Drei anatolische Bauern sitzen auf einer Bank. Bitterlich beklagt sich der eine, dass der griechische Fremde, der hier neulich aufgekreuzt sei, sich mit seinem Lkw und den Tomaten auf und davon gemacht habe. „Mein Laster“, jammert er immer wieder. „Mein Laster!“ – Was soll erst ich sagen, kontert ein anderer. Der Grieche hat meine Schwester mitgenommen!
In den Kammerspielen des Schauspiels Bochum haben die tunesischen Bühnenkünstler Jalila Baccar und Fadhel Jaibi die „Medea“ des Euripides ins Heute übertragen: Zwar bleibt Medea die liebende Frau, die an der Seite ihres Mannes Jason in die Fremde zieht und die aus Rache am Liebesverrat Jasons die gemeinsamen Kinder sowie dessen neue Geliebte tötet. Doch alles Mythische und Metaphysische ist Medea genommen: Bei Baccar (Text) und Jaibi (Regie) ist sie eine Muslima aus Anatolien, die von dem griechischen Schatzräuber Jason mit nach Duisburg genommen wird, an den „Hof“ des Hehlers Kreon und seiner Verbrecher-Entourage.
Die Inszenierung schwankt zwischen komischen Szenen wie der eingangs beschriebenen und reichlich Pathos; die Einheitsbühne, ein grauer ortloser Raum, lässt die gelegentlich eingestreuten Scherze über die Widersprüche traditioneller islamischer Lebensweisen etwas verloren erscheinen. Ein zwiespältiger Abend.
Schauspielhaus Bochum | Königsallee 15 | 44789 Bochum
Tel: 0234/3333-5555 | Email: tickets@schauspielhausbochum.de | Website: http://www.schauspielhausbochum.de
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