Nordrhein-Westfalen freut sich auf Gäste. Von September 2011 bis Januar 2012 hat sich die Kulturszene NRWs mit dem Projekt „Tam’Tam“ in Polen vorgestellt – zu sehen waren u.a. das Tanztheater Pina Bausch, die Sammlung Werner Nekes oder das fotografische Werk von Wolfgang Tillmans. (Die Dokumentation – im PDF-Format, 13,3 MB – zu „Tam’Tam“ findet sich hier.)
Jetzt kommt Polen mit dem „Klopsztanga“-Festival auf Gegenbesuch und bringt die Kultur des Landes mit – Veranstaltungen aus Literatur, Film, Musik, Tanz, Theater und den visuellen Künsten geben die Gelegenheit, eine andere Perspektive auf Polen zu bekommen. Das Land befindet sich im Wandel; der kreative Aufbruch Richtung Europa setzt sich fort. Als Logo und Projektname hat man mit „Klopsztanga“ ein passendes Symbol des kulturellen Austausches gefunden. Das Wort stammt aus dem schlesischen Dialekt und bezeichnet jene Stange in den Hinterhöfen, an denen die Teppiche ausgeklopft werden. Hier wird aber nicht nur der Staub von Gestern aus dem Gewebe entfernt – die „Klopsztanga“ war und ist in Polen und Deutschland ein Ort der Begegnung, des Austauschs, Treffpunkt für Abenteuer und Träume, für Fußball und erste Küsse, Sehnsüchte und Kämpfe.
Der zeitliche Schwerpunkt der „Klopsztanga“-Veranstaltungen in NRW reicht von April-Juni 2012; zudem gibt es weiterführende Projekte. In 20 Städten findet Polen eine Bühne – in Aachen, Bielefeld, Bochum, Bonn, Detmold, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Hagen, Hilden, Köln, Mönchengladbach, Mülheim an der Ruhr, Münster, Neuss, Recklinghausen, Rheine, Straelen, Unna und Witten.
Die Eröffnung findet am 15. April ab 13 Uhr in Köln statt, dann wird das Schauspielhaus selbst zur „Klopsztanga“. In allen Räumen des Hauses kann man 12 Stunden lang die kulturelle Vielfalt Polens erleben – mit Konzerten, Lesungen, Filmen, Diskussionen und Videoinstallationen.
Theater ist auch sonst Teil des Festivals. Das „kainkollektiv“ bringt gemeinsam mit drei jungen, polnischen Performern das Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts auf die Bühne: „Fasada“ (Düsseldorf/Mülheim a.d. Ruhr). Im Bochumer Schauspielhaus kommt es im Mai zu einem deutsch-polnischen Expertentreffen, in dessen Rahmen Schillers „Räuber“ gezeigt werden, inszeniert vom polnischen Regisseur Jan Klata. Ein avantgardistischer „Frauenchor“ mischt „Fragmente aus Antigone, aus Werken Agambens, Barthes’, Jelineks, Butlers, alltägliche Redensarten, Werbeslogans und Kochrezepte mit Computergeräuschen, Zitaten aus Liedern und Filmen“ (Düsseldorf/Mülheim a.d. Ruhr). Im September gibt es auf PACT Zollverein Essen mit „Prologue“ eine „Choreografie für 15 Zuschauer und eine leere Tribüne“ des Polen Wojtek Ziemliski im Rahmen der Ruhrtriennale.
Literarisch wird es mit einer polnischen Kriminacht in Recklinghausen, Lesungen des Kleinstadt-Romans „Sandberg“ von Joanna Bator (Düsseldorf/Dortmund), einer Lyrik-Rheinreise im Mai mit polnischen, deutschen und niederländischen Autoren und dem Mini-Festival „Kosmopolen in Euforia“ in der Bochumer Christuskirche – eine Mischung aus Literatur, Klassik und Jazz. Und auch in das ostwestfälische Literaturfestival „Wege durch das Land“ klinkt sich „Klopsztanga“ ein – so kann man Andrzej Stasiuk auf Schloss Corvey in Höxter erleben.
Auch musikalisch hat „Klopsztanga“ ein umfangreiches Programm zu bieten. „Concerto Köln“ trifft auf den Kammerchor Posen (Köln), während der Bochumer Orgeltage finden entsprechen deutsch-polnische Konzerte statt, und die Kölner „musikFabrik“ ist mit avantgardistischen Klängen dabei. Der Jazztrompeter Tomasz Stanko stellt „Dark Eyes“ vor (Dortmund) und das Marcin Wasilewski Trio hat sein neues Album „Faithful“ im Reisegepäck. Die Hildener Jazztage bekommen Besuch von Worldjazzer Zbigniew Namysłowski, dem „Urgestein des polnischen Jazz“. Die größte musikalische Veranstaltung ist „Don’t panic! We’re from Poland“, die drei polnische Popbands und Musiker auf der Bühne vereint: „Kamp!“, „Yula“ und Julia Marcell. Sie werden im Rahmen der Kölner c/pop und des Dortmunder Festivals „Juicy Beats“ spielen.
Im Bereich Tanz kommt die Kompanie Dada von Bzdülöw, die zu Polens wichtigsten Ensembles der freien Tanzszene zählt, mit dem Stück „Red Grass“ nach Dortmund und Düsseldorf. Zudem bringt die Choreografin und Tänzerin Anita Wach ihr neues Solo „For 2’31“ in Düsseldorf als deutsche Erstaufführung auf die Bühne, und auch beim Tanzfestival Bielefeld stellen polnische Ensembles und Kompanie ihre Stücke und Choreografien vor.
Kunst-Interessierte können sich in der Austellung „Temporary Gallery: Coming Soon“ einen Einblick in die polnische Kunstszene verschaffen (Köln), auf der Art Cologne wird über die polnische Kunst debattiert und das Dortmunder Künstlerhaus zeigt mit der Ausstellung „Es ist Zeit für Turnschuhe“ Positionen jüngerer polnischer Künstler. In Aachen ist die Fotoausstellung „Polnische Individualitäten“ des Fotografen Krzysztof Gierałtowski zu sehen, und auf der Essener Zeche Zollverein die mediale Skulptur und Installation „Erinnerung an Arbeit“. Die Reihe „Polnischer Film on Tour“ macht Station in Münster, Köln, Aachen und Dortmund, und die „Cologne Conference“ widmet ihre diesjährige Retrospektive dem polnischen Regisseur Jerzy Skolimowski.
Das vollständige Programm und weitere Informationen finden sich hier.


