Was und wer der Teufel letztendlich ist, auf jeden Fall ist er der größte Schauspieler und Theatermacher. Schließlich ist sein höchstes Ziel, die Menschen zu verführen, und dafür muss er sie erst auf seine Seite ziehen. Dabei ist ihm alles recht, Taschenspielertricks genauso wie die großen Effekte.
In Michail Bulgakows schillerndem Roman „Der Meister und Margarita“ bahnt der Teufel namens Voland sich und seinem Gefolge gleich den Weg in ein Moskauer Varieté-Theater, um dort – so die Ankündigungen – schwarze Magie zu zelebrieren und zu entlarven. In Kay Voges’ Adaption dieser poetisch-satirischen Abrechnung mit dem Sowjet-Reich der späten 1920er und 1930er Jahre, die erst mehr als 25 Jahre nach dem Tod des Autors 1940 veröffentlicht wurde, bleibt diese Vorführung der Verführbarkeit der Massen, der billige Rausch des Geldes und des Luxus, aus.
Geld, das vom Himmel herab auf die Zuschauer regnet, ein Conférencier, dem der Kopf abgerissen und wieder aufgesetzt wird, und Pariser Haute Couture, die sich in Luft auflöst, das alles wäre für Sebastian Kuschmanns Voland, Prophet des Glaubens in einer Welt, die allen Glauben verloren hat und darauf auch noch stolz ist, viel zu profan. Er tritt stattdessen auf und träumt mit den Worten des jungen Dramatikers und Kleist-Preisträgers Wolfram Lotz vom „unmöglichen Theater“, um nichts weniger als die Überwindung der Wirklichkeit zu fordern.
Seinem heiligen Ernst stehen die kindischen Späße seiner Entourage, der Hexe Hella, die bei Eva Verena Müller etwas von einer außer Kontrolle geratenen Gliederpuppe hat, und dem meist stumm bleibenden Kater Behemoth (Uwe Rohbeck), entgegen. So stecken Voges und sein Ensemble ein Spannungsfeld ab und schreiten unterstützt vom Dortmunder Sprechchor, den Bild- und Filmprojektionen des Videokünstlers Daniel Hengst und den Songs der New Yorker Band Botanica den Kreis theatraler Möglichkeiten aus.
Auch sie träumen vom „unmöglichen Theater“. Dafür ist Bulgakows ausufernder Roman wie geschaffen. Erzählt er doch auf mehreren Ebenen von der Auflösung der Wirklichkeit und der Erlösung von ihrem Kreuz. Dem himmlischen Treiben des Teufels steht die Geschichte von der alles überwindenden Liebe Margaritas zum Meister, einem namenlos gewordenen Schriftsteller, und dessen Roman über Pontius Pilatus’ Begegnung mit Jeschua Ha-Nozri zur Seite.
Kay Voges wendet einen Kunstgriff an, indem er aus allen Geschichten die Gretchenfrage „Woran glaubst du?“ herausschält. Am einfachsten fällt die Antwort darauf Margarita. Sie glaubt an die Liebe und ihren Meister, den Voges von einem Schauspieler-Duo (Uwe Rohbeck und Andreas Beck) spielen lässt. Der eine kann noch glauben und lieben. Der andere hat den Glauben verloren und versinkt in Leid und Selbstmitleid. Zwei Körper und eine Seele...
Schauspielhaus Dortmund | Hiltropwall | 44137 Dortmund
Tel: 0231/ 50 27 222 | Website: http://www.theaterdo.de
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