Dauerausstellung des Ruhr Museums in Essen
01.01.12 bis 31.01.14

Das Ruhr Museum ist ohne Vergleich. Denn es müssten sich schon Naturhistorisches und Archäologisches Museum, Historisches Museum, Architekturmuseum und vielleicht auch Heimatmuseum zusammenfinden. Es ist ein "Hybrid-Museum", wie sein Direktor, Ulrich Borsdorf, gerne betont. Natur, Kultur und Geschichte werden hier zusammengebracht. Das Ruhrgebiet löst sich aus etablierten Mustern und Traditionen. Es ordnet sich neu und hat nun ein überwältigendes Haus, in dem die Suchbewegung zum Thema wird und Identitätsangebote geschaffen werden.

Der Ort ist die erste Botschaft. Der Kubus des Ruhr Museums dominiert nun das von den Architekten Schupp und Kremmer entworfene und zum Weltkulturerbe geadelte Ensemble der Zeche Zollverein. Die ehemalige Kohlenwäsche ist ein riesiger Schrein, in dem die Geschichte des Ruhrgebiets sich in einer Kreisbewegung von der Gegenwart über die Erdzeitalter zur Gegenwart zurück entwickelt. Architektur, Einrichtung der Sortieranlage und Transportwege spielen in die Präsentation und Platzierung der 6000 Objekte (davon 1000 Leihgaben von 250 Leihgebern, nicht mitgerechnet das Archiv der 2,3 Millionen Fotografien) auf 5000 Quadratmetern hinein.

Durch ein orangefarben dämmerndes Treppenhaus, dessen Geländer sich wie ein glühendes Stahlband abwärts zieht, geht es von der obersten Ebene der Kohlenwäsche hinab zum Beginn des dreiteiligen Parcours: zum Kapitel "Gegenwart". Auf der 17 Meter-Ebene spaziert der Besucher zunächst durch eine beeindruckende Panorama-Fotostrecke von Straßen, Autobahnen, Halden und Brachen, von Wohnsiedlungen, Büdchen, Kirchen, Sportplätzen, Universitäten, Technologie-Zentren. Kästen mit Ruhrpott-Mineralwasser berichten vom Dreck oben und der Reinheit ganz unten; liturgisches Gerät erzählt von geschlossenen Kirchen; Pokale repräsentierten das Vereinswesen; Surfbretter und Taucheranzüge demonstrieren, was auf Halden und in Gasometern freizeitlich – neben dem Fußball – möglich ist.
 
Hinter einer gläsernen Trennwand, in der Blattwerk grünt, um die These vom Artenreichtum im Ökotrop Revier zu stützen und den Wechsel von  Umweltzerstörung und Renaturierung aufzuzeigen, ragen Dutzende hoher weißer Vitrinen. In diesem Erinnerungsraum für den Menschen, seine Sachen und seine Erfahrung hat auch die Natur Platz. Auch ihre Botschaften lassen sich lesen: in der versteinerten Spur eines Blitzes oder in den Jahresringen eines Baumes. Die "Gegenwart" des Reviers, das ist die gipserne Heiligenfigur italienischer Gastarbeiter, das Einweckglas, das man mit in den Luftschutzkeller nahm, um Babynahrung zu wärmen oder der Suppenteller, der auf dem Esstisch in Schieflage nur halb gefüllt werden kann, weil Bergschäden das Haus schräg gestellt hatten.
 
Reicher noch entfaltet sich die Aura der Dinge in der mittleren, zweiten Etage: den Vorratskammern des "Gedächtnis". Die Kabinette und Galerien wurden geschlagen aus den früheren Speichern für Kohle, Abraum, Wasser. Diese Lager setzen theatralische Kontrapunkte. Kostbare Exponate fügen sich in die raue Atmosphäre. Wundersam heben sich die antiken Torsi, Skulpturen, Büsten ab. Großartig die fossilen Funde, Gesteinsfragmente, der Milliarden Jahre alte Meteorit, die Tierpräparate, das Skelett des Mammuts, die Gehäuse der Meeres-Ammoniten aus der Kreidezeit, die – zum Blütenfeld geordnet – in einen Schlund gesenkt wurden.

Neben der archäologischen, ethnologischen, geologischen Tiefenbohrung vollzieht sich der Prozess der Zivilisation. Er verläuft chronologisch entlang der Epochen der Vormoderne mitsamt ihren regionalen Besonderheiten: von den Franken und Sachsen und Römern über die Christianisierung und das mittelalterliche Leben, Renaissance, Humanismus und Aufklärung bis zum preußischen  Staatswesen. Im Ruhrgebiet fließen politische Strömungen, erdgeschichtlicher Status und landschaftliche Entwicklung so stark wie sonst kaum irgendwo ineinander.

Letzte Station, im dritten Geschoss abwärts: das Reservoir der "Geschichte" der jüngsten 200 Jahre, also der Montanindustrie. Mit einer erschlagenden Materialfülle an Zeugnissen, Gebrauchsgegenständen, Belegen, Dokumenten, verläuft der Hauptstrang über die 90-Meter-Sichtachse der Kohlenwäsche. Die Akte "Anfänge, Durchbrüche, Hochindustrialisierung, Zerstörungen & Wiederaufbau und Strukturwandel ab 1957" sind flankiert von Parallelstrecken. Zu sehen sind Lebensformen und Milieus im Wandel, die Krisen von Mensch und Natur, politische Umwälzungen – heillose Ideologie und  gesundende Gesellschaft. Die Statue von Alfred Krupp ragt aus dem Schatten hervor, die Stimme von Willy Brandt fordert einen blauen Himmel über dem Ruhrgebiet ein.
 
Als Prolog dieses Schlussteils ist jenes Urelement ausgelegt, ohne das all dies so nicht (gewesen) wäre. Auf Schautischen – erinnernd an die Fließbänder der Kohlenwäsche – reihen sich die Energieträger der Karbonzeit: Exemplare von Kohle und Erz, aus jedem Flöz je ein Stückchen. Man steht mit Ehrfurcht vor dem gleißend schillernden Schwarz. Die Kollektion wirkt wie eine Kunstinstallation und ist damit ihrerseits Ausdruck des Strukturwandels der Region, die ihre Zukunft in der Kultur sucht.

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2001 – Zeche Zollverein wird Weltkulturerbe

Die Größte, die Modernste, die Leistungsfähigste: Mindestens diese drei Superlative vermag die Schachtanlage Zeche Zollverein XII in Essen auf sich zu vereinen, als sich am 1.2.1932 die Räder ihres Förderturms zum ersten Mal drehen. 12.000 Tonnen verwertbarer Steinkohle pro Tag, das bedeutet die unglaubliche Vervierfachung der Durchschnittsleistung im Revier.

Ruhr Museum, Essen

Das Ruhr Museum zeigt mit über 6.000 Exponaten die Geschichte des Ruhrgebiets im Gebäude der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche Zollverein. In dem komplexen Übertagegebäude auf Schacht XII folgt der Besucher dem Weg der Kohle und steigt in die Geschichte hinab. Die ehemalige Kohlenwäsche wurde vom Architekten Rem Koolhaas umgebaut und ist über eine orangefarbene Rolltreppe erreichbar.

"200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt" im Ruhr Museum

Krupp hier, Krupp dort, überall Krupp. Die Historie des Konzerns und der Industriellenfamilie gehört zu den spektakulärsten Kapiteln deutscher Geschichte – und wohl auch zu den geläufigsten. Wurde sie doch in zahllosen Büchern, Filmen, Ausstellungen referiert, illustriert, interpretiert.

2002 – Ein neues Festival im Ruhrgebiet: Die Ruhrtriennale

„Die Landschaft der Industrie ist das aufgeschlagene Buch der menschlichen Psychologie.“ Diese Feststellung von Karl Marx könnte man auch auf die kontroversen Diskussionen beziehen, ob und wie die Relikte des Industriezeitalters zu verwalten, gestalten und nutzen sind.

Villa Hügel, Essen

Die Villa Hügel in Essen-Bredeney ist das ehemalige Wohnhaus der Industriellen-Dynastie Krupp. Von Alfred Krupp (1812-1887), dem Sohn des Firmengründers Friedrich, erbaut und 1873 fertiggestellt, diente das Gebäude gut sieben Jahrzehnte lang

Gasometer, Oberhausen

Der Gasometer Oberhausen ist Industriedenkmal und zugleich einer der spektakulärsten Ausstellungsorte im Ruhrgebiet. Früher war der 117 Meter hohe Stahlzylinder das Herz eines Komplexes aus Kokereien, Stahlhütten und Walzwerken – der Gutehoffnungshütte. Die Industriebauten sind verschwunden

LWL-Industriemuseum Zeche Hannover, Bochum

Wie eine Burg aus dem Mittelalter wirkt der mächtige Malakowturm im Bochumer Norden. Dahinter verbirgt sich jedoch der Förderturm von Zeche Hannover, des zuletzt (1973) geschlossenen Bochumer Bergwerkes. Früher wurde es von einer Dampffördermaschine betrieben, die sich bei Schauvorführungen noch immer in Bewegung setzt. Kinder allerdings können mit dem Begriff „Zeche Hannover“ wenig anfangen – für sie heißt die Anlage schlicht „Zeche Knirps“.

WDR-Funkhaus am Wallrafplatz, Köln

Das Funkhaus Wallrafplatz wurde 1948 – Köln liegt zu dieser Zeit noch in Schutt – auf Initiative des Intendanten Hanns Hartmann nach Entwürfen des Architekten Peter Friedrich Schneider auf den Trümmern des Hotels Monopol gebaut. Im August 1950 wurde der Große Sendesaal

LWL-Industriemuseum Zeche Zollern, Dortmund

Zeche Zollern war eine Musterzeche: Sie entstand Ende des 19. Jahrhunderts und sollte durch ihr Erscheinungsbild gleich einen Eindruck von der Macht und Modernität des Bergbaus vermitteln. Das gelang Architekt Paul Knobbe tatsächlich mustergültig: Noch heute sind Besucher überwältigt von der prunkvollen Backsteinfassade, der farbige Verglasung, den mächtigen Portalen und den Giebeln

Landschaftspark Duisburg - Nord

Der Landschaftspark Duisburg-Nord in Meiderich ist Landschaft und Park nur in einem sehr erweiterten Sinn dieser Begriffe – handelt es sich bei ihm doch um eine Industriebrache, die im Verlauf der Internationalen Bauausstellung Emscherpark 1989 bis 1999 zu einem Multifunktionspark neuen Stils umgestaltet wurde.

1961 – Willy Brandt fordert blauen Himmel über dem Ruhrgebiet

„Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden!“ Das verkündete Willy Brandt am 28. April 1961 auf dem Wahlkongress der SPD – nicht in Duisburg, nicht in Dortmund, sondern in der Bonner Beethovenhalle.

Deutsches Bergbau-Museum, Bochum

Wie Kohle entsteht, lernen Ruhrgebietskinder schon im Sachkundeunterricht der Grundschule. Wie es jedoch tatsächlich aussieht, wenn Pflanzenreste tief unter der Erde im Laufe der Jahrhunderte „inkohlen“, also erst zu Torf, dann zu Braun- und schließlich zu Steinkohle werden, und wie ihre Vorfahren das schwarze Gold aus der Erde beförderten – davon bekommen sie

Die Baumeister-Familie Böhm

Die Böhms sind eine Architekten-Familie aus Köln – fast möchte man sagen: eine Architekten-Dynastie, denn die Männer dieses Hauses sind nun schon in der vierten Generation Baumeister. Der erste berühmte Böhm war Dominikus, er zog aus dem Schwäbischen an den Rhein und errichtete im Westen vor allem zahlreiche Kirchen.

Schokoladenmuseum, Köln

Einst war sie die Götterspeise der Azteken, heute ist sie Massenware und ein Industrieprodukt, doch noch immer bringt sie die Geschmacksnerven zum Explodieren – Schokolade. Kein Wunder, dass ein Museum, das sich ausschließlich der schmelzenden Sünde widmet, zu den zehn meist besuchten Museen Deutschlands zählt und in der Lage ist, sich selbst zu tragen.

1948 – Der „Parlamentarische Rat“ tagt in Bonn

Die erste Hauptstadtfrage Nordrhein-Westfalens wurde 1946 recht umstandslos gelöst – in London. Die Briten erfanden nicht nur „Northrhine-Westphalia“, sie dekretierten auch, welches die Kapitale sein solle: Düsseldorf.

1985 - Günter Wallraff ist „Ganz unten“

Als der Kölner Schriftsteller und Journalist Günter Wallraff im Oktober 1985 sein neues Buch „Ganz unten“ vorstellt, ist er längst kein Unbekannter mehr. Unbekannt ist er nur, wenn er sich verkleidet, um auf Undercover-Recherche zu gehen.

Aalto-Musiktheater, Essen

Es ist das schönste Musiktheater im Revier und kann den prominentesten Architekten vorweisen. Zugleich ist es das künstlerisch anerkannteste Haus und hat den meist gepriesenen Intendanten und Generalmusikdirektor in Personalunion: das Aalto-Musiktheater. Entworfen wurde es in kühnen, asymmetrischen Linien nach Plänen des Finnen Alvar Aalto,

1959 – Eröffnung des Theaters Gelsenkirchen

Eine Stadt spielt Stadt. Das ist das Schauspiel, das im Musiktheater im Revier Abend für Abend mit jeder Aufführung auf der Bühne steht. Schau-Spiel im Wortsinn. Erst bei künstlichem Licht beginnt es sich zu entfalten und sich nach außen hin mitzuteilen.

Verdis „La Traviata“ in Essen

Regisseur Josef Ernst Köpplinger verlegt am Aalto-Theater die Handlung von Verdis "La Traviata" in Essen ins Paris der 1920er Jahre und in den Saal eines Sanatoriums im Hochgebirge, das an Thomas Manns "Zauberberg" erinnert.

Jazz Rally

Seit zwei Jahrzehnten sorgt die Düsseldorfer Jazz Rally für die Rundumbeschallung einer ganzen Stadt.

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GEMISCHTE TÜTE