Ein gewaltiger Metallreifen schwebt über den Tänzern, als bühnenarchitektonisches Echo von Johann Sebastian Bachs klaren, formstrengen Kompositionen. Heinz Spoerli, Ballettchef in Zürich und Choreograf von Welt, ersann zu drei der sechs Violoncello-Suiten den Abend „In den Winden im Nichts“. Entstanden ist ein edler Tanzreigen – ein Meisterwerk. Er habe die Musik visualisieren und ihr eine zusätzliche Dimension verleihen wollen, erklärt Heinz Spoerli seine Intention. Jede der achtzehn Episoden zu den Sätzen der Solosuiten Nummer 2, 3 und 6 bringt neue Bilder hervor, von intimen Soli bis zu dynamischen Ritualtänzen des Ensembles mit 36 Tänzern. Der Schweizer übersetzt Bachs Klarheit in seine neoklassische Sprache, ohne eine Geschichte auch nur anzureißen. Es geht ihm ausschließlich darum, den Charakter der Musik zu erspüren, Bachs unsentimentalen Kosmos zu erfassen. Der „Tanzmacher“, wie Spoerli sich selbst gerne nennt, akzentuiert sein strenges Vokabular mit synchronen Gesten, dem Einfrieren von Posen oder Bewegungen in Zeitlupe. So gibt er dem Ballett noch schärfere Konturen. „In den Winden im Nichts“ beweist einmal mehr, wie zeitlos und gleichzeitig modern die Suiten bis heute sind. Claudius Herrmann, Solo-Cellist des Orchesters der Zürcher Oper, begleitet den Abend live. Bach komponierte die Cello-Suiten 1717 in seiner Zeit als Kapellmeister am Hof von Anhalt-Köthen.
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