Seit der Spielzeit 2010/11 kommt das Ensemble der Kölnr Oper an mehreren Ausweichspielstätten zum Einsatz. Es wird zwar nach wie vor auch am Offenbachplatz gespielt, Monteverdis „L'incoronazione de Poppea” aber findet an einem Ort statt, an dem man Theater und Oper kaum vermuten würde: im Palladium, gelegen im Zentrum des Mülheimer Schanzenviertels.
Claudio Monteverdis 1642 in Venedig uraufgeführte Oper zeigt unverblümt, wie eng Politik, Eros und Verbrechen zu Zeiten der Dekadenz zusammenhängen und mit welchen skrupellosen Mitteln gesellschaftlicher Aufstieg erkauft wird.
Roms Caesar Nero erliegt den Reizen der Kurtisane Poppea und will sie von der heimlichen Bettgespielin zur Ehefrau und Kaiserin machen. Doch bis zur Krönung Poppeas müssen Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Neros Lehrer Seneca, der das Verhalten seines Zöglings nicht billigt, muss für seinen Widerstand mit dem Leben zahlen. Seine erste Frau Ottavia wird verbannt, ebenso Poppeas Ex-Liebhaber Ottone.
Regisseur Dietrich Hilsdorf erkennt in der Antike Parallelen zur Gegenwart und stellt heutige Menschen auf die Bühne, die in einer kühnen Installation von Dieter Richter unter der Kuppel des Jahrhundertsaals (in der ehemaligen Kantine der Versicherung) lieben, leiden und Intrigen spinnen. An beiden Enden der Bühnenstege ist jeweils zur Hälfte das Orchester positioniert, das sich aus Alte-Musik-Spezialisten rekrutiert. Lauten und Chitarronen, Zinke und Blockflöten bestimmen das transparente Klangbild, das Konrad Junghänel aus der nur rudimentär überlieferten Partitur des barocken Komponisten arrangiert hat.
In sehr konzentrierter Personenführung entwickelt sich ein fesselndes Kammerspiel: eher ein Schauspiel mit Musik als eine Oper. Die erstklassigen Sänger führt an: Franco Fagioli, ein sengend intensiver Countertenor, der Nero mit zwanghafter Falschheit und kalten Despotismus ausstattet. Sandrine Piaus exquisites Soprantimbre schenkt der Titelheldin vibirierende Sinnlichkeit. David DQ Lee ist ein klangschöner Ottone, Romina Boscolo eine flammende Ottavia. Köln ist hier ein großer Wurf gelungen.
Palladium | Schanzenstraße 40 | 51063 Köln
Tel: 0221/96 79 0 | Website: http://www.palladium-koeln.de/