Offenbachs „Contes d’Hoffmann“ in Essen
bis 20.06.12

„Hoffmanns Erzählungen“ ist – ähnlich dem Innenleben seiner Hauptfigur – wie ein offenes oder poröses Behältnis. Schillerndes Spiel um Imagination und Realität, Liebe und ihre Projektionen, Konstruktion und Dekonstruktion von Identität. Von Jacques Offenbachs einziger Oper gibt es keine gültige Fassung, da der Meister über dem Fragment verstarb.

Für die Neuproduktion am Aalto wurde das Aufführungsmaterial neu sortiert, kräftig eingekürzt und so das Werk ausgenüchtert. Regisseur Dietrich Hilsdorf entwickelt – mit analytischer Distanz – das Geschehen aus der schwarzen Leere des Theaterraums. Johannes Leiacker hat die Weite der Bühne lediglich mit rauschenden, halb transparenten roten Vorhängen umrahmt, gelegentlich fährt eine Fensterfront herein, mal ein offener Sarg, dann ein Lotterbett; Rande stehen Regietisch und ein Klavier. Es ist die Leere im Kopf des Poeten, Komponisten, Malers und notorischen Trinkers Hoffmann, aus der sich die surrealen Geschichten um die drei Damen ranken, die doch Aufspaltungen der realen Geliebten Stella sind.

Schwarz gekleidet sind die Figuren – Theaterbesucher, die aus dem hell erleuchteten Zuschauerraum her auftreten und als verspätet Kommende stören. Stefan Soltesz dirigiert transparent und im Feinschliff, verzichtend auf romantischen Klangrausch, obgleich die Essener Philharmoniker die Musik   moussieren lassen. Hoffmann, von Thomas Piffka differenziert gestaltet, hat die Flasche am Hals: Ganz und gar ausgebrannt, giert er nach der Illusion und fixiert die Puppe Olympia mit dem Opernglas. Die Bösewichte Coppélius, Dr. Miracle und Dapertutto sehen hier einander nicht von ungefähr verteufelt ähnlich, sind doch sie und die drei fatalen Liebesdramen nur Variation von Hoffmanns neurotischem Mechanismus. 

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Verdis „La Traviata“ in Essen

Regisseur Josef Ernst Köpplinger verlegt am Aalto-Theater die Handlung von Verdis "La Traviata" in Essen ins Paris der 1920er Jahre und in den Saal eines Sanatoriums im Hochgebirge, das an Thomas Manns "Zauberberg" erinnert.

Aalto-Musiktheater, Essen

Es ist das schönste Musiktheater im Revier und kann den prominentesten Architekten vorweisen. Zugleich ist es das künstlerisch anerkannteste Haus und hat den meist gepriesenen Intendanten und Generalmusikdirektor in Personalunion: das Aalto-Musiktheater. Entworfen wurde es in kühnen, asymmetrischen Linien nach Plänen des Finnen Alvar Aalto,

Wagners „Der fliegende Holländer“ in Köln

Wagners „Der fliegende Holländer“ ist die letzte Produktion im Kölner Stammhaus am Offenbachplatz, das nach der Aufführungsserie bis 2015 saniert wird. Regisseur Dietrich Hilsdorf, der lange mit Wagner gefremdelt hat, scheint den Bann gebrochen zu haben; er zieht hier alle Register seiner Kunst.

Johann Strauß’ „Die Fledermaus“ in Essen

Am Aalto-Theater bedient Gil Mehmert mit Johann Strauß’ Meisteroperette „Die Fledermaus“ die Erwartungen an ihn als Show-Spezialist verschwenderisch. Eine Bilderflut ergießt sich über die Bühne, Verwandlungen halten Schnürboden und Unterbühne in Bewegung, das Personal ist perfekt choreographiert.

"Rusalka" im Musiktheater im Revier

Antonin Dvoraks „Rusalka“ gilt neben Smetanas „Verkaufter Braut“ als tschechische Nationaloper schlechthin. Das mit Naturmystik durchsetzte Werk scheint als Märchenoper neuerdings wieder den Nerv zu treffen. In Gelsenkirchen inszeniert die Berlinerin Elisabeth Stöppler, ein Stammgast am Musiktheater im Revier.

Barrie Kosky inszeniert Wagners „Götterdämmerung” in Essen

Barrie Kosky hat am Essener Aalto Theater Wagners „Götterdämmerung” inszeniert. In Essen ist Kosky ein guter Bekannter, der schon den "Holländer" und den "Tristan" zur Premiere gebracht hat. Ein Porträt.

Philharmonie Essen

In direkter Nachbarschaft zum Aalto-Theater am südlichen Rand der Essener Innenstadt gelegen, hat die Philharmonie Essen unter der Leitung von Dr. Johannes Bultmann in ihrer inzwischen sechsten Saison regelmäßig berühmte Dirigenten, Orchester und Solisten zu Gast: Von den Wiener Philharmonikern über die Dirigenten Lorin Maazel und Kurt Masur bis hin zu namhaften Pianisten wie András Schiff

Verdis „Maskenball“ in Aachen

Aachens Intendant Michael Schmitz-Aufterbeck hat sich für seine erste Opernregie einen Liebling des Repertoires ausgesucht: Giuseppe Verdis "Maskenball", die Oper über den Mord an einem politischen Repräsentanten, dessen Vorbild in Schweden zu finden war, in dem Musikwerk allerdings ins amerkanische Boston verlegt wird.

Puccinis „Butterfly“ an der Rheinoper Düsseldorf

Die Oper zählt zu den Repertoire-Lieblingen. Puccinis „Madama Butterfly“, das traurige Schicksal der Japanerin Cio-Cio-San, wird in der frühen, herberen Werkfassung von Robert Carsen an der Rheinooer in starken, symbolhaften Bildern inszeniert.

„Figaro“ im Düsseldorfer Schauspielhaus

Im Schauspielhaus läuft dieser „Figaro“. Schließlich ist das Stück über den „Tollen Tag“ im Hause des Grafen Almaviva ursprünglich fürs Theater von Pierre Caron de Beaumarchais geschrieben, woraus danach die Oper von Mozart mit dem Libretto von da Ponte wurde. „Entschlackt, verspielt und intelligent“, urteilt die „Rheinische Post“ über Markus Bothes Inszenierung der am Ständesystem rüttelnden Verwechslungskomödie, in der Graf und Gräfin, Figaro und Susanna Liebe, Kuppelgeschäfte und Eifersucht vor dem Hintergrund einer feudalen Gesellschaft im Wandel durchleben.

Wuppertaler Bühnen

Die Wuppertaler Bühnen sind bekannt für die intensive Zusammenarbeit der Sparten Schauspiel und Oper. Interdisziplinäre Projekte entstehen in beiden Häusern, zusammen mit Kooperationspartnern aus dem kulturellen Umfeld des Theaters. Der Focus des Musiktheaters liegt dabei auf den Ethnien, die in den heutigen Großstädten

Theater Duisburg

Die Vorderfront des Theater Duisburg erinnert an die Tempeleingänge der Antike: Über sechs ionischen Säulen ruht der Dreiecksgiebel auf dem in großen Lettern ein Zitat von Friedrich Schiller aus der „Huldigung der Künste“ steht und die Zuschauer einlädt, auf 1117 Plätzen „das große Spiel der Welt“ zu sehen und anschließend „reicher in sich selbst zurück zu kehren“.

„Kabale und Liebe“ im Grillo-Theater

Wenn Schillers Erstling „Die Räuber“ tatsächlich, wie Thomas Mann einmal geschrieben hat, ein „höheres Indianerspiel“ ist, dann gleicht sein bürgerliches Trauerspiel „Kabale und Liebe“ zweifellos einer „höheren Seifenoper“. Wie die Autoren...

Dauerausstellung des Ruhr Museums in Essen

Das Ruhr Museum ist ohne Vergleich. Denn es müssten sich schon Naturhistorisches und Archäologisches Museum, Historisches Museum, Architekturmuseum und vielleicht auch Heimatmuseum zusammenfinden. Es ist ein "Hybrid-Museum" ...

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Seit Maria Callas Bellinis Meisterwerk „Norma“ triumphal rehabilitiert hat, umgibt die Oper ein Nimbus. Was vor allem an der halsbrecherischen Titelpartie liegt, die Vorrecht der Primadonnen ist. In Krefeld wird die Geschichte aus dem Gallien der römischen Antike ins Italien des Neorealismus verlegt.

2002 – Ein neues Festival im Ruhrgebiet: Die Ruhrtriennale

„Die Landschaft der Industrie ist das aufgeschlagene Buch der menschlichen Psychologie.“ Diese Feststellung von Karl Marx könnte man auch auf die kontroversen Diskussionen beziehen, ob und wie die Relikte des Industriezeitalters zu verwalten, gestalten und nutzen sind.

Brontes „Jane Eyre“ von Cary Joji Fukunaga

Wer hätte vermutet, dass der Kalifornier Cary Joji Fukunaga nach seinem Debüt, dem eindringlichen mexikanischen Flüchtlingsdrama „Sin Nombe“, einen Kostümfilm drehen würde. Aber er kann auch das.

Verdis „Il Trovatore“ in Bonn

In Bonn zeigt Dietrich Hilsdorf Verdis "Trovatore" in acht Bildern, deutlich voneinander abgegrenzt, sozusagen acht Mini-Opern, für die Dieter Richter eng dimensionierte, realistisch ausgestattete Räume gebaut hat. Auch musikalisch ist es ein großartiger Abend.

Strauss’ „Die Frau ohne Schatten“ an der Rheinoper

Richard Strauss’ „Die Frau ohne Schatten“ ist in einer exotischen Märchenwelt angesiedelt. Die Oper wird auch deshalb selten gegeben, da sie an alle Beteiligten ungewöhnliche Herausforderungen stellt. Die Rheinoper nimmt die Produktion, inszeniert von Guy Joosten und auch aufgrund ihrer Werktreue begeistert aufgenommen, wieder ins Repertoire.

Puccinis „Tosca“ an der Deutschen Oper am Rhein

An der Rheinoper wird Dietrich Hilsdorfs dramatische Deutung des Puccini-Hits „Tosca“ wieder gespielt. Seinem Ruf als Meister der Dekonstruktion von Repertoireklassikern wird der Regisseur in seiner Produktion von 2002 besonders gerecht. Der französische Schriftsteller Victorien Sardou brachte seinerzeit das Rezept für einen Publikumserfolg auf die simple, doch wirkungsvolle Formel: “Quäle die Heldin.“

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