Christine Schäfer singt Schubert in der Philharmonie Köln
26.09.12 20:00

Als Christine Schäfer 2002 bei der Ruhrtriennale in einen Boxring stieg, um Schuberts „Winterreise“ zu singen, wurden die vier Seilwände zum Sinnbild des in sich befangenen Wanderers. Kurz darauf tauschte Schäfer den Bühnenraum gegen aseptische Studioatmosphäre ein, um für ein kleines Label und in Eigenregie die 24 Lieder aufzunehmen. Schon ihr „Gute Nacht“ traf die Hörer im Innersten, die das breitbeinige Pathos von Schäfers altem Liedklassen-Lehrer Dietrich Fischer-Dieskau im Ohr und Gemüt hatten. Mit scheinbar monochromer Monotonie und ohne einen Hauch von musikalisch doppelbödiger Gestik stellte die Sopranistin ein selbstbewusstes Individuum zur Diskussion, das eines nicht will: Mitgefühl. Seit der Aufnahme ist Schäfer ohne Zweifel die aufregendste Schubert-Liedsängerin, was sie mit ihrem kongenialen Partner am Klavier, Eric Schneider, live bestätigt.

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