Heimatdesign

Der Mann ist pures Understatement, wenn man bedenkt, dass er die kreative Szene im Ruhrgebiet und darüber hinaus zu neuem Selbstbewusstsein befeuert. Marc Röbbecke, Initiator und Organisator des Design-Netzwerks „Heimatdesign“, könnte rein optisch bei einer Band wie „Blumfeld“ mitspielen – einfacher grauer Pullover, Indie-Scheitel und ein zurückhaltendes Lächeln. Und dann so ein großes Wort wie „Heimat“ – passt das zu jemandem wie ihm?

Doch, das passt: „Heimat ist dort, wo man kein Fernweh hat“, versucht es Röbbecke auf den Punkt zu bringen. „Es ist ein Gefühl – dass man sich wohlfühlt, bei dem, was man tut. Mit Interesse und Spaß arbeiten zu können, und Menschen um sich zu haben, die genauso denken. Ein Gefühl, das anhält.“ Es ist dieser Netzwerkgedanke, der hinter allem steckt, was „Heimatdesign“ macht. Als Plattform und Veranstalter für junges Design aus dem Ruhrgebiet organisieren Röbbecke und seine Mitstreiter Messen und Veranstaltungen, betreiben in Dortmund einen Laden, in dem Designprodukte aus der Region verkauft werden, und geben jedes halbe Jahr ein kostenloses Magazin zum Thema heraus. Unter Design verstehen sie ein breites Spektrum von Grafik, Fotografie, Mode, Möbel- und Interiordesign. 

2004 initiierte Röbbecke eine erste Modenschau, die sich immerhin 1000 Besucher ansahen. Zeitgleich erschien auch das erste „Heimatdesign-Magazin“, das Röbbecke damals noch komplett selber geschrieben hat. Dabei war die Beschäftigung mit Design beruflich erstmal gar nicht angedacht. 1971 geboren, wurde er zunächst Bürokaufmann und arbeitete zwei Jahre in dem Job, bevor er Wirtschaftsingenieurwesen studierte. Klingt nicht gerade sexy. „Stimmt. Im 8. Semester habe ich auch die Lust verloren, mich mit lösbaren wie nichtlösbaren Verbindungen zu beschäftigen und bin dem eigenen Kopf und Bauch gefolgt.“ 

Anfang 2005 hatte ihn dieser Bauch wieder ein Stück weitergeführt. In einem leer stehenden Autohaus fand die erste Messe mit 50 Ausstellern statt: „Das war Punk-Rock! Brachte zwar kein Geld, aber Spaß!“ 2006 schlug man mit einem „Heimatdesign-Markt“ in der Kokerei Zollverein auf und präsentierte sich einem größeren Publikum. Ein Jahr später konnten sich die Heimatdesigner für ein paar Monate richtig austoben: Ein kurz vor dem Abriss stehendes Hotel am Dortmunder Rombergpark bot dem Konzept vorübergehend Raum. Seit 2009 ist „Heimatdesign“ in der Nähe des Dortmunder „U“-Turms zu finden. Hier, im ehemaligen Fundbüro des Ordnungsamtes, dass nun unter dem Namen „Ständige Vertretung Dortmund“ firmiert, hat man genug Platz für Büro, Ausstellungen und den Shop, in dem man Mut zum eigenen Anspruch zeigt: „Wir wollen kein übercooles Design-Nerd-Lädchen sein, sondern Transporter und Vermittler.“ Zudem findet sich  ein der „Ständigen Vertretung“ ein Coworking-Space, mietbare Büros und Platz für Ausstellungen, Lesungen und Workshops.

„Heimatdesign“ sieht sich als eine Plattform, die der Nachwuchs aus den Universitäten nutzen kann, um sich zu professionalisieren. „Aber wir nehmen auch nicht alles, wir veranstalten hier schließlich kein Kunsthandwerk.“

So finden sich im Sortiment Möbel wie der Raumteiler „sidebow“ von Jiri M. R. Katter, das Sortiment des Kölner Möbel-Labels „Kaschkasch“ oder futuristische Lamellenlampen von „Limpalux“ aus Essen. Die Retro-Turnschuhe „Oxford“ und „Bolero“, mit denen Jan-Peter Wulf und Ji-Hum Kim der angejahrten Schuhmarke „Romika“ wieder Coolness verliehen haben. Taschen von „Zechenkind“, die aus alter Arbeitskleidung genäht wurden, oder die Keksausstecher „Lieblingsplätzchen“ in Form des Zollverein-Förderturms oder des „U“. „75 Prozent der Produkte kommen aus der Region, der Rest sind kleine Highlights, die uns auch wichtig sind. Es gibt im Ruhrgebiet zwar viel, es gibt aber vieles auch nicht.“ 

Anfang 2009 hat man mit der Messe „Designers Fair“ die Heimat dann auch bis an den Rhein ausgedehnt und zeigt seitdem, zeitgleich mit den Kölner „Passagen“, jährlich aktuelles Möbel- und Interiordesign. Hinzu kommen Ausstellungen oder Veranstaltungen wie die „Pecha Kucha Night“, wo vor Publikum Powerpoint-Präsentationen neu betextet werden.

 

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