Stéphane Hessel in der Lichtburg
14.02.12 19:00

Alte Männer braucht das Land. Sie sitzen in Talkshows und werfen abgeklärt mit Lebenserfahrung um sich, so dass berufsjugendliche Generalsekretäre nur noch in Deckung gehen können. Stéphane Hessel würde, anders als Helmut Schmidt oder Peter Scholl-Latour, in Deutschland wahrscheinlich nicht auf der Straße erkannt. Man kennt ihn eher als Literat – seine Streitschrift „Empört Euch!“ traf, genauso wie in Frankreich, einen Nerv und verkaufte sich höchst erfolgreich.

Kein Wunder – dieser Mann ist lebendige Geschichte: Er war Mitglied der Résistance, hat das KZ Buchenwald überlebt und war Mitautor der UN-Menschenrechts-Charta. Der Sohn des Schriftstellers Franz Hessel wurde 1917 in Berlin geboren, zog 1924 mit den Eltern nach Paris und wird 1937 französischer Staatsbürger. Ab Oktober 1945 war er Vertreter Frankreichs bei den Vereinten Nationen in New York und Mitunterzeichner der Charta der Menschenrechte. Danach reiste er als Diplomat im Auftrag der UNO und Frankreich als Diplomat um die Welt.

Keine Frage, der Mann hat was zu sagen. Nach den Schriften „Empört Euch!“ und „Engagiert Euch!“, in denen er zum friedlichen Widerstand gegen die Ungerechtigkeiten der Welt aufruft, vertieft seine Autobiografie „Tanz mit dem Jahrhundert“, die eher einem Roman gleicht, den Blick auf Hessel und seine Weltsicht. Gegen den internationalen Finanzkapitalismus, gegen Ausbeutung, gegen die Unterdrückung von Minderheiten, gegen Umweltzerstörung: „93 Jahre. Das ist schon wie die allerletzte Etappe. Wie lange noch bis zum Ende? Die letzte Gelegenheit, die Nachkommenden teilhaben zu lassen an der Erfahrung, aus der mein politisches Engagement erwachsen ist.“

Im Februar 2012 erscheint mit „Wege der Hoffnung“ eine weitere Schrift, die Stéphane Hessel gemeinsam mit dem französischen Philosophen Edgar Morin verfasst hat. Beide Autoren fordern die Gesellschaft zum radikalen Umdenken auf: „Wir müssen für mehr Gerechtigkeit kämpfen, für bessere Integration der Immigranten und den Schutz der Umwelt. Und wir müssen mehr Verantwortung übernehmen für die, die unsere Unterstützung brauchen.“

Der Abend wird veranstaltet vom Deutsch-Französischen Kulturzentrum, dem Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) und der Buchhandlung Proust Wörter Töne.
Moderation: Prof. Dr. Claus Leggewie, KWI.

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