Jelineks „Ulrike Maria Stuart“ im Grillo-Theater
bis 16.06.12

Zum Ende hin ist Thilo Reuthers Bühne ein nackter schwarzer Raum. Silvia Weiskopf und Bettina Schmidt stehen hinten vor einer Wand, so weit wie nur eben möglich von den Zuschauerreihen entfernt. Keine hat mehr einen Blick für die andere. Ein Dialog zwischen den Rivalinnen Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof ist so unmöglich wie einst eine Versöhnung zwischen Elisabeth I. und Maria Stuart, also sprechen sie ihre langen Monologe ins Leere, die eine, Silvia Weiskopf, voll revolutionärer Wut und anklagendem Pathos, die andere, Bettina Schmidt, beinahe sanft, getragen von der Melancholie des Scheiterns und dem Wissen um die Vergeblichkeit des eigenen Lebens.

In diesem Moment, in dem die Schauspielerinnen im Meer des Textes versinken und aus ihm eine zeitlose Tragödie revolutionären Strebens bergen, ist das „Königinnendrama“, das Elfriede Jelinek auch als eine Art theatralen Dialog über Zeiten und Formen hinweg konzipiert hat, ganz bei sich. Der Text und mit ihm Hermann Schmidt-Rahmers Essener Inszenierung sind  tatsächlich bei Schillers „Maria Stuart“ angekommen.

Alles, was zuvor auf der Bühne und dem angrenzenden welligen Laufsteg ins Publikum hinein geschieht, wirkt angesichts von Silvia Weiskopfs manischem An-Reden gegen den Tod und Bettina Schmidts langsamen Dahin-Gleiten in dessen Arme wie ein einziger langer Prolog. Allerdings hat dieses Vorspiel in Vergeblichkeit, in das neben den Schauspielern auch die Damen vom Einlass sowie die Bühnenarbeiter einbezogen werden, auch schon seine eigenen Höhepunkte, die etwa das Elend der politischen Avantgarde offenbaren.

Ausgespielt werden der abgründige Witz und die bittere Komik von Jelineks Text, gipfelnd in Stefan Diekmanns Live-Film „Gudrun oder Was ziehen wir an, wenn wir Kaufhäuser anzünden“. Die Bühne wird zur Luxusboutique. In Anlehnung an Brecht und die Revolutionschic-Industrie mit Che-T-Shirts und Terror-Symbolen könnte man sagen: Was ist ein Überfall auf eine Boutique gegen die Gründung eines eigenen Modelabels.

 

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Grillo-Theater, Essen

Das Theater ist nach dem Industriellen Friedrich Grillo benannt, der die Errichtung des Hauses ermöglicht hat. 1892 eröffnet, ist es eine der ältesten Bühnen im Ruhrgebiet. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, wurde das Gebäude mit einer neoklassizistischen Front-Fassade wiederaufgebaut und 1950 neu eröffnet.

Aalto-Musiktheater, Essen

Es ist das schönste Musiktheater im Revier und kann den prominentesten Architekten vorweisen. Zugleich ist es das künstlerisch anerkannteste Haus und hat den meist gepriesenen Intendanten und Generalmusikdirektor in Personalunion: das Aalto-Musiktheater. Entworfen wurde es in kühnen, asymmetrischen Linien nach Plänen des Finnen Alvar Aalto,

Klopsztanga – Polen grenzenlos NRW 2012/2013

Nordrhein-Westfalen freut sich auf Gäste. Von September 2011 bis Januar 2012 hat sich die Kulturszene NRWs mit dem Projekt „Tam’Tam“ in Polen vorgestellt – zu sehen waren u.a. das Tanztheater Pina Bausch, die Sammlung Werner Nekes oder das fotografische Werk von Wolfgang Tillmanns.

Ruhr Museum, Essen

Das Ruhr Museum zeigt mit über 6.000 Exponaten die Geschichte des Ruhrgebiets im Gebäude der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche Zollverein. In dem komplexen Übertagegebäude auf Schacht XII folgt der Besucher dem Weg der Kohle und steigt in die Geschichte hinab. Die ehemalige Kohlenwäsche wurde vom Architekten Rem Koolhaas umgebaut und ist über eine orangefarbene Rolltreppe erreichbar.

„Kabale und Liebe“ im Grillo-Theater

Wenn Schillers Erstling „Die Räuber“ tatsächlich, wie Thomas Mann einmal geschrieben hat, ein „höheres Indianerspiel“ ist, dann gleicht sein bürgerliches Trauerspiel „Kabale und Liebe“ zweifellos einer „höheren Seifenoper“. Wie die Autoren...

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Das Museum Folkwang gehört zu den bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands. Vor allem seine Sammlung der Klassischen Moderne ist einzigartig; Anfang des 20. Jahrhunderts durch den Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus aus Hagen begründet, war sie dort ab 1902 zu sehen,

Henrik Ibsens "Ein Volksfeind" in den Kammerspielen

Selbst ohne größere Aktualisierung drängen sich Parallelen zwischen Ibens mittlerweile 130 Jahre altem (Lehr-)Stück und unserer heutigen Wirklichkeit einem förmlich auf. Lukas Langhoff geht mit seiner Bonner Inszenierung, die zum Berliner Theatertreffen 2012 eingeladen wurde, noch einen Schritt weiter.

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Das Folkwang Tanzstudio (FTS), das 1928 von dem legendären Kurt Jooss gegründet wurde, kann auf eine 80jährige wechselvolle Erfolgsgeschichte zurückblicken. Choreografinnen wie Pina Bausch, Susanne Linke, Reinhild Hoffmann, Henrietta Horn und Choreografen wie Urs Dietrich und Mark Sieczkarek haben

„Der Meister und Margarita“ im Schauspielhaus

Was und wer der Teufel letztendlich auch immer ist, er ist auf jeden Fall der größte aller Schauspieler und Theatermacher. Wie sollte es auch anders sein. Schließlich ist sein höchstes Ziel, die Menschen zu verführen, und dafür muss er sie...

Schauspielhaus Bochum

Das Schauspielhaus Bochum ist das heimliche Staatstheater von Nordrhein-Westfalen, obwohl es ein reines Stadttheater ist. Es hat aber, dank seiner künstlerischen Entwicklung, der legendären Intendanten, seiner Schauspieler – und seines Publikums, diesen Status. Bochum, ich häng an dir, Bochum ich komm aus dir – könnten und würden viele Bühnenkünstler sagen, die hier gearbeitet haben.

„Graf Öderland“ im Grillo-Theater Essen

„Graf Öderland“ ist eine Parabel über den menschlichen Freiheitsdrang. Mit dem äußerst selten gespielten frühen Stück von Max Frisch, inszeniert von Konstanze Lauterbach, geht das Schauspiel Essen ein Wagnis ein.

Sigmar Polke

Sigmar Polke war der Ironiker unter den Malerstars. Ein Mann, der dem hehren Geschäft des Kunst-Machens mit guter Laune nachging. Er galt als großer Experimentator, dem die Chemie zum „Malen“ von Bildern und das Riffelglas zum Erzeugen von Wackelbildern dienten. Obwohl er in Rankings stets an vorderster Stelle geführt wurde, hatte er sich das Lachen über Kunst und Gesellschaft bewahrt. Sigmar Polke spielte, wo andere kämpften.

1976 - Die Mülheimer Theatertage werden gegründet

Das Festival ist einmalig in der deutschsprachigen Theaterlandschaft. Die 1976 gegründeten Mülheimer Theatertage beschäftigen sich, wie ihr zweiter Name knapp sagt, mit „stücken“, weniger mit deren Inszenierungen.

Die Baumeister-Familie Böhm

Die Böhms sind eine Architekten-Familie aus Köln – fast möchte man sagen: eine Architekten-Dynastie, denn die Männer dieses Hauses sind nun schon in der vierten Generation Baumeister. Der erste berühmte Böhm war Dominikus, er zog aus dem Schwäbischen an den Rhein und errichtete im Westen vor allem zahlreiche Kirchen.

2002 – Ein neues Festival im Ruhrgebiet: Die Ruhrtriennale

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1973 – Pina Bausch übernimmt die Ballettsparte in Wuppertal

Als der Generalintendant der Wuppertaler Bühnen 1973 die junge Choreografin Pina Bausch fragte, ob sie das Ballett an seinem Haus übernehmen wolle, holte er sich zunächst einen Korb. Aber er war beharrlich und fragte wieder und wieder, bis Pina Bausch antwortete: „Ich kann es ja mal probieren.“

Wuppertaler Bühnen

Die Wuppertaler Bühnen sind bekannt für die intensive Zusammenarbeit der Sparten Schauspiel und Oper. Interdisziplinäre Projekte entstehen in beiden Häusern, zusammen mit Kooperationspartnern aus dem kulturellen Umfeld des Theaters. Der Focus des Musiktheaters liegt dabei auf den Ethnien, die in den heutigen Großstädten

W.G. Sebalds „Die Ringe des Saturn“ in der Halle Kalk

„Eine englische Wallfahrt“ nannte der Schriftsteller W.G. Sebald seinen 1995 erschienenen Reisebericht „Die Ringe des Saturn“. Was das Buch unzulänglich charakterisiert. Der Form nach eine Wanderung durch Suffolk, ist es sehr viel mehr: ein an der Wirklichkeit gehärtetes Traumbuch, trauernd über Verlorenes und Vernichtetes. In der Halle Kalk findet die Regisseurin Katie Mitchell den idealen Echoraum für ihre Annäherung an den deutschen, in England heimisch gewordenen Sebald.

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Inzwischen hat sich das Festival der Uraufführungen als zentraler Bestandteil des Programms der Ruhrfestspiele etabliert. Daran hat auch der jährlich in Frankfurt (Oder) vergebene Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker seinen Anteil. Seit 2010 ist an den mit 7.500 Euro dotierten Preis...

„Delhi, ein Tanz“ von Iwan Wyrypajew

Was ist „Delhi, ein Tanz“? Ein Stück in sieben Szenen oder sieben Stücke, verbunden zu einem szenischen Ablauf, wie der russische Autor Iwan Wyrypajew es möchte. Im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspiels inszeniert Felix Rothenhäusler die deutschsprachige Erstaufführung. Sechs Personen treffen in einem Krankenhaus aufeinander: Mutter und Tochter Ekaterina, beider Freundin, Ekaterinas Geliebter Andrej, dessen Ehefrau sowie eine Krankenschwester.

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