Ralf König

Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das Kreuz, das ein bisschen aussieht wie ein christliches Tattoo, hat sich Ralf König im Alter von 12 Jahren auf den Oberarm experimentiert. Kinder, die wie König in einem katholischen Kuhdorf mitten in Westfalen aufgewachsen sind, tragen ihr Kreuz häufig ein Leben lang mit sich herum. Ganz tief in sich drin. Nicht so der in Köln lebende Comic-Zeichner. Vom Arm einmal abgesehen. An dem wollte der junge König einfach mal Farben ausprobieren. Ralf König hat eben immer schon gerne gemalt. Während andere Kinder draußen herumbolzten, saß er zu Hause und zeichnete Micky-Mäuse.

Heute muss König nicht mehr die bunte Disney-Welt kopieren. Er hat sich ein eigenes, von »Knollennasen« bevölkertes Universum aufgebaut. Der in Soest geborene Zeichner zählt zu den wenigen bekannten und international erfolgreichen Comicautoren aus Deutschland. Wenn die deutsche Comic-Kultur nicht so wahnsinnig unglamourös wäre, könnte man sagen: König ist ein Star. Dass König das nicht sein will, ist eine andere Geschichte.

Mitte der 1980er Jahre machte sich König schon während seines Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie mit seinen »SchwulComix« zunächst in der homosexuellen Community einen Namen. Mit »Der bewegte Mann«, dem ersten in einem großen Publikumsverlag veröffentlichten Band, kam er dann 1987 auch in der heterosexuellen Humorzone an. Die tabulose Freizügigkeit, mit der König lange Zeit schwules Leben zu Papier brachte, provozierte am Anfang seiner Karriere. Doch mit dem Erfolg und den Auszeichnungen, darunter gleich zweimal der »Max-und-Moritz-Preis«, nahm die öffentliche Erregung ab. Allein Sönke Wortmanns Verfilmung von »Der bewegte Mann«, an der König jedoch nicht beteiligt war, brachte 1994 mehr als sechs Millionen Besucher in die Kinos. In jenem Jahr, als es das Bayerische Landesjugendamt als moralapostolische Nachhut noch mal wissen wollte und die Indizierung von Königs Comic „Bullenklöten“ beantragte. Doch seit dem 6. Juli 1995, dem Tag, an dem die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften gegen die Indizierung entschied, ist es amtlich: Was Ralf König zeichnet, ist »unzweifelhaft« Kunst, nicht Pornografie.

Was nicht heißt, dass es die vielen Herren und wenigen Damen in Ralf Königs Geschichten nicht ziemlich bunt treiben würden. Lack- und Lederkerle, erigierte Glieder und reichlich fließende Körpersäfte – das sind Schlüsselreize der deftigsten Art. Doch ihr Erfinder versteht auch das bildungsbürgerliche Register von Aristophanes über Stanley Kubrik bis hin zu Shakespeare mühelos zu bedienen. 

Provokation war für Ralf König immer ein Arbeitsanreiz. König ironisiert in seinen Comics die heterosexuellen Gruppenzwänge oder reduziert schwules Dasein auf permanente Triebbefriedigung. Liebevoll, aber kritisch. Es finden sich wohl nur wenige heterosexuelle Vorurteile gegen Schwule, die König nicht selbst irgendwo schon mal auf eine Pointe hin angespitzt hat. Doch König hat erlebt, woraus er humoristisches Kapital schlägt. Vor dem gelegentlichen Vorwurf der Schwulenfeindlichkeit hat ihn das jedoch nicht bewahrt.

In den letzten Büchern lässt sich beobachten, dass das Thema, für das der Name Ralf König heute steht, immer mehr zurücktritt. Geblieben ist die Sexualität als wichtige Stellschraube, mit der König seine Witze immer feiner justiert – und immer religionskritischer. Als der Zeichner im Herbst 2005 gerade über dem Ende seiner zweibändigen Großerzählung »Dschinn Dschinn« saß, brach der »Karikaturenstreit« über Europa herein. König setzte sich an den Zeichentisch, um sich mit Bildern zu Wort zu melden. Nicht zuletzt zielte er dabei auf die demütige Haltung, mit der westdeutsche Funktionsträger im Namen der Achtung religiöser Gefühle für die freiwillige Beschränkung der Meinungsfreiheit plädierten. 

Heute ist Ralf König Mitglied des Beirats der Giordano-Bruno-Stiftung, die sich der Förderung eines naturalistischen Weltbildes sowie einer säkularen, evolutionär-humanistischen Ethik verschrieben hat. Der Zeichner ist ganz sicher kein Mann der Messinstrumente und Versuchsanordnungen. Doch das religiöse Weltbild lässt sich auch mit dem Stift in der Hand aus den Angeln heben. König hat einen »Prototyp« geschaffen: einen knollennasigen, neugierigen Adam, der Gott und die Schlange Luzifer an den Rand des Wahnsinns treibt. Eine Erzählung über den Anfang – von seinem vorläufigen Ende her gedacht.

 

empfehlungen der redaktion
44_thumb
17582_thumb
159_thumb
191_thumb
26_thumb
381_thumb
216_thumb
189_thumb
50_thumb
170_thumb
188_thumb
103_thumb
179_thumb
25287_thumb
25288_thumb
25292_thumb
25293_thumb
25294_thumb
29_thumb
25296_thumb

Harald Schmidt

Irgendwann vor ein paar Jahren hat Harald Schmidt einen Zustand der intellektuellen Glückseligkeit erreicht, der nur wenigen zugänglich ist. Seitdem ist ihm alles egal. Weil er nichts mehr will, kann er alles wagen. „Was mich interessiert, ist Thema in der Show", sagt er, und so verfährt er dann auch.

Tino Hanekamp im ARTheater

Nein, in diesem Club steht kein Pferd auf dem Flur wie damals im New Yorker „Club 54“, in dem man in den 70ern auf die Tanzfläche zu reiten pflegte und auch von berghainesken Fetischfantasien ist man weit entfernt. Es ist einfach nur Silvester auf St. Pauli und Oskar Wrobel würde am liebsten nur liegen bleiben. Ihm gehört ein Musikclub in einem alten Krankenhaus

domicil, Dortmund

Das domicil ist das zentrale Forum für zeitgenössischen Jazz und aktuelle Musik im Ruhrgebiet. Auch Weltmusik, ambitionierter Pop oder elektronische Musik stehen hier auf dem Programm. Die Spielstätte im Dortmunder

Stadtgarten, Köln

Mitten in der Kölner Innenstadt findet sich ein „Konzerthaus“ besonderer Ausrichtung: Der „Stadtgarten“, direkt am gleichnamigen Park gelegen, ist ein Veranstaltungsort und Szenetreff, der Konzerte mit Gastronomie wie Restaurant und Biergarten verbindet.

Die Maus

Wie kommt der Saft in die Tüte, und wie kommt er wieder raus? Warum ist der Himmel blau? Brennt auch nachts im Kühlschrank das Licht? Es sind die einfachen Fragen, die die jüngsten Menschen bewegen. Antworten darauf hat: die Maus.

2005 – Charles Wilp stirbt in Düsseldorf

Diese Art von Biografie scheint zu passen: Charles Wilp wird in Berlin geboren, der Vater bringt als Ölsaatenhändler den Raps nach Europa, die Mutter begleitet Stummfilme am Klavier; später wird er Schüler der Fotografenlegende Man Ray in New York.

1987 – Joachim Lottmann erfindet sich als Erfinder der Pop-Literatur

Das Cover ist quietschbunt. Darauf finden sich neben den üblichen Angaben wie Titel (»Mai, Juni, Juli«), Autor (Joachim Lottmann) und Gattungsbezeichnung (Ein Roman) auch ein paar Angaben darüber, was der interessierte Leser auf keinen Fall erwarten sollte.

Julia Stoschek Collection, Düsseldorf

Hinter diesen Mauern im schmucken Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel hat sich schon vielerlei ereignet. Nach industrieller Nutzung wie der Herstellung von Theaterausstattung, Maschinenteilen, Leuchtmitteln, Damenkorsagen, Matratzen

PeterLicht

Ein Mann ohne Gesicht, aber mit einem Lied: „Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck!" Das kleine Elektro-Stück fand sich auf einer CD, die dem Musikmagazin „Spex" beigelegt war. Vorher hatte PeterLicht das Stück auf seiner EP „Sechs Lieder" veröffentlicht - unbemerkt von der Öffentlichkeit.

NRW-Forum, Düsseldorf

Das NRW-Forum Kultur und Wirtschaft ist eines der jüngsten Museen des Landes. Es wurde 1998 gegründet und residiert im historischen „Ehrenhof“ nahe des Rheins, in einem 1925/26 von Wilhelm Kreis errichteten baulichen Ensemble gemeinsam mit der Tonhalle und dem museum kunst palast.

Salon des Amateurs, Düsseldorf

Von außen könnte man den Salon des Amateurs für das Museumscafé der Düsseldorfer Kunsthalle halten. Aber er ist und bietet mehr: eine Mischung aus Café, Bar, Musik-Club und Kultur-Ort – eine Art „öffentliches Wohnzimmer“.

Hans Nieswandt

Hans Nieswandt gehört zu dem erlauchten Kreis, der den „Sound of Cologne“ geprägt hat. Dabei ist er streng genommen das, was die Kölschen Frohnaturen „Immi“ nennen: ein Zugereister. 1964 in Mannheim geboren, schlägt Nieswandt erst über den Umweg Hamburg in Köln auf.

Frank Goosen

Als Frank Goosen im Jahr 2000 seinen ersten Roman „Liegen lernen“ veröffentlichte, erschienen in rascher Folge Kritiken, die im Autor „ den deutschen Nick Hornby“ sehen wollte. Mittlerweile hat Goosen solche einfallslosen Betitelungen nicht mehr nötig. Der Name trägt allein.

Die „Druckstellen“-Lesetour im Dortmunder U

„Leb im Ballungsgebiet, das an Druckstellen wie Fallobst aussieht“ – diese Zeilen aus einem Text der Rapper „RAG“ (Ruhrpott AG) waren das Thema des 2. Ruhrgebietsliteraturwettbewerbs. Die Resonanz war groß, 165 Texte wurden eingeschickt, und das nicht nur aus dem Ruhrgebiet selbst, sondern auch aus Wien, Hamburg, Berlin Leipzig und Neukirchen-Vluyn.

Die „Druckstellen“-Lesetour im Gasometer

„Leb im Ballungsgebiet, das an Druckstellen wie Fallobst aussieht“ – diese Zeilen aus einem Text der Rapper „RAG“ (Ruhrpott AG) waren das Thema des 2. Ruhrgebietsliteraturwettbewerbs. Die Resonanz war groß, 165 Texte wurden eingeschickt, und das nicht nur aus dem Ruhrgebiet selbst, sondern auch aus Wien, Hamburg, Berlin Leipzig und Neukirchen-Vluyn.

Helge Timmerbergs „African Queen“ in der Buchhandlung Ingo Klaus

Vielleicht hätte er einfach zu Hause bleiben sollen. Der Mann, der gefühlt schon überall auf der Welt gewesen ist; Verfasser von Büchern und Reisereportagen sowie gebürtiger Ostwestfale, war mal wieder unterwegs. Er hat sich reinquatschen lassen in dieses Abenteuer, fühlt sich eigentlich „überreist“ – wenn da nicht Lisa wäre, seine „African Queen“,

Helge Timmerbergs „African Queen“ in der Thalia-Buchhandlung Bonn

Vielleicht hätte er einfach zu Hause bleiben sollen. Der Mann, der gefühlt schon überall auf der Welt gewesen ist; Verfasser von Büchern und Reisereportagen sowie gebürtiger Ostwestfale, war mal wieder unterwegs. Er hat sich reinquatschen lassen in dieses Abenteuer, fühlt sich eigentlich „überreist“ – wenn da nicht Lisa wäre, seine „African Queen“,

Helge Timmerbergs „African Queen“ in der Dreimann Buchhandlung

Vielleicht hätte er einfach zu Hause bleiben sollen. Der Mann, der gefühlt schon überall auf der Welt gewesen ist; Verfasser von Büchern und Reisereportagen sowie gebürtiger Ostwestfale, war mal wieder unterwegs. Er hat sich reinquatschen lassen in dieses Abenteuer, fühlt sich eigentlich „überreist“ – wenn da nicht Lisa wäre, seine „African Queen“,

c/o pop

Alljährlich beschert die c/o pop der Stadt Köln eine dickes Paket Musik. Als Musikgipfeltreffen gilt die Veranstaltung, die im Sommer an mehreren Tagen die Stadt beschallt - auf Konzertbühnen ebenso wie in Tagungsräumen.

Max Goldt im Stadttheater

Ob „Klofußumpuschelung“ oder „Rohlingsspindel“ – Max Goldt hat Erfahrung mit „sprachlichem Ungeziefer“ und breitet die ganze schreckliche Schönheit verunglückter Grammatik und abseitigen Wortbaus aus.

Loader

GEMISCHTE TÜTE