Der Vater von Cameron Carpenter war Ofenbauer. Den Handwerksbetrieb wollte der Sohn gewiss nie übernehmen. Dafür verwandelt Carpenter die Orgel in ein heißes Gerät, wenn der Amerikaner mit schier unglaublicher Virtuosität über die Tasten und Pedale fliegt, sei es bei J.S. Bach, in den Arrangements von Chopins „Revolutionsetüde“ und Songs von Kate Bush. Zudem sorgt er mit seinen selbst entworfenen Outfits für Disco-Glamour. Damit hat der Paradiesvogel die heilige Orgelfamilie ziemlich aufgeschreckt. Doch mit der hatte er sowieso nie etwas am Hut. „Wir haben zu lange die Gewalttätigkeit der Orgel ignoriert, die Sexualität und die Sinnlichkeit“, so der Wahl-Berliner aus den USA und Juilliard-School-Absolvent. Auch seine auf YouTube täglich anwachsende Fan-Base sieht das so. In Russland feierte man ihn etwa enthusiastisch als „Horowitz der Orgel“. Man könnte auch sagen: Was er an der Orgel tut, ist vergleichbar der Bewegung des Tanzes von Fred Astaire hin zu Michael Jackson.
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