Dombrowski ist zurück. Nach Jahren in der „Anstalt“ des ZDF an der Seite von Urban Priol ist er aus ebendieser ausgebrochen und steht wieder auf den Bühnen der Republik. „Meister Yodas Ende – Über die Zweckentfremdung der Demenz“ heißt sein neues Programm. Georg Schramm ist der verbitterte und desillusionierte Rentner Lothar Dombrowski, der eine Botschaft unter die Menschen bringen will, da „für tatenloses Grübeln der globale Niedergang schon zu weit fortgeschritten ist.“ Dombrowski sucht Mitstreiter für die gute Sache unter Gleichgesinnten und Altersgenossen, „die nicht mehr viel zu erwarten haben“, und die wie er, „lieber im Blitzlicht der Öffentlichkeit scheitern, als gehorsam bis zum kläglichen Ende im Pflegeheim dahin dämmern.“ Ein Satz aus Schillers „Wallensteins Tod“ hat den Rentner aufbrechen lassen. Und zwar die letzten Worte, bevor Wallenstein sein Schwert gürtet und in die Schlacht zieht: „Komm, lass die Sterne, Seni, der Morgen naht und Mars regiert die Stunde.“
Schramms letztes Programm trug den Titel „Thomas Bernhard hätte geschossen“. Betont schlechtgelaunt geht es auch in „Meister Yodas Ende“ weiter – es gibt nichts bis wenig zu lachen. Die Lage ist zu ernst, um Witzchen über die sexuelle Abendgestaltung von amtierenden Außenministern zu machen. Schramm geht es in seinen Bühnenfiguren um nichts weniger als Aufklärung. „10 Deutsche sind bekanntlich blöder als 5 Deutsche“ hat Heiner Müller mal bemerkt. Georg Schramm miesepetert sehenswert vor Publikum, das bald merkt, dass das alles irgendwann nicht mehr lustig ist. Damit steht Schramm in einer Reihe mit seinem österreichischen Kollegen Josef Hader, bei dem man sich ebenfalls mehr in einem Theatermonolog als in einem Kabarettprogramm wähnt. Wahrscheinlich wird Schramm neben dem Hauptcharakter Dombrowski auch seine andere Figuren zu Wort kommen lassen, wie den alten, übriggebliebenen, hessischen Sozialdemokraten und Gewerkschafter August und den schneidig-jovialen Presseoffizier Oberstleutnant Sanftleben. Als Sanftleben hielt er in „Neues aus der Anstalt“ (ZDF) eine Trauerrede für die toten deutschen Soldaten in Afghanistan, die eigentlich die verantwortlichen Politiker hätten halten sollen, und die bewies: Schramm kann auch leise. Aber nie zu lange, denn dann pöbelt Dombrowski mit hanseatischen Akzent Sätze wie diesen ins Publikum: „Man kann ja nicht jedes Jahr zwei Wolkenkratzer einäschern, nur damit die Spaßgesellschaft mal ihre Klappe hält!“
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