Brian Selznicks Roman „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ über ein Waisenkind im Paris des Jahres 1931wäre ein idealer Stoff für Steven Spielberg gewesen. Das Buch handelt von Abenteuern, Suche nach dem Glück und einem kleinen Jungen, der verloren gegangen ist und einem Geheimnis auf der Spur ist.
Aber ist das für Martin Scorsese? Was geht das den Paten der Good Fellas an? Doch, eine Verbindung gibt es: die zur Mythenbildung des Kinos selbst und seiner revolutionären technischen Entwicklung. Hugos Vater, ein Uhrmacher (Jude Law), der bei einem Brand zu Tode kommt, hatte einen Maschinenmenschen konstruiert und das Geheimnis um die Roboter-Apparatur mit ins Feuergrab genommen. Für seinen bösen Onkel muss Hugo (Asa Butterfield) fortan die Uhren des Pariser Bahnhofs warten; er hat sich im Gehäuse der großen Zentraluhr häuslich eingerichtet. Ansonsten stromert er durch hübsch kolorierte Hallen und Galerien, gejagt von einem Flic (Sacha Baron Cohen), und ist unterwegs, um mit Hilfe einer hinterlassenen Zeichnung das Geheimherz des mechanischen Figur zum Schlagen zu bringen.
Dabei trifft er das ebenfalls elternlose Mädchen Isabelle (Chloe Grace Moretz), die bei ihrem Patenonkel lebt, einem Spielzeugverkäufer (Ben Kingsley), frei nachgebildet dem Erfinder Georges Méliès. Zu jener Zeit vergessen, betrieb der Pionier der Cinémathographie, der zwischen 1896 und 1912 an die 500 Filme gedreht hatte, einen Laden nahe der Métrostation Montparnasse.
Wir sind im Museum des Kinos, das in seinen Anfängen als Varieté-Attraktion zwischen Abbildung der Wirklichkeit (Gebrüder Lumière) und phantastischer Traumbildung (George Méliès) schwankte. Wenn bei Scorsese einmal eine Lok den Bahnhof entert, ist das sowohl Verbeugung vor der einen wie der anderen Richtung der filmischen Tradition. Scorsese hat in 3-D gedreht und die Effekte des Dreimensionalen nochmals gesteigert, so dass sein Paris noch ganz Hauptstadt des 19. Jahrhunderts ist und zudem schon ins 20. und 21. Jahrhundert mit dessen digitaler Aufrüstung hineinreicht.


