Johann Strauß’ „Die Fledermaus“ in Essen
02.06.12 19:00

Regisseur Gil Mehmert ist ein Fachmann für spektakuläre Effekte. Seine großformatigen Inszenierungen der Eröffnung und des Finales von Ruhr2010 sorgten für Furore. Am Aalto-Theater bedient er mit Johann Strauß' Meisteroperette „Die Fledermaus“ die Erwartungen an ihn als Show-Spezialist verschwenderisch. Eine Bilderflut ergießt sich über die mit schwarzer Glanzfolie ausgeschlagene Bühne, zahllose Verwandlungen halten Schnürboden und Unterbühne in Bewegung, das Personal ist perfekt choreographiert. In rasender Folge jagen sich Gags und Pointen, die Dialoge sind teils gekürzt, teils witzig aktualisiert.

Mehmert neutralisiert die Geschichte in einer nicht näher definierten Gegenwart. Rosalinde trägt ein rosa Chanel-Kostüm, Gatte Gabriel hantiert mit dem Mobiltelefon, im Gefängnis bedient Wärter Frosch versiert die Video-Überwachung. Der Chor trägt große Robe, allerdings farblich verfremdet. Da beißen sich grellgrüne Perücken frech mit pinkfarbenen Federboas und neongelben Stillettos. Überhaupt, die Ballszene: Prinz Orlofsky schwebt hernieder und stolziert tuntig in roten Lack-Pumps umher, Schampus fließt in Strömen, sogar ein Feuerwerk wird abgefackelt.

Doch ist „Die Fledermaus“ durchaus mehr als nur buntes Spektakel, vielmehr ein subtiles Spiel um Schein und Sein, spitze Komödie und Porträt einer dekadenten Epoche, die sich beim Tanz auf dem Vulkan vergnügt. Trotz prasselnder Bildeinfälle und Oberflächeneffekte bleibt auch hier die Inszenierung geistreich und scharfzüngig. Was sich der makellosen Verzahnung des temporeichen Geschehens mit der von Stefan Soltesz entfachten musikalischen Champagner-Laune verdankt. Die Essener Philharmoniker spielen federnd, leicht, moussierend, kurzum, so wienerisch, wie man es sonst nur noch an der Donau hört.

Bei den Sängern stimmt jede Phrasierung, jede Temporückung, jede Verzierung. Hulkar Sabirova singt eine hinreißend dunkel timbrierte Adele; Alexandra Reinprechts Rosalinde meistert souverän die Klippen der Partie; Peter Bording gibt einen smarten Eisenstein, der an den jungen Thomas Hampson erinnert; Andreas Hermann lässt als Alfred Tenor-Höhen strahlen; und Countertenor-Star Matthias Rexroth schillert glänzend als Orlofsky. Ein wirbelnder, perfekt abschnurrender Abend. 

 

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