Der Teufel hat nicht so sehr seine Hand im Spiel, Himmel und Hölle werden nicht in Bewegung gesetzt. Wohl aber das Theater selbst: Die Vereinigten Bühnen Krefeld/Mönchengladbach riskieren den ganzen „Faust“ an einem Abend mit etwa 70 Personen, was ein Haus mittlerer Größe ziemlich an seine Grenzen führt. In Krefeld inszeniert Matthias Gehrt das deutsche Drama schlechthin in einer stark konzentrierten Fassung, die sich auf vier Stunden verdichtet.
Einmal um die ganze Welt, von dn höheren Regionen in die Unterwelt, aus der Studierstube an den Kaiserlichen Hof, von deutschen Landen in die mythologisch klassischen Gefilde, von Geist zu Tat, von philosophischer Betrachtung zu Kriegsführung zu Wirtschaft und Finanzen, von Gretchen zu Helena, vom Lebensüberdruss zur Lebenslust und zum Tod: Goethes „Faust“ ist unerschöpflich und erschöpfend.
Faust (Bruno Winzen) stellt sich in sehr irdischer Gestalt vor, befangen in seinen Krisen und Ambitionen, beginnend schon mit dem großen Monolog „Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemühn...“ Dieser Studierstuben-Gelehrte ist hier moderner Krisenmanager, Problembewältiger und Zeitbeschleuniger, Konsum-Propagandist und Wachstums-Prophet und gewiss kein Liebender, sondern auch darin Materialist, der das Gretchen (Helen Wendt) in die Verzweiflung treibt. Ein agiler Marathon-Mann im Merkel-Land der Globalisierung und seiner Invaliden.
Der liebe Gott und der metaphysische Zauber sind mit kräftigem Strich eliminiert und ausgeblendet. Alles im Hier und Jetzt und kräftig dynamisiert. Mephistopheles (Daniel Minetti) tritt da nur als Abspaltung des Doktors auf und erscheint als eine Art Zwillingsbruder. Um die Figuren herum herrscht kühle Temperatur auf entsprechend atmosphärisch nüchterner, aber höchst variabler und durch Video-Projektionen (Ali Samadi Ahadi) erweiterter Bühne (Gabriele Trinczek).
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