Krupp hier, Krupp dort, überall Krupp. Die Historie des Konzerns und der Industriellenfamilie gehört zu den spektakulärsten Kapiteln deutscher Geschichte – und wohl auch zu den geläufigsten. Wurde sie doch in zahllosen Büchern, Filmen, Ausstellungen referiert, illustriert, interpretiert. Woher kommt das immense Interesse? Schuld ist wohl der Mythos. Und genau den will das Essener Ruhr Museum jetzt besichtigen. In der Großausstellung zum 200-jährigen Firmenjubiläum versammelt es dazu rund 1500 Exponate – darunter Porträts und persönliche Gegenstände, Mobiliar aus der Villa Hügel, Kunstwerke und Mineralien aus den familieneigenen Sammlungen. Wichtige Urkunden und Verträge, Filme, Fotos und bekannte Produkte des Firmenimperiums.
Zu Beginn der Ausstellung grüßt eine Art Stele – rostig und gedrungen. Sie bietet einen guten Beleg für die Wirkmacht der Bilder, die Alfred Krupp selbst von seinem Unternehmen entwarf. So nutzte er seit 1851 Weltausstellungen, um mit immer größeren Stahlblöcken für die Firma zu werben. Beinahe legendär ist die Anekdote, wie 1855 in Paris solch ein schwerer Klotz durch den hölzernen Hallenboden krachte – gern zitiert als eine der ersten, wenn auch eher unfreiwilligen PR-Aktionen.
Der Rundgang im Ruhr Museum beleuchtet sodann in drei Strängen die wesentlichen Pfeiler des Mythos. Zum einen geht es da um die Akteure - um die oft starken, aber meist unglücklichen Männer, um ihre ebenso starken Frauen. Und um die „Kruppianer“ – jene bevormundeten, umsorgten, stolzen Werksangehörigen. Zum anderen rücken die Produkte des Unternehmens ins Rampenlicht: Vom Epoche machende Werkstoff Stahl bis hin zu Walzen, Eisenbahnschienen und Essbestecken, Kanonen und Geschossen aus dem Hause Krupp.
Am Anfang der wechselvollen Unternehmensgeschichte steht Friedrich Krupp, der sich vor 200 Jahren mit ererbtem Geld daran gemacht hatte, das Geheimnis des Gussstahlverfahrens aufzuspüren – allerdings hochverschuldet endete. Erst sein Sohn, der am 26. April 1812 geborene Alfred, wird die Firma zu ihrer späteren Bedeutung führen. Dass der tüftelnde Vater in ökonomischer Hinsicht völlig versagt hatte, war ihm so peinlich, dass er die Erinnerung daran mit einem eigenen Gründungsmythos überdeckte.
Auf dem Weg durch die Jahrzehnte versucht die Schau, den Protagonisten der Story ein Stück näher zu kommen. Zuweilen auch eingefahrene Sichtweisen zu korrigieren. Alfreds Sohn Friedrich Alfred etwa – oft bloß als schwächlicher Studierstubentyp abgetan – kommt hier als „unterschätzter Krupp” zu Ehren. Erst unter seiner Leitung sei das Unternehmen zur Weltfirma gewachsen. Friedrich Alfreds Neigung zur Naturwissenschaft sei dabei keineswegs hinderlich gewesen, so Museumsleiter Theo Grütter. Denn was sein Großvater bei der geheimnisvollen Stahlherstellung noch alchimistisch betrieben hatte, stellte Friedrich Alfred auf eine wissenschaftliche Grundlage.
Verdienste attestiert die Schau sogar dem eingeheirateten Gustav von Bohlen und Halbach. Sicher, er hat Konzentration auf Waffen und Verquickung mit Machtpolitik auf die Spitze getrieben, und sich am Ende mit den Nazis eingelassen. Aber 1919 konnte er das Unternehmen retten. Die Ausstellung zeigt, auf wie vielen Feldern sich die abgerüstete Firma damals neu zu erfinden suchte: mit Lokomotiven, Lastwagen, Motorrollern, Registrierkassen, Zahnersatz.
Soweit zur Familie. Im Blick auf die „Kruppianer” wird im Ruhr Museum klar, wie sehr dieser Teilmythos trotz Fortexistenz einer Firma namens „ThyssenKrupp” Vergangenheit ist. Vor dem Hintergrund heutiger Arbeitsverhältnisse – flexibel, temporär, prekär – wirkt das Prinzip der fürsorglichen Firmenbindung wie von einem anderen Stern.
Ruhr Museum | Gelsenkirchener Str. 181 | 45309 Essen
Tel: 0201 / 8845200 | Email: info@ruhrmuseum.de | Website: http://www.ruhrmuseum.de
Öffnungszeiten:
Täglich von 10:00 bis 19:00 Uhr
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Tel: 0201 / 8845200 | Email: info@ruhrmuseum.de | Website: http://www.ruhrmuseum.de
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Täglich von 10:00 bis 19:00 Uhr


