Wenn es um das Unheimliche geht oder um eine gegenständliche Malerei, die sich mit keiner anderen vergleichen lässt, dann ist Konrad Klapheck gemeint. Ein Meister, der alle Moden überlebt, weil er nie einer angehört hat. Eine Ausnahmeerscheinung, zu Lebzeiten bereits Klassiker. 1935 in Düsseldorf als Sohn des Professors für Kunstgeschichte Richard und der Kunsthistorikerin Anna Klapheck geboren, malte er früh aus Büchern ab, bevorzugt deutsche Heldensagen. Dass er in seiner Isolation als Einzelkind die Außenwelt als feindlich empfand, spiegelt sich auch in den späteren Gemälden wider, mit denen er international den Durchbruch schaffte. Bei Bruno Goller studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie, um dort später von 1979 bis 2002 zu lehren.
Die Dinge, neben Schreib- und Nähmaschinen sind es Wasserhähne, Fahrräder, Telefonapparate, Bügeleisen, Schuhspanner, Taschenmesser, Fahrradklingeln und Schlüssel, verlieren bei Klapheck ihre übliche Zweckbedeutung. So sehr erkennbar die technischen Geräte, Maschinen und Gebrauchsgegenstände sind, die er penibel in realistischer Manier seit Mitte der 50er Jahre nachbildet, so fremd, fern, bedrohlich wirken sie auf einmal. Einige der Schreibmaschinen, die durch ihre Monumentalisierung und Verschiebung der Proportion und Überpräzisierung etwas Erschreckendes bekommen, erinnern gar an faschistische Architektur – oder an Ungeheuer aus einem Sciencefictionfilm.
Die vertraute Ordnung der Dinge ist bei Klapheck vollkommen außer Kraft und neu subtil in Szene gesetzt. Es gelten die Prinzipien Verfremdung und Variation sowie der Wille zur Systematisierung. Die Dinge wirken, als wären sie mit Eigenleben ausgestattet. Deshalb wurde Klaphecks Bildern eine gewisse Nähe zum Surrealismus attestiert. Auch deshalb, weil er Kontakt zu Max Ernst suchte.
Bei dem Surrealisten klopfte der 19-jährige Abiturient unangemeldet an die Tür. In Paris geriet er in den Kreis um André Breton. Der Flirt mit dem Surrealismus war jedoch nur von kurzer Dauer. Wie offen seine Werke gegenüber Deutungen sind, zeigte sich schon in den 60er Jahren, als in Amerika die Pop-Art aufkam und er zeitweilig als deutscher Popmaler gefeiert wurde.
So sehr Klaphecks Gemälde von Dingen bevölkert und die Menschen ausgespart sind, ist es doch offensichtlich, dass die Bildbühne für ihn Projektionsfläche seines anderen Ichs ist. Er sprach einmal vom Zwang zur Preisgabe seiner geheimsten Wünsche und Gedanken angesichts der phantastischen Maschinen. Schon die poetischen Titel zeigen, wie sehr sie Repräsentanten der Menschenwelt sind. Eine Kneifzange heißt „böser Nachbar“, mit einem Telefon werden „die Gebete der Mutter“ in Verbindung gebracht.
Den endgültigen Übergang von der reinen Ding- zur libidinösen Menschenwelt vollzog Klapheck Mitte der 90er Jahre, nachdem er seine ersten Porträts von Freunden und Kollegen gezeichnet hatte. Mag die Einführung des Körpers in seine Kunst auch abrupt erscheinen, sind seine Maschinenbilder doch nicht frei von Psychologie. Im Alter fand Klapheck zu irritierender Direktheit. Sexualität wird zum Sujet, angeregt durch erotische Fotografien. Im Grunde schreibt Klapheck hier an seinem „Lebensroman“ weiter, den er als kleiner Junge begonnen hatte.


