1981 – Kommissar Schimanskis erster Fall: „Duisburg-Ruhrort“

28. Juni 1981, nach der Tagesschau. Erst brettert der legendäre Tatort-Vorspann, vorangetrieben von Klaus Doldingers Saxofon und Udo Lindenbergs Schlagzeug, über den Bildschirm. Danach kurze Stille, bis ein Mann in einem roten T-Shirt ein Radio einschaltet und aus dem Fenster seiner Hochhauswohnung blickt. Ein grauer Morgen, im Hintergrund sind schemenhaft Industrieanlagen, Schornsteine, Hochöfen zu sehen; wahrscheinlich die Duisburger Thyssen-Werke. Der Mann geht in die klebrig-zugemüllte Küchenzeile, holt sich zwei Eier aus dem Kühlschrank, sucht eine saubere Pfanne, findet keine, schlägt die Eier kurzerhand in einem Glas auf, das er in einem Zug leert. Danach Schnitt auf eine Straße in Duisburg-Ruhrort, am Ende erkennt man die Streben einer Rheinbrücke, ein anderer Mann randaliert und wirft Möbel aus dem Fenster, und schickt sich an, einen Fernseher hinterher zu werfen. Jener Mann, der anfangs die rohen Eier getrunken hat, gesellt sich zu den Schaulustigen und brüllt den Randalierer an: „Hotte, du Idiot! Hör auf mit der Scheiße!“

Diese beiden Anfangszenen dieser Tatortfolge mit dem lapidaren Titel „Duisburg Ruhrort“ fassen den Charakter der  Figur Horst Schimanski, Kripo Duisburg, schon in den ersten Minuten perfekt zusammen. Ein rüpelnder, fluchender Kommissar mit Schnauzer und in beige-grauer Funktionsjacke. Ein Ruhrgebietler mit dicker Hose und großer Fresse und  gleichzeitig ein einsamer Wolf, der morgens allein aufwacht. Sein Revier ist das industrielle Duisburg der 80er Jahre – dreckig, heruntergekommen, grau. Dieser Tatort eckte in der Öffentlichkeit an und brachte einen neuen Ton ins sonntagabendliche Fernsehen. Zuschauer erregten sich über zahlreiche Verwendung des Begriffs „Scheiße“ und das neue Bild eines Ermittlers, das so gar nichts mehr mit seinem Tatort-Vorgänger, dem braven Essener Kommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy), zu tun hatte. Die Stadt Duisburg sorgte sich indes um den guten Ruf, schließlich wollte man nicht als besiedelte Industriebrache wahrgenommen werden, sondern als Ort, der sich hoffnungsfroh in den kommenden Strukturwandel aufmachte. 

Auch wenn Schimanski heiß diskutiert wurde – der Erfolg gab den Machern recht. Mit Hajo Gies als Regisseur und dem ruhigen Gegenpart „Thanner“ (gespielt vom früh verstorbenen Eberhard Feik) an seiner Seite liefen die Schimanski-Filme unter dem Tatort-Label bis 1991 und endeten mit „Der Fall Schimanski“, an dessen Ende die Hauptfigur mit einem Drachensegler vom Hochhausdach startet und über Duisburg kreist. Das Ganze unterlegt mit einem Rock-Schlager von Bonnie Tyler und Schimmis begeisterten, wenn auch redundanten Rufen: „Scheeeeiiiiße“.

Danach war Schimanski offiziell im Ruhestand. Ab 1997 wurde er reaktiviert und bekam eine eigene Film-Reihe mit dem einfachen Titel „Schimanski“, die in großen zeitlichen Abständen bis heute auf dem Tatort-Sendeplatz läuft. Schimanski ist nicht mehr bei der Polizei, lebt mit schöner Freundin in Belgien, ermittelt auf eigene Faust oder wird gerufen, wenn’s brenzlig wird. Der Mann ist älter geworden und muss nicht mehr jeden Stunt selber machen. In der Folge „Schicht im Schacht“ liegt die Leiche in einem  aufgegebenen Stahlwerk in Duisburg; Schimanski außer Dienst versucht durch die Absperrungen zu gelangen, und wird von einem jüngerem Beamten abgewiesen: „Geh nach hause, das ist kein Spielplatz hier“. Worauf Schimanski dennoch übers Absperrband kraxelt, den Polizisten lange ansieht und entgegnet: „Ein Spiel war das nie.“

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