Der kanadische Regisseur Robert Carsen hat sich für die frühe Fassung der „Madama Butterfly“ entschieden, die wesentlich schonungsloser das Gefälle zwischen Ost und West aufzeigt, als die spätere Fassung und ohne deren Sentimentalitäten auskommt. Das Schicksal der Cio-Cio-San, genannt Butterfly, ist unauflöslich tragisch: Sie wird dem amerikanischen Leutnant Pinkerton in Nagasaki als Braut zugeführt und bereits nach einer Nacht wieder von ihm verlassen. Doch Butterfly wähnt sich verheiratet, bringt Pinkertons Kind zur Welt – und wartet. Nach Jahren kehrt der Leutnant zurück, inzwischen längst in Amerika verheiratet. Cio-Cio-San sieht sich entehrt und begeht Selbstmord.
In kühl eindringlichen Bildern erzählt Carsen die traurige Geschichte als Lehrstück über den Verlust von kultureller Identität. Paul Steinbergs Bühne zeigt ein schlichtes japanisches Landhaus, in das bedrohlich der Bug eines US-Kriegsschiffs hineinragt. Der Spielsteg auf dem Boden ist in der Formation der japanischen Inseln angelegt, die durch den eindringenden metallischen Fremdkörper durcheinander gebracht wurden. Von stilisierender Symbolkraft zeugen die sparsamen Bilder, mit denen sich Cio-Cio-Sans Leidensweg als schmerzhaft alltägliche Katastrophe des Kolonialismus erzählt.
Deutsche Oper am Rhein (Düsseldorf) | Heinrich-Heine-Allee 16a | 40213 Düsseldorf
Tel: 0211/8925-211 | Email: ticket@operamrhein.de | Website: http://www.rheinoper.de