jon-Fosse-Sound zu erreichen. Die diffuse Lakonie steigert sich eher in eine Monotonie, wobei das Stück kein Ende nehmen will, bis die Mehrzahl der Personen tot ist. Keine Hoffnung für niemand in dieser abstrakt bleibenden, knapp an der Farce entlang gleitenden Versuchsanordnung, die in vielem psychologisch wie sozial unkonkret und in ihrem beklemmenden Extrem unscharf bleibt.
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