Claes Oldenburg: The Sixties im Museum Ludwig
22.06.12 bis 30.09.12

Ein riesiges weiches Tortenstück, eine schlappe Wurst, ein gigantischer Aschenbecher, in dem die Kippen aneinanderkleben. Der weiche Lichtschalter an der Wand, der in sich zusammen gesunkene Ventilator, der gepolsterte Mixer – alle sehen so aus, als würden sie leben. Fast scheinen sie zu atmen. 

 

Jene „Soft Sculptures“, die der amerikanische Pop-Art-Künstler Claes Oldenburg seit 1962 macht, lassen banale Alltagsgegenstände zu moppeligen Kunstwerken werden, allesamt etwas aus der Form geraten. Jetzt sind sie vereint in einer Ausstellung, die ihnen viel Raum lässt  – falls sie sich doch irgendwann von einer Seite auf die andere wälzen möchten. 

 

Mit „Claes Oldenburg: The Sixties“ zeigt das Museum Ludwig einen großen Überblick über das Schaffen des Künstlers in jenen bunten, poppigen Jahre, in denen die Kunst mit der Konsumwelt versöhnt wurde. In ihrer ausladenden Fülle lädt die Ausstellung dazu ein, den Künstler als radikalen Erneuerer noch einmal zu entdecken und aus der Pop-Ecke, in der er schon etwas Staub ansetzte, zu befreien. Viele der Objekte und Dokumente, die hier jetzt zu sehen sind, wurden bislang noch niemals gezeigt. Erstaunlich frisch erzählen sie von einer Kunst, die ihren Platz keineswegs nur im Museum, sondern vielmehr im Leben hatte: in den Nachbarschaften der Stadt, woher sie auch ihre Inspiration bekam. 

 

Heute ist Claes Oldenburg, geboren 1928 in Stockholm, ja vor allem bekannt durch seine monumentalen Skulpturen im Stadtraum –  die Zahnbürsten, Eishörnchen oder Lippenstifte. Dass er allerdings in seinen frühen Jahren auch ein Fluxus-Künstler war, wird nun endlich einmal und aufs Schönste sichtbar. 

 

Von den späten 1950er bis Mitte der 70er Jahre reicht das Spektrum, das mit den Installationen „The Street“ und „The Store“ und den Dokumentationen der sie begleitenden Happenings fulminant einsetzt. 

 

Zunächst holte der Künstler das Ghetto in die Galerie, er ließ aus alter Pappe, Zeitungen und verkohlten Holzresten einen verwitterten und zerfallenden Slum erstehen, in dem exstatisch-düstere Performances stattfanden. In den Filmen dazu wird deutlich, dass die Objekte nicht nur gebraucht aussehen, sondern dass sie tatsächlich benutzt wurden: Sie haben ein wildes Leben geführt.

 

In seinem nächsten Projekt, „The Store“, einem kleinen, voll gestopften Laden, produzierte und verkaufte der Künstler handgefertigte, bunt bemalte Skulpturen, die die Konsumartikel in den Läden seiner Nachbarschaft imitierten. In einer kleinen Vitrine liegen ein paar Tortenstücke, Hamburger, Hot Dogs, Eishörnchen, dann: mit Gips bekleckerte Pumps und Unterwäsche. Irgendwo gibt es auch einen Brief, gebratenen Schinkenspeck.

 

Diese Kunst war nicht mehr „schön“ in herkömmlichem Sinn. Die Kommerzialisierung der amerikanischen Kultur und Kunstwelt ist nun das Thema: die Obsessionen und Sehnsüchte, die Träume und Albträume, denen der Künstler, der eigens für seine Schau in Köln aus Amerika anreiste, mit Humor und erotischer Aufladung zu Leibe rückt. Es sind diese mal humorvolle, mal tiefgründige Skepsis und der analytische Blick auf den Zustand und die Abgründe unserer kapitalistischen Gesellschaft, die die frühen Arbeiten Oldenburgs in ihrer Verschränkung von Hochkunst und Populärkultur so überzeugend machen.

 

Das Nachdenken über das Kunstwerk und seine Funktion als Ware sind denn auch zentrale Themen, die freilich nie vergessen lassen, welch phallische Formen etwa Lippenstift oder Eishörnchen gleichzeitig sind. 

 

Ein weiterer Höhepunkte dieser so reichen Schau ist das „Mouse Museum“, das 1972 zur Documenta IV entstand – ein sehr persönliches Archiv des Künstler-Sammlers, in dem alle möglichen, auch überaus banale und trashige, Fundstücke präsentiert werden, die er seit den späten 50er Jahren in New York und Los Angeles zusammengetragen hat.  Er wollte schließlich eine Kunst, die „trieft, die schwer ist und stumpf und plump und süß und blöd wie das Leben selbst“.

 

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