61 Jahre ist Grigory Sokolov alt. Immer noch sieht er jeden Tag als vertan an, wenn er nicht Klavier spielt. Für ihn ist das Musikmachen nicht Beruf geworden, sondern Berufung geblieben. Sokolov ist einer der ganz wenigen unter den bedeutendsten Pianisten unserer Zeit, für den ausnahmslos das Wahre in der Musik zählt. Allen medialen Ablenkungen widersetzt er sich hartnäckig, seit er 1966 beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb triumphierte. Statt der Enge eines Aufnahmestudios bevorzugt er bis heute die Live-Atmosphäre. Bei seinen Solo-Recitals spannt er den Bogen vom französischen Barockkomponisten Rameau über Mozart bis zu Brahms’ Händel-Variationen. Am Ende wird er dann mit fünf, sechs oder sieben Zugaben auch jenen Moment hinauszögern, loslassen zu müssen.
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