Ein als Frau kostümierter Mann steigt aus einer schwarzen Limousine, schüttelt jede Hand, die ihm in die Quere kommt, erklimmt die Stufen des Schloss Bellevue, flötet mit niederländischem Akzent „Hallo! Ich bin die Trixie!“ und fordert „Lecker Mittachessen!“ Es war einer der ersten und mittlerweile auch bekanntesten Auftritte dieser Art des Komikers Hans-Peter Kerkeling aus Recklinghausen, genannt „Hape“. Schließlich kannte die Witzigkeit Anfang der 90er Jahre keine Grenzen. „Total normal“ hieß Kerkelings Chaossendung im NDR-Fernsehen, in der er beispielsweise Besucher eines experimentellen Klassik-Konzerts verhurzte oder – „Naaaaabend!“ – Bambiverleihungen enterte und den verdutzten Prominenten rote Mitropa-Kaffeemaschinen aufnötigte. Erst sein Auftritt als Königin Beatrix der Niederlande aber machte ihn zum Staatsgespräch.
Kurz bevor die echte Monarchin von Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum Bankett empfangen werden sollte, schaffte es Kerkeling mit einer Pseudo-Staatskarosse durch alle Sicherheitssperren, fuhr vor dem Amtsitz des Bundespräsidenten vor und mischte die Bude richtig auf. In einem Knäuel aus Journalisten, Fotografen und Sicherheitsleuten winkte er der „Bevolkering“ und vertröstete das präsidiale Protokollpersonal, dass Prinzgemahl Claus noch „in die Auto“ sitzen würde. Von ernst blickenden Polizisten wurde er höflich, aber bestimmt aufgefordert, das Gelände umgehend zu verlassen.
In Interviews hat Kerkeling rückblickend festgestellt, dass das Ganze auch fürchterlich hätte schief gehen können. Er hatte bei der Planung des Auftrittes überhaupt nicht damit gerechnet, überhaupt bis vor das Schloss zu gelangen. An der Schranke hätte eigentlich Schluss sein sollen, aber die diplomatisch-dunkle Karosse mit ihren Fantasie-Fähnchen auf der Motorhaube konnte ungehindert passieren. Was dann folgte, war schönste Improvisation kerkelingscher Ausprägung; bis sich dieser irgendwann auf dem Bürgersteig vor dem Bellevue wiederfand, und zusehen musste, wie in der Ferne die „reale“ Königin Beatrix vom Bundespräsidenten begrüßt wurde. Kerkeling brüllte zwar noch über den Zaun, dass er „die echte Trixie“ sei – vergebens.
Dem Komödiant, der damals mit eben solchen Figuren wie der „Beatrix“ den Grundstein für viele weitere Charaktere legte, blieb am Ende der gescheiterten Bellevue-Sause ein wenig Trost: Statt „Lecker Mittachessen!“ gab es für ihn ein „Lecker Butterbrot“, gestiftet von einem mitleidigen Autofahrer, den „Trixie“ lautstark im Stau von Autofenster zu Autofenster über diese „Unverschämtheit!“ informierte.


