Rom trauert. Und trägt den großen polnischen Papst zu Grabe, gebettet in einen einfachen Holzsarg, während sich um den Leichnam von Johannes Paul II. herum das pompöse katholische Zeremoniell inszeniert.
Mit Dokumentaraufnahmen aus dem Vatikan beginnt Nanni Morettis Film, um dann in eine fromme Farce, pietätvolle Satire und gottvolle Groteske über die Wahl des nächsten Heiligen Vaters zu kippen. Im Konklave herrscht Verwirrung. Dann einigen sich die Kardinäle überraschend nicht auf die Favoriten Aguilar, Bikara oder Gregori, sondern auf Melville. Als der jedoch auf den Balkon treten soll, nachdem das „Habemus Papam“ der wartenden Menge verkündet wurde, hört man nur einen inbrünstigen Schrei: Der designierte Nachfolger Christi flüchtet, verbirgt sich und ist fortan nicht willens und fähig, sein Amt anzutreten.
Rom ratlos. Ein Psychoanalytiker (Moretti) wird engagiert, um bei Melville frühkindliche Störungen zu entdecken und diagnostiziert – allerdings sehr gegen freudianische Exklusivität vor den Augen und Ohren der gesamten Kurie – ein Zuwendungsdefizit. Melville selbst nennt es „psychische Sinusitis“ und beschließt, sich an sein und das Leben überhaupt erinnern zu müssen.
Er verlässt den geschützten Bezirk, taucht unter in der ewigen Stadt und macht Erfahrungen mit Menschen, in der U-Bahn, in Cafés, Bars, Läden, im Theater bei Tschechow. Währenddessen tut der Vatikansprecher alles, um den Skandal zu vertuschen, indem er behauptet, der Papst sei im Gebet versunken in seinen Gemächern. Derweil die Kanäle Karten und Ball spielen, zu Popmusik tanzen, über ihre Schlafstörungen debattieren, Lust auf Leckereien bekennen: außen Purpur, innen wie Du und Ich.
Rom privat. Morettis Geschichte, die nicht genau weiß, für welche Erzählperspektive sie sich entscheiden soll, reduziert die katholischen Würdenträger auf die anekdotische Existenz. Es wirkt eine Art heiliger Einfalt. Wie gut, dass Michel Piccoli als Melville in seinem Irren, seinem Zweifeln, seiner staunenden Verstörung so wunderbar beseelt anders ist. Und dass Moretti der Kirche ein Happy End verweigert: Der Balkon bleibt leer. Die roten Vorhänge flattern im Wind. Die Gemeinde ist vaterlos.