Büchners „Woyzeck“ im Schauspielhaus
25.04.12 19:30

Es ist eine ganz einfache Geschichte, die Georg Büchner in Fragmenten hinterlassen hat: Sein Franz Woyzeck, der arm’ Mann, wird kujoniert, betrogen, gedemütigt, wird angesichts äußerer Umstände und innerer Pein ganz „hirnwütig“ und bringt Marie, die Mutter des gemeinsamen Kindchens, am Ende um. Im Schauspiel Dortmund ist die Eiszeit ausgebrochen. Auf die von schwarzen Vorhängen wie in einer Einsegnungshalle abgehängte Bühne (Pia Maria Mackert) fiel Schnee. Woyzeck – eine Winterreise.

Im Hintergrund sitzt ein wie Liberace gekleideter Sänger am Flügel. Woyzeck will sich seine wirren Gedanken aus dem Kopf schlagen. Doch sie lassen sich nicht vertreiben. Auf dem kalten Grund schuftet er sich ab, stemmt sich unterm Eisernen Vorhang hervor, scheint von Stimmen umstellt und umspült von Tanzmusik und hartem Punkrock, der ihn mit „Why don’t you like me“ zuhämmert. Sechs Personen fuhrwerken angespannt durch die 90 Minuten, angetrieben von Untergangs-Euphorie und  Katastrophen-Ekstase. Vom Doktor kriegt Woyzeck eins auf die Finger; der Hauptmann delegiert an ihn den eigenen Selbsthass; der Tambourmajor, ein kraftprotzender Schreihals mit Ballettausbildung, haut ihm eine rein; und Marie, der Caroline Hanke Zartheit trotz biblischer Fallhöhe gibt, träumt unter Glitzerkugeln vom Schönen und trägt dazu symbolisch Rot. 

Wie gesagt, es ist eine einfache Geschichte, die der Intendanten-Regisseur Kay Voges mit Energie aufpumpt. Jede Szene wird rabiat ausagiert – bis zum bitteren Finale. Dann donnert wieder die Stille.

 

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