Benjamin Lebert ist einer der jüngsten unter den literarischen Schmerzensmännern. Mit gerade mal 17 Jahren legte er 1999 seinen Debüt-Jugendroman „Crazy“ vor, der nicht zuletzt durch die wunderbare Verfilmung von Hans-Christian Schmid bekannt geworden ist. Da war schon zu erkennen, dass in Lebert Talent zum hingebungsvollen Unglücklichsein schlummert. Alles, was danach kam, darf nun als heiteres Vorspiel zu Leberts neuem Roman „Im Winter dein Herz“ gelten.
Schneebedeckt ist das Land, durch das Robert zusammen mit der Tankstellen-Verkäuferin Annina und dem breitschultrig schlichten Kudowski Richtung München reist. Dort liegt der Vater im Sterben, dem der schwermütige Robert noch etwas mit auf den Weg geben möchte. Das ungleiche Trio fährt durch menschenleere Städte, denn das Land befindet sich im Winterschlaf, was buchstäblich zu verstehen ist. Bevor die Kälte über das Land hereinbricht, versetzen sich die Menschen in Leberts Roman mittels dreier Pillen in den Winterschlaf. In Roberts Fall braucht es das nicht: der junge, hochsensible Mann, der sich bis auf die Knochen heruntergehungert hat, ist vom Leben erschöpft – und bleibt wach.
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