„Margin Call – Der große Crash“ von J.C. Chandor

Wall Street, 2008. Das Bürogebäude einer Investment-Agentur, die auf dem Immobilienmarkt spekuliert und Werte in Umlauf bringt, die nicht real sind. Der Tag beginnt mit dem Ende für 80 Prozent der Angestellten der Abteilung Risiko-Management. Es geht ganz schnell: fristlose Kündigung, Höhe der Abfindung, Angebot zur Unterstützung bei der „Neuorientierung“, wofür eine Broschüre mit einem Freizeit suggerierenden Segelboot auf dem Cover steht. Der leitende Mitarbeiter Eric Dale verlässt seinen Arbeitsplatz wie ein Delinquent. Zuvor reicht er dem Kollegen Sullivan noch einen Stick mit brisantem Inhalt. 

Dies der Prolog von „Margin Call“, der den großen Crash, die globale Finanzkrise, zum analytischen Kammerspiel verdichtet. Die Investment-Firma steht vor dem Ruin: falsche Formeln und Bewertungsgrundlagen. Details tun nichts zur Sache. Die versteht ohnehin keiner. Die Reaktionen reichen von Fassungslosigkeit, Angst, Zynismus, Skrupel zu kalter Berechnung, heroischem Fatalismus, zweckdienlichem Optimismus: „Es wird noch schlimmer, bevor es besser wird.“

Monitore blinken in der Nacht, irgendwo hängt die US-Flagge an der Wand. Krisensitzung, nachdem der Boss eingeflogen ist, Tuld, den Jeremy Irons mit der Theatralik eines Shakespeare-Bösewichts ins Chargenfach bugsiert. Ansonsten brilliert das grandiose Ensemble um Kevin Spacey als Chef-Trader Sam Rogers, der seinen Hund sterben sieht und ihn begräbt. Während eine Welt in Trümmer ging, ist diese Tat die einzig echte, melancholisch und human. Der Vorstand hat den totalen Abverkauf der toxischen Papiere beschlossen und den Zusammenbruch der Börsen in Kauf genommen.

Keine normalen Menschen – oder doch? Es geht den Anzugträgern nur darum, wer wie viel im Jahr kassiert und wofür er die Millionen ausgibt. Die Generation dieser young masters of the universe, wie Tom Wolfe sie schon ins Fegefeuer der Eitelkeiten geschickt hat, interessiert sich für nichts außer dem eigenen Erfolg. Die Wahrheit des tatsächlich auch noch unterhaltsamen, präzisen und packenden Lehrstücks „Margin Call“ ist deshalb so bestürzend, weil sie so banal ist. 

 

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„Dame, König, As, Spion“ nach John le Carré

John le Carrés 1974 erschienener Smiley-Roman „Dame, König, As, Spion“ ist alles andere als ein James-Bond-Abenteuer: kein Casino Royale, keine Damen mit Unterleib, keine glamourösen Schurken, keine raffinierten Playmobile von Q. Wir schauen ins Graugesicht des Geheimdienstes. Ganz oben im „Circus“ des britischen Auslandsgeheimdienstes MIS soll ein Maulwurf nisten – Smiley (Gary Oldman) wird ihn finden.

„Ziemlich beste Freunde“ von Nackache und Toledano

15 Millionen Franzosen haben diesen Film gesehen und mehr und besser gelacht, als wenn sie sich über die Provinzler aus Nord-Pas-de-Calais amüsieren. Die Geschichte von "Ziemlich beste Freunde" ist simpel, aber wirksam. Und beruht auf einem Schwarzweiß-Schema: Arm trifft Reich, Gesund trifft Krank.

Gasometer, Oberhausen

Der Gasometer Oberhausen ist Industriedenkmal und zugleich einer der spektakulärsten Ausstellungsorte im Ruhrgebiet. Früher war der 117 Meter hohe Stahlzylinder das Herz eines Komplexes aus Kokereien, Stahlhütten und Walzwerken – der Gutehoffnungshütte. Die Industriebauten sind verschwunden

Dauerausstellung des Ruhr Museums in Essen

Das Ruhr Museum ist ohne Vergleich. Denn es müssten sich schon Naturhistorisches und Archäologisches Museum, Historisches Museum, Architekturmuseum und vielleicht auch Heimatmuseum zusammenfinden. Es ist ein "Hybrid-Museum" ...

WDR-Funkhaus am Wallrafplatz, Köln

Das Funkhaus Wallrafplatz wurde 1948 – Köln liegt zu dieser Zeit noch in Schutt – auf Initiative des Intendanten Hanns Hartmann nach Entwürfen des Architekten Peter Friedrich Schneider auf den Trümmern des Hotels Monopol gebaut. Im August 1950 wurde der Große Sendesaal

„Der Gott des Gemetzels“ in Köln

Yasmina Rezas "Der Gott des Gemetzels" beginnt mit zwei ausgeschlagenen Zähnen. Zwei Elternpaare treffen sich, um den Disput ihrer Söhne zu bereinigen. Es wird zur nicht nur verbalen Zimmerschacht. In Köln inszeniert Intendantin Karin Beier mit vier fabelhaften Darstellern.

Meryl Streep ist „Die Eiserne Lady"

Auf der Berlinale hat Meryl Streep den Ehren-Bären für ihr Lebenswerk erhalten, in Hollywood ist sie - mal wieder – nominiert für den "Oscar" in der Rolle als "Eiserne Lady". In der Film-Biografie spielt sie die junge und alte Margaret Thatcher, dass Freund wie Feind der ehemaligen Premierministerin auf die Knie gehen.

„Der Junge mit dem Fahrrad“ von den Brüdern Dardenne

„Der Junge mit dem Fahrrad“ ist ein weiteres Kapitel innerhalb der ernüchternden Chronik der Fühllosigkeit und familiären Erkaltung der Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne und ihres Kinos einer belgischen Mentalitäts-Geschichte. Großartig erzählt, einfach und lange nachwirkend.

Jazz Rally

Seit zwei Jahrzehnten sorgt die Düsseldorfer Jazz Rally für die Rundumbeschallung einer ganzen Stadt.

Walter Moers

Käpt’n Blaubär, "Das kleine Arschloch", Hein Blöd, "Der Fönig", Hildegunst von Mythenmetz oder Adolf, die Nazi-Sau – mit dem Namen Walter Moers verbinden sich viele Gesichter, nur nicht sein eigenes. Der Schriftsteller und Comic-Zeichner lebt und arbeitet zurückgezogen in Hamburg; Pressefotos oder öffentliche Auftritte in Talkshows gibt es nicht. Im Internet kursieren zwei Fotos

„Drive“ von Nicolas Winding Refn

Er kann es in seiner Coolness mit den Helden des klassischen Hollywood aufnehmen. Auch der Darsteller des "Driver" selbst: Ryan Gosling, Shootingstar der Kino-Saison. Driver arbeitet als Automechaniker, gelegentlich als Stuntman und erledigt ab und an krumme Dinger.

„Hinter der Tür“ von István Szabó

Von einer seltsamen Frau erzählt Oscar-Preisträger István Szabó in seinem Kammerspiel „Hinter der Tür“ auf altmodisch bedächtige Weise und nicht ohne Humor. Er legt Dinge offen, die in Ungarns Geschichte, die Nazi-Zeit und die Verfolgung der Juden zurückreicht. Helen Mirren spielt die Putzfrau Emerenc.

Frank Goosen im Barmer Bahnhof

Sein letztes Buch, eine Kurzgeschichtensammlung, hieß „Radio Heimat“ – und auch in seinem neuen Roman bleibt Frank Goosen auf dieser Frequenz. In „Sommerfest“ kehrt einer zurück; einer, der vor zehn Jahren seine Vergangenheit und Bochum hinter sich gelassen hat, und nach München gegangen ist, wegen seines Berufes als Schauspieler und um möglichst viel Abstand

Chris Kraus erzählt von "Poll"

Poll“, benannt nach dem baltischen Ort und dem Gut, liegt an der Ostsee. Dort spielt die Familien- und Liebesgeschichte, die Chris Kraus erzählt, kurz vor dem Ersten Weltkrieg. So wird sie auch zur politischen Geschichte.

Romy Schneider in der Bundeskunsthalle

Die Bundeskunsthalle zeigt zum 30. Todestag von Romy Schneider die große europäische Schauspielerin in einer Ausstellung. Und folgt dabei den Stationen von Sissi über Paris und Hollywood nach Berlin und zurück nach Frankreich und zu den Welterfolgen der siebziger Jahre.

„Und dann der Regen“ von Icíar Bollaín

Die spanische Regisseurin Icíar Bollaín konstruiert in "Und dann der Regen" ein intelligentes Vexierbild, in dem das Drama eines Kontinents – Südamerika – sichtbar wird und alles eine Doppelbedeutung annimmt. Gedreht wird ein historischer Film über den Eroberer Kolumbus – und wieder findet Ausbeutung der Indios statt.

Johann Strauß’ „Die Fledermaus“ in Essen

Am Aalto-Theater bedient Gil Mehmert mit Johann Strauß’ Meisteroperette „Die Fledermaus“ die Erwartungen an ihn als Show-Spezialist verschwenderisch. Eine Bilderflut ergießt sich über die Bühne, Verwandlungen halten Schnürboden und Unterbühne in Bewegung, das Personal ist perfekt choreographiert.

Brontes „Jane Eyre“ von Cary Joji Fukunaga

Wer hätte vermutet, dass der Kalifornier Cary Joji Fukunaga nach seinem Debüt, dem eindringlichen mexikanischen Flüchtlingsdrama „Sin Nombe“, einen Kostümfilm drehen würde. Aber er kann auch das.

„Winkelmanns Reise ins U“ im Schauspielhaus

Filmemacher Adolf Winkelmann hat mit dem Koautor Jost Krüger seine Erfahrungen mit dem „Dortmunder U“ zum Roman „Winkelmanns Reise ins U“ verarbeitet: nun Grundlage für Winkelmanns Theater-Debüt, natürlich ebenfalls in Dortmund.

Lichtburg, Essen

Die Essener Lichtburg war und ist Deutschlands größter und wohl auch schönster Filmpalast. Bereits zur Eröffnung 1928 galt das Kino als das modernste in Deutschland. 1943 brannte der Zuschauerraum völlig aus. Der Wiederaufbau im Stil der 50er Jahre machte die Lichtburg zu einem der elegantesten deutschen Filmtheater.

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