„Franziskus - Licht aus Assisi“ im Diözesanmuseum
09.12.11 bis 06.05.12

Mitte 20 war er und psychisch ziemlich angeschlagen – da muss es passiert sein. Giovanni Battista Bernardone, vom Vater nur „Francesco“ genannt, begegnet im Armenviertel von Assisi einem Aussätzigen. Zunächst empfindet er nur Ekel, dann aber umarmt er den Kranken. Begreift ihn plötzlich als seinesgleichen – eine in der von Standesschranken geprägten Gesellschaft damals revolutionäre Erfahrung, die den jungen Mann eine neue „Süßigkeit der Seele und des Leibes“ erfahren lässt, wie er selbst es später einmal formuliert.

Die als wesentlicher Wendepunkt in seine Lebensgeschichte eingegangene Begebenheit hat sich an einem Frühlingstag im Jahre 1206 zugetragen. Kurz danach erblickt Giovanni, alias „Francesco“, in einer nahen Kapelle dann noch die damals seltene Darstellung des leidenden Christus und macht sich endgültig klar, dass der Sohn Gottes eher unten als oben zu finden ist. Christus nachzufolgen, bedeutet arm zu sein, so die alles entscheidende Schlussfolgerung.

Für die Erkenntnis, vor allem aber für die Konsequenzen, die er daraus zieht, ist Franz von Assisi bis heute berühmt. Eine Ausstellung im Bischöflichen Diözesanmuseum in Paderborn macht den Mann aus Umbrien nun zum Thema einer großen Ausstellung. „Licht aus Assisi“ – dieser Untertitel spielt darauf an, dass das „pazifistische“, „ökologische“ und vielleicht sogar religionsübergreifende Wirken und Denken des heiligen Franz bis in die Gegenwart so stark ausstrahlt, dass sich die Weltreligionen regelmäßig zum großen Friedensgebet in Assisi treffen; zuletzt im vergangenen Oktober.

Angefangen hatte damals vor 800 Jahren alles im kleinen, aber rasch wachsenden Kreis. Franz, der Radikalchrist, scharte Gefährten im Geiste und in der Tat um sich. Sie arbeiteten etwa als Tagelöhner auf den Feldern, pflegten Aussätzige oder traten als Straßenkünstler auf. Die kleineren oder geringeren Brüder, „fratres minores“, wie sie sich nannten, hofften, mit diesen Diensten ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, nahmen aber kein Geld an.

Der Franziskanerorden hat für die katholische Kirche immer eine Herausforderung bedeutet. Stellte doch sein striktes Armutsideal das auf weltlicher Macht begründete und Prunk nicht scheuende Papsttum mit Verweis auf das so gegensätzliche Leben Christi grundsätzlich infrage.

Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen ist Franz von Assisi über all die Jahrhunderte hinweg eine Lichtfigur geblieben. So ist es auch zu erklären, dass dieser Mann sehr bald nach seinem Tod ein so beliebter Gegenstand in der Kunst wurde – nach der Gottesmutter sei Franz die am häufigsten dargestellte Gestalt, heißt es in Paderborn.

Die Ausstellung dort vereint um die 200 Stücke aus internationalen Sammlungen. Darunter herausragende Werke der frühen italienischen Tafelmalerei – zum Beispiel eine der ersten Darstellungen des heiligen Franziskus von Margaritone d’Arezzo, gemalt um die Mitte des 13. Jahrhunderts. Ohne eine Ähnlichkeit im Sinne eines Porträts anzustreben, gibt das Bild schematisch einige schriftlich überlieferte Züge des „Poverello“ wieder: Es zeigt ihn gekleidet in sein Ordensgewand mit der typischen spitzen Kapuze und jenem dreifach geknoteten Strick, der an die drei Tugenden Armut, Gehorsam und Keuschheit erinnert.

Hinzu kommen barocke Meisterwerke von Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck oder Georges de la Tour. Und illuminierte Handschriften, wie die Legende des heiligen Franziskus nach Bonaventura. Auch Assisi selbst schickt wichtige Objekte: Kelch und Patene des heiligen Franziskus etwa, die ihm der Überlieferung nach ein Priester geschenkt hat, und ein Brevier, das er selbst benutzt haben könnte. Zum ersten Mal in Deutschland werden noch dazu Fragmente der beim Erdbeben von 1997 beschädigten Gewölbemalereien aus der Kirche von San Francesco in Assisi ausgestellt.

Dem stehen Darstellungen der Struktur und Geschichte franziskanischer Gemeinschaften sowie Alltagsdokumente, Kirchen- und Stadtmodelle zur Seite. All die Stücke veranschaulichen in Paderborn den ganzen großen historischen Kontext. Und sie legen Zeugnis ab vom Leben und Wirken des Heiligen. „Franziskus hat alles vorweggenommen, was unser modernes Denken an Weitherzigkeit und an Mitgefühl in sich birgt“, so schrieb vor rund 90 Jahren der britische und Franziskus-Biograf  Gilbert Keith Chesterton. „Die Liebe zur Natur, die Liebe zu den Tieren, den Sinn für soziale Verpflichtung, den Blick für die geistigen Gefahren des Wohlstandes und selbst des Besitzes.“

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