2000 – Hanns Dieter Hüsch verlässt die Bühne

Die Krankheit hatte bereits Spuren hinterlassen, als sich Hanns Dieter Hüsch im Jahr 2000 nochmals eine Tournee zumutete. Es waren Abschiedsvorstellungen mit dem programmatischen Titel „Wir sehen uns wieder“, und die Zuschauer erlebten einen geschwächten älteren Herrn, der sich, nach überstandener Krebserkrankung, noch einmal hinter seine kleine Orgel setzte und seinen großen Trost-Text vortrug. Der war bereits ein paar Jahre zuvor als Buch gleichen Titels erschienen und handelte von Hüschs Ausflug in den Himmel. Er hatte den „lieben Gott“ im niederrheinischen Dinslaken getroffen, wo dieser auf dem Weg zur Wäscherei seiner Schwester war, um ein wenig auszuhelfen. Am Ende des Tages radelte Hüsch auf Einladung gen Himmel, um sich schon mal umzuschauen und Gott etwas vorzulesen. Am Ende kehrte er aber nochmals auf die Erde zurück.

Ein Text leichten Herzens, kein literarischer Volkstrauertag. Dennoch wurde das Versprechen „Wir sehen uns wieder“ nicht eingelöst. Bevor sich Hüsch seinen Lebenstraum erfüllen konnte – er wollte als Shakespeares „Lear“ in Dresden auf der Bühne stehen –, erlitt der Poet 2001 einen Schlaganfall und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Er brachte noch sein literarisch-kabarettistisches Vermächtnis unter dem Titel „Zugabe“ auf den Weg, lebte zurückgezogen und starb 2005. Hüsch wurde in seiner Heimatstadt Moers beerdigt, und nicht wenige werden einen Text, den er schon Jahre vorher schrieb, im Kopf gehabt haben. „Mein Testament“ fasst den ganzen poetischen, niederrheinischen Hüsch und sein Selbstverständnis zusammen. Am Ende heißt es:

„Und ein kaltes Kotelett auf der Faust
Und einen Friedhof mit kleiner Kapelle
Wir liegen nicht mit dicken Köpfen
Auf unseren Biertischen
Und schwatzen was von Utopie
Wir sind Utopie
Und sterben aus

Aber sonntags gehen wir noch einmal über die Felder
Mit allem Drum und Dran
Mit den Kindern
Den Gänsen und Kälbern
Den Hunden und Schweinen
Bis zum Horizont
Bis es nicht mehr weitergeht
Und dann drehen wir uns um
Und sagen
Da hinten
Da liegt unsere kleine Republik
Da ist unser Zuhause
Und wir laufen und laufen
So schnell wir können
Als müssten wir an diesem Abend
Noch den Grand Canyon überqueren
In unsere Welt hinein
Die ihre Arme weit aufhält
Und uns alle umschlingt

Und dann wird noch mal ein Fest gefeiert
Spaßig traurig und schön

Einer singt:
You are the sunshine of my life
Ein anderer singt:
Die Internationale
Und ein dritter:
Gloria in excelsis deo
Et in terra pax hominibus

Und dann
Bin ich eingeschlafen.“

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