Händels Spätwerk ist ein Zwitter zwischen Oper und Oratorium in einer ungewöhnlich dunkel timbrierten Klangwelt. Geschildert wird die Passion der mythischen Titelfigur. Hercules kehrt nach vollbrachten Kriegen heim zu seiner Frau Dejanira. Die aber ist eifersüchtig auf Iole, eine schöne Kriegsbeute. Dejanira lässt dem Gatten ein Gewand bringen, das angeblich die erkaltete Liebe erneut entfacht, da es mit dem Blut des Zentauren Nessos getränkt ist. Doch der Zauber entpuppt sich als posthume Rache des Getöteten, denn das Gewand frisst sich unter Qualen in Hercules’ Fleisch. Er lässt sich bei lebendigem Lieb verbrennen, um seine Pein zu beenden.
Im Aalto-Theater sorgt ein erprobtes Team für eine Atem beraubend präzise, psychologisch plausible Verzahnung von Musik und Bühne. Regisseur Dietrich Hilsdorf breitet das barocke Eifersuchtsdrama als pralles Sittengemälde aus, erzählt in überbordenden Chor-Taubleaus unzählige kleine Geschichten mit witzigen Details und wechselt mit eleganten Schnitten zu gleichsam auf Millimeterpapier ausgeklügelten Szenen einer erkalteten Ehe. Da stimmt jeder Blick, jede Geste, jeder Wimpernschlag.
Dirigent Jos van Veldhoven animiert die Essener Philharmoniker zu historisch informierten, differenzierten Klängen. Bühnenbildner Dieter Richter hat einen klassizistisch inspirierten, morbiden Einheitsraum mit einer Fülle geistreicher Verweise auf die Kunstgeschichte gebaut; Renate Schmitzers Kostüme sind von rauschender Opulenz.Bei Hilsdorf bildet die üppige Ausstattung den atmosphärischen Katalysator für packendes, spielfreudiges Theater. Sitten und vor allem Unsitten einer versunkenen Welt lassen sich unmittelbar sinnlich erleben.
Aalto-Theater | Opernplatz 10 | 45128 Essen
Tel: 0201/81 22 200 | Email: tickets@theater-essen.de | Website: http://www.theater-essen.de
Aalto-Theater | Opernplatz 10 | 45128 Essen
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