Zum Ende hin ist Thilo Reuthers Bühne ein nackter schwarzer Raum. Silvia Weiskopf und Bettina Schmidt stehen hinten vor einer Wand, so weit wie nur eben möglich von den Zuschauerreihen entfernt. Keine hat mehr einen Blick für die andere. Ein Dialog zwischen den Rivalinnen Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof ist so unmöglich wie einst eine Versöhnung zwischen Elisabeth I. und Maria Stuart, also sprechen sie ihre langen Monologe ins Leere, die eine, Silvia Weiskopf, voll revolutionärer Wut und anklagendem Pathos, die andere, Bettina Schmidt, beinahe sanft, getragen von der Melancholie des Scheiterns und dem Wissen um die Vergeblichkeit des eigenen Lebens.
In diesem Moment, in dem die Schauspielerinnen im Meer des Textes versinken und aus ihm eine zeitlose Tragödie revolutionären Strebens bergen, ist das „Königinnendrama“, das Elfriede Jelinek auch als eine Art theatralen Dialog über Zeiten und Formen hinweg konzipiert hat, ganz bei sich. Der Text und mit ihm Hermann Schmidt-Rahmers Essener Inszenierung sind tatsächlich bei Schillers „Maria Stuart“ angekommen.
Alles, was zuvor auf der Bühne und dem angrenzenden welligen Laufsteg ins Publikum hinein geschieht, wirkt angesichts von Silvia Weiskopfs manischem An-Reden gegen den Tod und Bettina Schmidts langsamen Dahin-Gleiten in dessen Arme wie ein einziger langer Prolog. Allerdings hat dieses Vorspiel in Vergeblichkeit, in das neben den Schauspielern auch die Damen vom Einlass sowie die Bühnenarbeiter einbezogen werden, auch schon seine eigenen Höhepunkte, die etwa das Elend der politischen Avantgarde offenbaren.
Ausgespielt werden der abgründige Witz und die bittere Komik von Jelineks Text, gipfelnd in Stefan Diekmanns Live-Film „Gudrun oder Was ziehen wir an, wenn wir Kaufhäuser anzünden“. Die Bühne wird zur Luxusboutique. In Anlehnung an Brecht und die Revolutionschic-Industrie mit Che-T-Shirts und Terror-Symbolen könnte man sagen: Was ist ein Überfall auf eine Boutique gegen die Gründung eines eigenen Modelabels.
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