Offenbachs „Contes d’Hoffmann“ in Essen
09.03.13 19:00

„Hoffmanns Erzählungen“ ist – ähnlich dem Innenleben seiner Hauptfigur – wie ein offenes oder poröses Behältnis. Schillerndes Spiel um Imagination und Realität, Liebe und ihre Projektionen, Konstruktion und Dekonstruktion von Identität. Von Jacques Offenbachs einziger Oper gibt es keine gültige Fassung, da der Meister über dem Fragment verstarb.

Für die Neuproduktion am Aalto wurde das Aufführungsmaterial neu sortiert, kräftig eingekürzt und so das Werk ausgenüchtert. Regisseur Dietrich Hilsdorf entwickelt – mit analytischer Distanz – das Geschehen aus der schwarzen Leere des Theaterraums. Johannes Leiacker hat die Weite der Bühne lediglich mit rauschenden, halb transparenten roten Vorhängen umrahmt, gelegentlich fährt eine Fensterfront herein, mal ein offener Sarg, dann ein Lotterbett; Rande stehen Regietisch und ein Klavier. Es ist die Leere im Kopf des Poeten, Komponisten, Malers und notorischen Trinkers Hoffmann, aus der sich die surrealen Geschichten um die drei Damen ranken, die doch Aufspaltungen der realen Geliebten Stella sind.

Schwarz gekleidet sind die Figuren – Theaterbesucher, die aus dem hell erleuchteten Zuschauerraum her auftreten und als verspätet Kommende stören. Stefan Soltesz dirigiert transparent und im Feinschliff, verzichtend auf romantischen Klangrausch, obgleich die Essener Philharmoniker die Musik   moussieren lassen. Hoffmann, von Thomas Piffka differenziert gestaltet, hat die Flasche am Hals: Ganz und gar ausgebrannt, giert er nach der Illusion und fixiert die Puppe Olympia mit dem Opernglas. Die Bösewichte Coppélius, Dr. Miracle und Dapertutto sehen hier einander nicht von ungefähr verteufelt ähnlich, sind doch sie und die drei fatalen Liebesdramen nur Variation von Hoffmanns neurotischem Mechanismus. 

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