1987 – Joachim Lottmann erfindet sich als Erfinder der Pop-Literatur

Das Cover ist quietschbunt. Darauf finden sich neben den üblichen Angaben wie Titel („Mai, Juni, Juli“), Autor (Joachim Lottmann) und Gattungsbezeichnung (Ein Roman) auch ein paar Angaben darüber, was der interessierte Leser auf keinen Fall erwarten sollte. Eine ganze Menge: Kein Sex, keine verdammt gute Literatur, keine Monomanie, kein Tiefgang, kein Vergangenheitsbewältigungsmist, auch kein Avantgarde-Scheiß und und und.

Worum aber geht’s in „Mai, Juni, Juli“? Darum, dass nichts geht. Um einen Schriftsteller, der von Hamburg nach Köln kommt und für einen dort ansässigen Verlag unbedingt ein Buch schreiben muss. Der Verleger möchte eine „Sache mit Biss“, der Autor aber bringt nichts zu Papier. Am Ende dieses Buches, dessen gefühlte Stimmung die eines einzigen heißen Kölner Sommertags ist, fragt der Ich-Erzähler: „Wozu war ein Buch da, wenn man nicht nach der ersten halben Seite Lust bekam, nach draußen zu rennen und es dem Buch gleichzutun?“ Fünf Seiten später ist der Roman zu Ende. So wie fast auch die Karriere Joachim Lottmanns, noch ehe sie richtig in Schwung kommt.

„Von Anfang an bestand der Trick darin, sich so extrem eng und hyperreal an die Wirklichkeit zu halten, dass jeder dachte, es sei einfach nicht wahr. Dieses beschriebene Leben war zu gut, zu aufregend, zu sexy, als dass es wahr sein konnte“, schreibt der 1956 in Hamburg geborene Joachim Lottmann später, als er auf die Rezeption von „Mai, Juni, Juli“ zurückblickt. Komischerweise wurde ihm nicht die unglaubliche, weil nicht vorhandene Sexyness des "beschriebenen Lebens“ zum Problem, sondern – ganz im Gegenteil – die gezielte Indiskretion, mit der er den Kulturbetrieb vorführt. Denn nachdem er erste Auszüge aus seinem angekündigten, nie erschienenen Schlüsselroman über die Kölner Kunstszene, „Die Frauen, die Kunst und der Staat“, veröffentlicht, wird er zur unerwünschten Person erklärt. Martin Kippenberger habe damals eine „Fatwa“ gegen ihn verhängt. Sagt Lottmann. Die Intellektuellen meiden seine Partys und der reale Kölner Verleger seine Manuskripte, heißt es. Von denen gibt es reichlich, zwischen zwanzig und fünfzig schon zu dieser Zeit. Genaueres lässt sich kaum sagen, denn die Zahl ist, je nachdem, wann und von wem diese Geschichte erzählt wird, beträchtlichen Schwankungen unterworfen. Was auch zeigt, dass Joachim Lottmann sich überaus erfolgreich als Legende aufgebaut hat.

Selbst der in Lottmanns lockerer Handhabung von Fakten und Fiktionen geschulte Leser wird in all dem nicht nur eine gekonnt zusammen gebastelte Verschwörungstheorie sehen dürfen. Tatsächlich dauert es einige Jahre, nämlich bis 2004, bis der Verlag Kiepenheuer & Witsch wieder einen Lottmann-Roman veröffentlicht: „Die Jugend von heute“. Zwischendurch verschwindet Lottmann weitgehend aus dem Wahrnehmungsbereich der literarischen Öffentlichkeit, zieht ein paar Mal um und schließlich mit einem Stipendium nach Berlin. Vermutlich sind in dieser Zeit zahlreiche Romane entstanden, einer davon wurde 1999 auch veröffentlicht: „Deutsche Einheit“, in dem Lottmann Christian Kracht zu seinem Schutzpatron erklärt und so um die verspätete Aufnahme in den eigentlich schon geschlossenen Club der Pop-Literaten wirbt.

Schwer zu sagen wann, aber Lottmann hat den maroden Pop-Laden dann einfach übernommen. Der Internet-Enzyklopädie Wikipedia galt er vor ein paar Jahren als einer der „Urväter der deutschen Pop-Literatur“, Christian Kracht als sein Epigone. Das hingekriegt zu haben ist zweifellos ein Geniestreich. Selbst wenn Lottmann mittlerweile nur noch als „exponierter Vertreter” dieser Art geführt wird.
 
Im Juli 2003 verabschiedete sich Lottmann dann mit einer „letzten langen Nacht der Popliteratur“ vorläufig von der Showbühne. Christian Kracht, Benjamin von Stuckrad-Barre, Alexa Hennig von Lange waren dazu geladen. Erwähnenswert ist das deshalb, weil es den Organisatoren des Abends gelang, diese absurde Gästeliste als Ankündigung in Berliner Zeitungen zu platzieren. Erschienen sind dann Wolfgang Herrndorf und Sven Lager. Joachim Lottmann trug an diesem Abend ein schwarzes T-Shirt, auf dem „Erfolgsautor“ stand. Und sagte: „Der Spagat zwischen jungen Menschen und mir ist mittlerweile zu groß geworden, sodass es durchaus Sinn macht, nunmehr ein Seniorenprogramm aufzulegen.“

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Martin Kippenberger

Martin Kippenberger war als Künstler in keinem bestimmten Genre, sondern fast überall zuhause. Der 1953 geborene Dortmunder studierte in Hamburg nach einer gescheiterten Lehre als Schaufenster-Dekorateur Kunst bei Franz Erhard Walther und Rudolf Hausner.

Hartware MedienKunstVerein, Dortmund

Medienkunst kann mehr sein als verrauschte Videos in dunklen Museumsecken. Das beweist der „Hartware MedienKunstVerein“ seit seiner Gründung im Jahr 1996. Im Dortmunder „U“ veranstaltet der „HMKV“ Ausstellungen,

1985 - Günter Wallraff ist „Ganz unten“

Als der Kölner Schriftsteller und Journalist Günter Wallraff im Oktober 1985 sein neues Buch „Ganz unten“ vorstellt, ist er längst kein Unbekannter mehr. Unbekannt ist er nur, wenn er sich verkleidet, um auf Undercover-Recherche zu gehen.

Wolfgang Tillmans

Wolfgang Tillmans, 1968 in Remscheid geboren, ist kein Fotograf im herkömmlichen Sinn. Nie geht es ihm um das Konservieren oder Einfrieren von Erlebnissen, Wahrnehmungen und Ereignissen. Seine Fotografie ist ein Amoklauf gegen den Tod.

Stadtgarten, Köln

Mitten in der Kölner Innenstadt findet sich ein „Konzerthaus“ besonderer Ausrichtung: Der „Stadtgarten“, direkt am gleichnamigen Park gelegen, ist ein Veranstaltungsort und Szenetreff, der Konzerte mit Gastronomie wie Restaurant und Biergarten verbindet.

Christoph Schlingensief

„Ich mag ein begnadeter Selbstdarsteller sein, aber ich stelle mich nicht selber dar, sondern ich stelle etwas dar. Ich habe in allen meinen Filmen selber Rollen vorgespielt. Ich stelle also noch nicht mal Christoph Schlingensief dar, weil ich in Wirklichkeit gar nicht der Christoph Schlingensief bin, den alle meinen.“

PeterLicht

Ein Mann ohne Gesicht, aber mit einem Lied: „Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck!" Das kleine Elektro-Stück fand sich auf einer CD, die dem Musikmagazin „Spex" beigelegt war. Vorher hatte PeterLicht das Stück auf seiner EP „Sechs Lieder" veröffentlicht - unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Hans Nieswandt

Hans Nieswandt gehört zu dem erlauchten Kreis, der den „Sound of Cologne“ geprägt hat. Dabei ist er streng genommen das, was die Kölschen Frohnaturen „Immi“ nennen: ein Zugereister. 1964 in Mannheim geboren, schlägt Nieswandt erst über den Umweg Hamburg in Köln auf.

Ralf König

Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das Kreuz, das ein bisschen aussieht wie ein christliches Tattoo, hat sich Ralf König im Alter von 12 Jahren auf den Oberarm experimentiert. Kinder, die wie König in einem katholischen Kuhdorf mitten in Westfalen aufgewachsen sind, tragen ihr Kreuz häufig ein Leben lang mit sich herum. Ganz tief in sich drin.

Mouse on Mars

Ist es eine Band? Ist es ein Projekt? Es ist Supermaus! „Mouse on Mars“ kam dabei raus, als der Düsseldorfer Andi Toma und der Kölner Jan St. Werner 1993 ihre musikalische Zusammenarbeit begannen und einen Namen dafür suchten.

FFT Forum Freies Theater, Düsseldorf

Zwei traditionelle Düsseldorfer Spielstätten, das Juta in der Altstadt und die Kammerspiele in der Jahnstraße, wurden 1999 zum Forum Freies Theater unter einer künstlerischen Leitung zusammengeführt. Ein von der Stadt Düsseldorf und dem Land gestütztes Experiment,

1962 – Oberhausener Manifest

Es war Vatermord. Korrekter: Opa-Mord. Eine symbolische Handlung also, der Taten folgen sollten. Am 28. Februar 1962, während der achten Westdeutschen Kurzfilmtage in Oberhausen, bekannte sich eine Gruppe junger Filmregisseure zu ihrem Anspruch, den "neuen deutschen Film zu schaffen".

Nils Wogram

Mit zwölf Jahren waren seine Arme naturgemäß noch zu kurz, um den Posaunenzug voll ausfahren zu können. Aber nicht nur der körperliche Reifeprozess war längst nicht abgeschlossen, als Nils Wogram 1984 am Braunschweiger Konservatorium sein Studium aufnahm.

Harald Schmidt

Irgendwann vor ein paar Jahren hat Harald Schmidt einen Zustand der intellektuellen Glückseligkeit erreicht, der nur wenigen zugänglich ist. Seitdem ist ihm alles egal. Weil er nichts mehr will, kann er alles wagen. „Was mich interessiert, ist Thema in der Show", sagt er, und so verfährt er dann auch.

Theater an der Ruhr, Mülheim

„Vorsicht: Kein Stadttheater!“ So wirbt das Theater an der Ruhr für sich selbst. Als es 1980 von den Gesellschaftern, dem Regisseur Roberto Ciulli, und dem dramaturgischen Kopf, Helmut Schäfer, mit der Stadt Mülheim an der Ruhr gegründet wurde,

Rosemarie Trockel

Rosemarie Trockel, 1952 in Schwerte (Westfalen) geboren, ist Zeichnerin, Malerin, Filmerin, Video- und Installationskünstlerin. Sie ist berühmt für ihren subversiven Humor, ihre aggressive Ironie, ihre Kunst der Doppeldeutigkeiten.

c/o pop

Alljährlich beschert die c/o pop der Stadt Köln eine dickes Paket Musik. Als Musikgipfeltreffen gilt die Veranstaltung, die im Sommer an mehreren Tagen die Stadt beschallt - auf Konzertbühnen ebenso wie in Tagungsräumen.

Grillo-Theater, Essen

Das Theater ist nach dem Industriellen Friedrich Grillo benannt, der die Errichtung des Hauses ermöglicht hat. 1892 eröffnet, ist es eine der ältesten Bühnen im Ruhrgebiet. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, wurde das Gebäude mit einer neoklassizistischen Front-Fassade wiederaufgebaut und 1950 neu eröffnet.

1982 - Eröffnung Museum Abteiberg

Von Besuchern sei er oft gefragt worden: „Wo müssen wir denn rund gehen?“, erzählte Johannes Cladders gerne. „Ihr seid mündige Bürger, das müsst ihr selbst entscheiden“, antwortete der Gründungsdirektor des Museums Abteiberg in Mönchengladbach dann.

13. Ausgabe der „Wege durch das Land“

Jedes Jahr, wenn es wärmer und grüner wird, geht das Festival „Wege durch das Land“ auf Entdeckungsreise durch Ostwestfalen-Lippe, sucht unbekannte Orte auf, um dort Raum und Zeit, Literatur und Musik in Beziehung zu setzen.

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