Erotisch, freiheitsliebend, kompromisslos – die Figur der „Carmen“ verkörpert die femme fatale schlechthin. Als Oper ist der Stoff nach Prosper Mérimée öfter auf der Bühne anzutreffen als im Tanz. Essens Ballettchef Ben Van Cauwenbergh erzählt die Geschichte der spanischen Zigeunerin, die ihren Geliebten bis zum Mord reizt, mit einer neuen Wendung: Nachdem José Carmen erstochen hat, zieht er auf dem Begräbnis die Klinge aus ihrem Körper, und sie erwacht zu Maurice Ravels „Bolero“ zu neuem Leben. Ben Van Cauwenbergh verwendet in seiner Version, die den Mythos zwischen Neoklassik und Tanztheater interpretiert, auch die Opernmusik von Georges Bizet und Wolfgang Rihms Orchesterstück „Das Lesen der Schrift“, eine Auseinandersetzung mit Brahms' Requiem. Der Belgier schuf das Werk ursprünglich für das Ballett des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, wo es 2001 uraufgeführt wurde. Am Aalto Theater ist es in stark überarbeiteter Fassung und in neuer Ausstattung zu erleben.
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