Er sei Verfassungspatriot, sagt der junge Mann in den leeren Raum: Das Statement ist nur eine Tonprobe. Nicht des Kandidaten, sondern seines Medienberaters Stephen Meyers. Er testet den Sound für Gouverneur Mike Morris, der später vor dem Mikrofon sprechen wird – und die gleichen Parolen verkündet.
George Clooneys eleganter, die Spannung konzentriert steigernder Film arbeitet mit mehreren solcher symbolisch zu begreifenden Szenen. Einmal steht Meyers, dessen mühelose Leichtigkeit und angewandte Intelligenz Ryan Gosling fabelhaft verkörpert, nur als Schattenriss vor den Farben der US-Flagge und hinterlässt auf den rot-weiß Streifen einen dunklen Fleck. Oder als seinem Boss, dem Wahlkampfleiter Paul Zara (Philip Seymour Hoffman), zwangsweise von Morris gekündigt wird, geschieht dies außerhalb unserer Augen und Ohren in einer geschlossenen schwarzen Limousine, auf die sich die Kamera langsam zu bewegt, bis Zara nach erhaltener Botschaft aussteigt.
Am Ende dann wird der Zuschauer mit der Großaufnahme von Meyers/Gosling entlassen, dessen Gesichtsausdruck hart, kalt und undurchdringlich wie das Monument von Mount Rushmore geworden ist. Er hat die Lektion in Machterwerb und -erhalt gelernt und dabei seine Integrität, seine Unschuld, seine Ideale verloren und verraten.
„Tage des Verrats“ heißt im Original „The Ides of March“ und bezieht sich auf den 15. Tag des Monats Martius im römischen Kalender des Jahres 44 vor Christus: Damals wurde Gaius Julius Caesar ermordet. Mit der banalen Eindeutschung ist die politisch-historische Aussagekraft futsch. Zwar fließt kein Blut, auch geschieht kein Mord, doch das, was im Vorwahlkampf von Ohio um das Weiße Haus abläuft, ist nicht weniger messerscharf. Vielleicht sind die Intrigen und Methoden sogar komplexer, vernetzter und jedenfalls medial manipulierbar.
Morris (Clooney) ist der fast zu perfekte Kandidat, dekoriert im ersten Golfkrieg, in Opposition zum zweiten Golfkrieg, smart, lässig, sozial engagiert, ohne christlich fundamentalistischen Impetus – eine Lichtgestalt, geklont aus JFK, Clinton und Obama. Innerhalb der Demokratischen Partei muss er sich noch gegen einen Mitbewerber durchsetzen, der sich bereits eines wichtigen Unterstützers versichert und diesem Senator ein Ministeramt versprochen hat.
Der allzu clevere Meyers macht einen Fehler, gerät zwischen die Fronten, wird ausgetrickst, weil seine Eitelkeit ihn vertrauensselig macht, deckt eine Schwachstelle in Morris’ Privatleben auf, womit der Kandidat erpressbar würde, und lernt, für sich selbst Win-Win-Situationen zu schaffen. Nur eine Regel ignoriert er: dass Loyalität die "einzig gültige Währung" ist. Es ist die eiserne Reserve. Man sollte sie gut hüten.