Mamma Andersson in Haus Esters
23.10.11 bis 05.02.12

Drei Gestalten in grünen Kitteln. Eine wischt sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn, die anderen mühen sich weiter ab. Tief gebeugt durchkämmen sie das durch Bänder unterteilte Terrain - Zentimeter für Zentimeter. Vielleicht auf der Suche nach Beweisstücken? Indizien einer schrecklichen Tat?  

Die Vorlage für ihr rätselhaftes Gemälde fand Mamma Andersson zufällig in der Zeitung: Ein Reportagefoto, das sie sofort gefangen nahm. Meistens sind es solch banale Bilder, an denen sich ihre Ideen festmachen. Reisefotos, Theaterprospekte oder auch Fotos aus der „Nordisk Kriminalkrönika“, die Andersson nimmt und aus denen sie etwas ganz Anderes, Eigenes macht. Oft etwas ziemlich Fremdes, Geheimnisvolles, manchmal Melancholisches, das nichts mehr mit den alltäglichen Geschichten oder Zusammenhängen der fotografischen Quellen gemein hat.

16 ihrer eigenartigen Arbeiten sind im vergangenen Jahr eigens für die Museums-Villa Haus Esters in Krefeld entstanden – dieser Zyklus macht nun erstmals überhaupt in Deutschland mit dem Werk der 1962 geborenen Schwedin bekannt.

Immer wieder gelingt es Andersson hier, jene eigenartige Spannung aufzubauen. Jene Ungewissheit zu verbreiten, die auch das Bild mit den buddelnden Kriminalisten in ihren grünen Kitteln bestimmt. Was ist geschehen? Wonach suchen die drei? Und welche Bedeutung hat dieser gestaltlose schwarze Fleck, der sich urplötzlich und ohne erkennbaren Grund zwischen den Akteuren auftut?

„Ist ein Bild zu perfekt gemalt, interessiert es mich nicht mehr“, bemerkt Andersson einmal. „Ich will auch diese schwarzen Löcher.“ Und es sind wohl eben jene „Löcher“, jene unerklärlichen Widerstände, die ihre Bilder interessant machen.

Hier zeichnet sich im aufgerissenen Nachthimmel, hell umfasst, eine monströse  Figur ab. Da blickt man in ein Zimmer, wo überall verstreuten Bauklötze an unbeschwerte Kindertage erinnern, während der gänzlich schwarze Fußboden gleichzeitig eine rätselhafte Bedrohung andeutet.

Zur intensiven Stimmung kommt in den Krefelder Bildern die spezielle Technik: Andersson malt fast immer auf Holz und benutzt dabei neben Öl und Acryl auch Lacke, Beize, Farben aus der Sprühdose. Alles kann in einem Werk zusammenkommen. Dabei wechseln opake Partien mit zarten Farbschleiern. Exakt beschriebene Gegenstände stehen neben gänzlich abstrakten Stellen.

Vor ein paar Jahren war Andresson mit ihrer sonderbaren Bildwelt bis in den nordischen Pavillon der Venedig-Biennale vorgedrungen. Den ganz großen internationalen Durchbruch brachte ihr dieser Auftritt allerdings nicht. Und so dürfte die Ausstellung jetzt in Haus Esters für die meisten eine echte Entdeckung bieten.

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