Goethes ganzer „Faust“ im Stadttheater
20.03.12 19:00

Der Teufel hat nicht so sehr seine Hand im Spiel, Himmel und Hölle werden nicht in Bewegung gesetzt. Wohl aber das Theater selbst: Die Vereinigten Bühnen Krefeld/Mönchengladbach riskieren den ganzen „Faust“ an einem Abend mit etwa 70 Personen, was ein Haus mittlerer Größe ziemlich an seine Grenzen führt. In Krefeld inszeniert Matthias Gehrt das deutsche Drama schlechthin in einer stark konzentrierten Fassung, die sich auf vier Stunden verdichtet.

Einmal um die ganze Welt, von dn höheren Regionen in die Unterwelt, aus der Studierstube an den Kaiserlichen Hof, von deutschen Landen in die mythologisch klassischen Gefilde, von Geist zu Tat, von philosophischer Betrachtung zu Kriegsführung zu Wirtschaft und Finanzen, von Gretchen zu Helena, vom Lebensüberdruss zur Lebenslust und zum Tod: Goethes „Faust“ ist unerschöpflich und erschöpfend. 

Faust (Bruno Winzen) stellt sich in sehr irdischer Gestalt vor, befangen in seinen Krisen und Ambitionen, beginnend schon mit dem großen Monolog „Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemühn...“ Dieser Studierstuben-Gelehrte ist hier moderner Krisenmanager, Problembewältiger und Zeitbeschleuniger, Konsum-Propagandist und Wachstums-Prophet und gewiss kein Liebender, sondern auch darin Materialist, der das Gretchen (Helen Wendt) in die Verzweiflung treibt. Ein agiler Marathon-Mann im Merkel-Land der Globalisierung und seiner Invaliden.  

Der liebe Gott und der metaphysische Zauber sind mit kräftigem Strich eliminiert und ausgeblendet. Alles im Hier und Jetzt und kräftig dynamisiert. Mephistopheles (Daniel Minetti) tritt da nur als Abspaltung des Doktors auf und erscheint als eine Art Zwillingsbruder. Um die Figuren herum herrscht kühle Temperatur auf entsprechend atmosphärisch nüchterner, aber höchst variabler und durch Video-Projektionen (Ali Samadi Ahadi) erweiterter Bühne (Gabriele Trinczek). 

 

 

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Theater Krefeld / Mönchengladbach

Die älteste Theaterehe Deutschlands wurde 1950 geschlossen: Am 19. April unterzeichneten die Städte Krefeld und Mönchengladbach einen Theatervertrag und feiern demnach bald diamantene Hochzeit. Unter dem Namen „Vereinigte Bühnen Krefeld und Mönchengladbach“ zeigt das Dreispartenhaus

Vincenzo Bellinis „Norma“ in Krefeld

Seit Maria Callas Bellinis Meisterwerk „Norma“ triumphal rehabilitiert hat, umgibt die Oper ein Nimbus. Was vor allem an der halsbrecherischen Titelpartie liegt, die Vorrecht der Primadonnen ist. In Krefeld wird die Geschichte aus dem Gallien der römischen Antike ins Italien des Neorealismus verlegt.

„Figaro“ im Düsseldorfer Schauspielhaus

Im Schauspielhaus läuft dieser „Figaro“. Schließlich ist das Stück über den „Tollen Tag“ im Hause des Grafen Almaviva ursprünglich fürs Theater von Pierre Caron de Beaumarchais geschrieben, woraus danach die Oper von Mozart mit dem Libretto von da Ponte wurde. „Entschlackt, verspielt und intelligent“, urteilt die „Rheinische Post“ über Markus Bothes Inszenierung der am Ständesystem rüttelnden Verwechslungskomödie, in der Graf und Gräfin, Figaro und Susanna Liebe, Kuppelgeschäfte und Eifersucht vor dem Hintergrund einer feudalen Gesellschaft im Wandel durchleben.

„Was Ihr wollt" im Theater an der Ruhr

In Karin Neuhäusers Inszenierung von Shakespeares "Was Ihr wollt" liegt Illyrien am Ende zweier sich treffender Gleise und wird von einer Mauer begrenzt. Zudem hat das Bühnenbild etwas von einem heruntergekommenen Nachtclub: Endstation Sehnsucht im Theater an der Ruhr.

Handkes „Immer noch Sturm“ im Theater an der Ruhr

Stell dir vor“ lautet die Formel, die Peter Handkes Prosa-Gedicht "Immer noch Sturm" in Gang setzt. Das Erzähler-„Ich“ – Mittler zwischen Raum und Zeit, zugleich Autor und Zuschauer – träumt und phantasiert sich in einen konkreten Erinnerungsraum: das Jaunfeld im slowenischen Gebiet Kärntens. Ort eines Kulturkampfes.

Verdis „La Traviata“ in Essen

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Wagners „Der fliegende Holländer“ in Köln

Wagners „Der fliegende Holländer“ ist die letzte Produktion im Kölner Stammhaus am Offenbachplatz, das nach der Aufführungsserie bis 2015 saniert wird. Regisseur Dietrich Hilsdorf, der lange mit Wagner gefremdelt hat, scheint den Bann gebrochen zu haben; er zieht hier alle Register seiner Kunst.

Borcherts „Draußen vor der Tür“ in Bochum

David Bösch lässt keinen Zweifel, was es auf sich hat mit Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“. Am Schauspiel Bochum erklären er und seine fabelhaften Darsteller Florian Lange und Nicola Mastroberardino in Schmutz und Elend aller kulturell überlieferten Sinnproduktion den Krieg.

Ibsens „Nora“ im Theater Oberhausen

Ibsens „Nora“ ist das psycho-realistische Drama einer Ehe und der Befreiung der Frau aus ihrem goldenen Käfig. Dass es auch anders geht, zeigt Herbert Fritsch am Theater Oberhausen, indem er „Nora“ als schauerromantisches Ritual einrichtet.

Puccinis „Butterfly“ an der Rheinoper Düsseldorf

Die Oper zählt zu den Repertoire-Lieblingen. Puccinis „Madama Butterfly“, das traurige Schicksal der Japanerin Cio-Cio-San, wird in der frühen, herberen Werkfassung von Robert Carsen an der Rheinooer in starken, symbolhaften Bildern inszeniert.

„Wallenstein“ an den Städtischen Bühnen Münster

Nichts weniger als das ureigene Wesen des Politischen offenbart Friedrich Schiller in seiner Trilogie über den Fürsten und Feldherrn im 30-jährigen Krieg, der die Geschicke der Welt am Lauf der Sterne ablesen wollte. Das Historienstück wird zum Ideendrama der Politik.

"Rusalka" im Musiktheater im Revier

Antonin Dvoraks „Rusalka“ gilt neben Smetanas „Verkaufter Braut“ als tschechische Nationaloper schlechthin. Das mit Naturmystik durchsetzte Werk scheint als Märchenoper neuerdings wieder den Nerv zu treffen. In Gelsenkirchen inszeniert die Berlinerin Elisabeth Stöppler, ein Stammgast am Musiktheater im Revier.

Wuppertaler Bühnen

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Brontes „Jane Eyre“ von Cary Joji Fukunaga

Wer hätte vermutet, dass der Kalifornier Cary Joji Fukunaga nach seinem Debüt, dem eindringlichen mexikanischen Flüchtlingsdrama „Sin Nombe“, einen Kostümfilm drehen würde. Aber er kann auch das.

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Wenn Schillers Erstling „Die Räuber“ tatsächlich, wie Thomas Mann einmal geschrieben hat, ein „höheres Indianerspiel“ ist, dann gleicht sein bürgerliches Trauerspiel „Kabale und Liebe“ zweifellos einer „höheren Seifenoper“. Wie die Autoren...

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