Rosemarie Trockel

Rosemarie Trockel, 1952 in Schwerte (Westfalen) geboren, ist Zeichnerin, Malerin, Filmerin, Video- und Installationskünstlerin. Sie ist berühmt für ihren subversiven Humor, ihre aggressive Ironie, ihre Kunst der Doppeldeutigkeiten. Bekannt ist ihr Ausspruch: „Jedes Tier ist eine Künstlerin“, mit dem sie die Vormachtstellung des Menschen als schöpferisches Wesen relativiert und zugleich die geschlechtsspezifischen Klischees hinterfragt. Die Erforschung von Ähnlichkeiten, Unterschieden und Grenzen zwischen Menschen, Tieren und Objekten wird ihr Thema. Nach Studien an der Kölner Pädagogischen Hochschule (1971 bis 1974) und der Kölner Werkkunstschule (1974 bis 1978) schließt sie 1980 Freundschaft mit Monika Sprüth, die ihre Galeristin wird und ihren kometenhaften Aufstieg zur führenden Konzept-Künstlerin begleitet.

Trockel beginnt als Zeichnerin. Ihre Blätter kreisen um das Rollenverständnis des Menschen, um Vexierbilder von Geburt und Tod. Nach Besuchen im Rautenstrauch-Joest-Museum ihres Wohnortes Köln beschäftigt sie sich mit Anthropologie und Soziologie. Sie untersucht die Sonnen- und Gottes-Zeichen oder Masken auf ihre magischen Bedeutungen. Das führt zu Fragen der Entwicklungsgeschichte und der Herkunft des Menschen.

In den frühen 1980er Jahren, als die Jungen Wilden mit subjektiver Malerei den Kunstmarkt beherrschen, lässt sie nach eigenen Entwürfen Strickbilder maschinell herstellen und auf Keilrahmen aufziehen, kombiniert aber das typische Medium der Frauenarbeit am Computer mit werbewirksamen Zeichen wie Hammer und Sichel. 1986 bis 1988 entstehen Affen-Porträts, die den Betrachter anstarren und deren weiche Konturen die Gesichter scheinbar zittern lassen. Der „Schizo-Pullover“ von 1988, mit zwei Halsausschnitten, variiert das Thema der Verdoppelung.

Im selben Jahr hat sie ihren ersten Auftritt im Museum of Modern Art, New York. In der Düsseldorfer Kunsthalle wiederum präsentiert Trockel eine weibliche Figur auf einem Tisch, aber ersetzt die erogene Zone durch einen a-sexuellen Zwischenraum. Ihr „Wollfilm“ von 1992 zeigt Ariadne als um sich selbst kreisende Stripperin. Noch bevor sich Theseus auf das Ziel seiner Begierde besinnt, hat sich das Wollknäuel Ariadne aufgelöst und den mächtigen Theseus entmachtet.

Seit Ende der 1980er Jahre entstehen Tierhäuser. Für das „Erdloch für Fledermäuse“ gießt sie eine Strickmütze ab, die an eine „Hasskappe“ erinnert, und lässt aus dieser Räubermütze künstliches Grünfutter sprießen. 1997 baut sie für die documenta X in Kassel mit Carsten Höller ein „Haus für Schweine und Menschen“ und lässt die Zuschauer die tierische Kunst des Lebens betrachten.

1998, inzwischen Professorin an der Kunstakademie Düsseldorf, fotografiert sie für ihre Ausstellung im Leopold-Hoesch-Museum Düren frisch Verliebte in Schwarz-Weiß und stellt die Motive frei, so dass die Liebenden ins Bodenlose zu sinken scheinen. Sie fotokopiert Zeichnungen, versetzt die zweite Kopie leicht, so dass das endgültige Bild verschwommen erscheint. 1999 bespielt sie als erste Frau den Deutschen Pavillon in Venedig und zeigt drei Filme zur Vergangenheit in der Kindheit, zur Jetztzeit und zur Zukunft, zum Schlaf und zur Traumzeit. 2006 präsentiert sie für ihre Retrospektive im Museum Ludwig glühend heiße Herdplatten, die einen achtlosen Kunstgänger verletzen könnten und lässt einen schwarzen Phallus aus der Wand ragen, der je nach dem Zeitschalter steif oder schlaff wird.
Rosemaries Trockel sendet Signale in die Welt: künstlerische Codes einer kreativen Solistin.

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